Instagram nimmt Update zurück - nach Kritik von Usern

Stand: 29.07.2022, 17:35 Uhr

Instagram hat bei vielen Nutzern ein neues Design mit bildfüllendem Feed und mehr empfohlenen Beiträgen ausprobiert. Doch das Update kam nicht gut an. Instagram hat kurzerhand die Rücknahme des Update angekündigt. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt die Hintergründe.

Die zum Facebook-Konzern gehörende Plattform Instagram hat zu kämpfen: Die jüngeren Nutzerinnen und Nutzer wandern vermehrt zu TikTok – und kehren Instagram damit den Rücken. Das macht sich sogar wirtschaftlich bemerkbar: Zum ersten Mal musste Facebook jetzt einen Umsatzrückgang vermelden. In der Welt der erfolgsverwöhnten Hightech-Konzerne eine Seltenheit und zweifellos ein Warnzeichen.

Neue Funktion: Jedes Video auch als Reel

Schon länger versuchen die Macher hinter Instagram, erfolgreiche Konzepte von TikTok zu kopieren. Während Instagram normalerweise vor allem Fotos und Videos (in letzter Zeit vermehrt Videos) von Freunden in der Timeline präsentiert und nur selten Aufnahmen von Fremden, ist es bei TikTok anders. Da ist der Anteil an Videos von Fremden ungleich höher.

Die größte Konkurrenz für Instagram kommt aus China: TikTok zieht vor allem jüngere User an

Das hatte nun auch Instagram in einem Update, das längst noch nicht allen zur Verfügung steht, ganz ähnlich angelegt: Jedes Video soll auch als Reel erscheinen (und damit potenziell Fremden sichtbar gemacht werden). Außerdem schieben sich diese Reels schneller und prominenter ins Sichtfeld der App – bildfüllend.

Zahlreiche Proteste gegen Neuerungen

Das ist eine Art TikTok-like – hat aber vielen Usern nicht gefallen. Sie haben gegen die Neuerungen protestiert und ausdrücklich zum Ausdruck gebracht, sie wollten nicht, dass Instagram wie TikTok funktioniert. Der in vielen Sozialen Netzwerken zum Ausdruck gebrachte Frust ist beim obersten Instagramer Adam Mosseri angekommen. Nach Angaben des Instagram-Chefs hat sich die Unzufriedenheit sogar in einem Rückgang der Nutzerzahlen niedergeschlagen, so Mosseri in einem Interview mit dem Tech-Journalisten Casey Newton.

Am wenigsten gefallen hat den Usern, dass Instagram mit dem Update damit begonnen hat, Fotos und vor allem Videos im Vollformat anzuzeigen. Das verdeckt nahezu alle anderen Komponenten und macht die Inhalte sehr prominent. Natürlich auch Werbung, die auf diese Weise dann präsentiert werden kann. Doch der Protest war zu groß: Die bildschirmfüllenden Aufnahmen sollen binnen zwei Wochen wieder verschwinden.

Die Macht der Nutzer

Das aktuelle Beispiel zeigt: Online-Konzerne reagieren immer schneller auf den Druck der User. Niemand will das Risiko eingehen, Nutzer zu verlieren. Denn User, die sich – frustriert – einem anderen Netzwerk zuwenden, bleiben dort womöglich. Online-Petitionen wie "Make Instagram Instagram again" von der Fotografin Tati Bruening sorgen für Aufmerksamkeit, machen Stimmung und lassen auch die Unternehmensführung nicht kalt.

Mark Zuckerberg hat angekündigt: Der Anteil an Inhalten von Fremden wird sich erhöhen

Ungeachtet der Kritik arbeitet Facebook trotzdem daran, den Nutzern auf Facebook und auf Instagram mehr Inhalte zu zeigen, die von Algorithmen ausgewählt werden (also nicht direkt von Menschen kommen, mit denen die User verbunden sind). Bei Facebook werden derzeit rund 15% der Inhalte von Algorithmen ausgewählt. Das soll sich bis zum Jahr 2030 auf 30% steigern. Bei TikTok ist der Anteil deutlich höher.

Neue Ideen gefragt

Vermutlich gibt es bei den Entwicklern von Instagram auch ungläubiges Staunen darüber: Was den Menschen bei TikTok gefällt, insbesondere dass ständig Videos unbekannter User angezeigt werden, das kommt bei der Instagram-Klientel nicht gut an. Die Plattform-Machern werden sich etwas anderes einfallen lassen müssen, um den Nutzerrückgang aufzuhalten.

Über den Autor

Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.

Jörg Schieb, Jahrgang 1964, ist WDR-Digitalexperte und Autor von 130 Fachbüchern und Ratgebern. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Digitalisierung und deren Auswirkungen auf unseren Alltag.

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