Der Ticker vom Sonntag (23.08.2020) zum Nachlesen

  • Diskussion um Maskenpflicht am Arbeitsplatz
  • Fitnessstudios haben wegen Corona deutlich weniger Kunden
  • Ärztepräsident fordert mehr Schnelltests
  • Alle Entwicklungen hier im Live-Ticker
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Was gibt es Neues in Sachen Coronavirus? Hier im Live-Ticker halten wir Sie über die Entwicklungen auf dem Laufenden.

Diskussion um Maskenpflicht am Arbeitsplatz

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hält es laut "Welt am Sonntag" für möglich, dass eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz bundesweit Pflicht wird, wenn man damit die Schließung ganzer Branchen verhindern kann. Bayerns Ministerpräsident Söder hat sich im "Deutschlandfunk" dafür ausgesprochen, die Maskenpflicht in manchen Bereichen auszuweiten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht eine mögliche Maskenpflicht am Arbeitsplatz kritisch. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber (und auch Schulverwaltungen) müssten zuerst technische und organisatorische Schutzmaßnahmen umsetzen. Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping fordert die Bundesregierung auf, für genug geeignete Lüftungsanlagen und Filter zu sorgen.

NRW-Gesundheitsminister Laumann hat der "Rheinischen Post" gesagt, dass er eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz ablehnt. Er gehe davon aus, dass es in diesem Bereich wirksame Schutzkonzepte gebe und sehe daher keinen weiteren Regelungsbedarf. "Nach den Statistiken, die ich kenne, fällt nur eine geringe Zahl der Neuansteckungen - rund 6 Prozent - auf den Arbeitsplatz zurück." Auch eine Studie des Robert-Koch-Instituts ergibt, dass Büros bei der Übertragung von Corona keine große Rolle spielen.

Fitnessstudios haben wegen Corona deutlich weniger Kunden

Die Corona-Krise sorgt dafür, dass deutlich weniger Menschen im Fitnessstudio trainieren gehen. Der Vorsitzende des Bundesverbands Gesundheitsstudios Deutschlands, Botond Mezey, sagte dem Berliner "Tagesspiegel", die Mitgliederzahl sei verglichen zum Vorjahreszeitraum um 15 bis 20 Prozent gesunken. Nach einer "Pleitewelle" sieht es für ihn derzeit aber nicht aus. Er schätzt, dass rund fünf Fitnessstudios pro Woche schließen müssen. Insgesamt gebe es in Deutschland rund 9700 Studios.

Mezeys Aussagen passen zu einer Umfrage des Deutschen Industrieverbands für Fitness und Gesundheit aus dem Mai: Jedes fünfte Mitglied gab darin an, künftig seltener oder gar nicht mehr ins Fitnessstudio zu gehen.

Ärztepräsident fordert neue Test-Strategie

Angesichts aktueller Probleme mit den Corona-Tests in Deutschland fordert Ärztepräsident Klaus Reinhardt mehr Schnelltests. Nötig sei eine völlig neue Corona-Teststrategie und geeignete Konzepte für die saisonale Influenza-Impfung, sagte Reinhardt der Nachrichtenagentur dpa. In der Erkältungs- und Grippezeit herrsche Hochbetrieb in den Praxen. Zeit für Corona-Reihentests von Bevölkerungsgruppen ohne Symptome bleibe kaum noch. Dies müsse ausschließlich in Testzentren oder spezialisierten Arztpraxen erfolgen.

"Bild am Sonntag": Heil plant Verlängerung der Kurzarbeit

Mehrere Millionen Arbeitnehmer können darauf hoffen, dass sie länger Kurzarbeitergeld bekommen. Bundesarbeitsminister hat laut "Bild am Sonntag" vor, das Kurzarbeitergeld für zwei Jahre statt wie bislang geplant ein Jahr zu zahlen. Ziel ist, den massenhaften Abbau von Arbeitsplätzen in der Corona-Krise zu verhindern.

Die Unionsfraktion ist nach Informationen der "Rheinischen Post" bereit dafür, das Kurzarbeitergeld zu verlängern, wenn die Voraussetzungen dafür verschärft werden. Es habe dazu am Nachmittag entsprechende Absprachen in einer Schalte mit Unionfraktionschef Ralph Brinkhaus gegeben. Eine Voraussetzung könnte laut Union die Verknüpfung von Kurzarbeitergeld und Weiterbildungsmaßnahmen sein.

Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann sagte der "Rheinischen Post", das Kurzarbeitergeld dürfe nicht einfach so weiterfließen: "Wir müssen die Bedingungen nachschärfen, damit Mitnahmeeffekte ausgeschlossen werden."

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil | Bildquelle: Phoenix

Heil wolle das am Dienstag dem Koalitionsausschuss vorschlagen. Das Bundesarbeitsministerium schätzt, dass die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bis zu zehn Milliarden Euro kosten könnte.

Westpol-Recherche: Gesundheitsämter unterbesetzt

Das WDR-Magazin "Westpol" hat die Gesundheitsämter in NRW zu ihrer Personalsituation und zur Bewältigung der aktuellen Pandemie befragt. 37 von 54 Gesundheitsämtern haben geantwortet. Ergebnis: In einigen Gesundheitsämtern und Arbeitsbereichen hat sich die Situation verbessert, in anderen herrschen aber weiterhin große Probleme. Zwei von drei Ämtern berichten von offenen Arztstellen, die nicht besetzt werden können. Außerdem schaffen es zwei Drittel der NRW-Gesundheitsämter derzeit nicht, alle Kontaktpersonen von Covid-19-Infizierten zu testen - wie es das RKI empfiehlt.

Zu wenige Menschen nutzen Corona-Warn-App

Lange galt die Corona-Warn-App als die große Hoffnung im Kampf gegen das Virus. Doch dann tauchten immer wieder technische Probleme auf. Dazu kommt, dass nach Einschätzung von Experten viel zu wenige Menschen die App nutzen. "Damit die Corona-Warn-App wirklich etwas bringt, sollte sich die Zahl der Downloads verdoppeln", sagte Gert Wagner, Mitglied des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen, der Zeitung "Welt am Sonntag". "Rein rechnerisch liegt bei einem Kontakt eines Infizierten mit einem Unbekannten die Wahrscheinlichkeit, dass beide Personen die App haben, bei sechs Prozent." Selbst bei einer Verdoppelung der Nutzerzahl sei die Wirksamkeit der App noch begrenzt: 25 Prozent der Infektionen könnten dann aufgedeckt werden - sofern alle Betroffenen eine Ansteckung auch über die Anwendung melden.

Diskussion um einheitliche Obergrenze bei Familienfeiern

In NRW dürfen sich bis zu 150 Menschen treffen und gemeinsam eine Hochzeit, einen Geburtstag oder eine Taufe feiern. Ministerpräsident Laschet will private Feiern nicht weiter beschränken, das sagte er gestern in der Aktuellen Stunde – auch wenn andere Bundesländer wegen der Corona-Infektionszahlen eine bundeseinheitliche Begrenzung fordern.

In Hamburg und Niedersachsen sind maximal 50 Teilnehmer erlaubt, in Berlin können sogar bis zu 500 Feiernde zusammenkommen. Die unterschiedlichen Corona-Regeln sorgen immer wieder für Verwirrung. Auf eine einheitliche Regelung können sich die Bundesländer aber bislang nicht einigen. Während Berlin, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz eine einheitliche Obergrenze für Familienfeiern befürworten, lehnen Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern sie ab.

Ministerpräsident Laschet: Reiserückkehrer sollten Test selbst zahlen

"Ich glaube, das geht nicht auf Dauer" – das sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Samstag in der Aktuellen Stunde über die Maskenpflicht an Schulen. Es sollte mit Blick auf die Urlaubsrückkehrer eine Sicherungsmaßnahme zum Schulstart sein.

Außerdem forderte er, dass Reiserückkehrer aus Risikogebieten ihre Tests selbst zahlen. Das könne in Zukunft zum Beispiel über den Preis für das Flugticket abgerechnet werden. Laschet sprach außerdem über den Karneval: Veranstaltungen mit Gesang, Tanz und Küsschen halte er zumindest am 11.11. für ausgeschlossen. Dann müsse man schauen, wie die Session weitergehen kann.

Grenz-Chaos wegen Corona-Kontrollen: An der Grenze zwischen Slowenien und Österreich haben verschärfte Corona-Kontrollen laut Polizei zu massiven Wartezeiten geführt – mehr als zwölf Stunden standen Reisende im Stau. Betroffen waren auch deutsche Urlauber auf der Rückreise von Kroatien.

Weil dort die Corona-Infektionen stark gestiegen sind, hatte Österreich die Grenzkontrollen zu Slowenien plötzlich verschärft. Vor dem Karawanken-Tunnel kam es nach Angaben slowenischer Medien zu Staus von bis zu zwölf Kilometern Länge. Betroffene berichten von einer aggressiven Stimmung. Um die Situation zu entschärfen, lockerten die Behörden am Sonntagmorgen die Kontrollen. Seitdem werden Transitreisende nur noch stichprobenartig kontrolliert.

Russland will Massenproduktion von Impfstoff starten

Zwar wurde der Corona-Impfstoff "Sputnik V" bislang nur an einigen Hundert Menschen getestet, Russland plant aber dennoch schon die Massenproduktion des Mittels. Bis Ende des Jahres sollen 1,5 bis zwei Millionen Dosen im Monat hergestellt werden, sagte Industrieminister Denis Manturow laut der Nachrichtenagentur RIA. Diese Quote werde schrittweise auf sechs Millionen Dosen gesteigert. Großangelegte Tests des Impfstoffkandidaten sollen kommende Woche in Russland beginnen.

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