Ticker vom Freitag (26.06.2020) zum Nachlesen

  • Klöckner: Brauchen mehr Tierwohl
  • Zurückgeholte Touristen müssen zahlen
  • Kanzlerin telefoniert mit Güterslohs Landrat
  • Alle Entwicklungen hier im Live-Ticker
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Was gibt es Neues in Sachen Coronavirus? Hier im Live-Ticker halten wir Sie über die Entwicklungen auf dem Laufenden.

Urlaub für "Hotspot"-Bewohner mit Attest

Reisende aus einem Landkreis mit hohem Corona-Infektionsgeschehen dürfen nur dann in einem Hotel untergebracht werden, wenn ihnen ein ärztliches Zeugnis bestätigt, dass sie keine Infektion haben. Das steht in einem Beschluss des Chefs des Bundeskanzleramtes und der Leiter der Staats- und Senatskanzleien der Länder vom Freitag hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Das benötigte ärztliche Zeugnis "muss sich auf eine molekularbiologische Testung stützen, die höchstens 48 Stunden vor der Anreise vorgenommen worden ist".

Die Länder müssen diesen Beschluss noch umsetzen. Dann wäre aber klargestellt, dass ein solches Attest von Menschen aus jedem Risikogebiet verlangt wird - auch aus Hotspots, die außerhalb von NRW entstehen könnten. Bisher wurden die Kreise Gütersloh und Warendorf immer wieder ausdrücklich genannt, wenn Bundesländer Beherbergungsverbote oder Quarantänevorschriften erlassen haben.

Für NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein Erfolg: "Der Einsatz hat sich gelohnt. Gut, dass wir nun gemeinsame Regelungen aller Länder mit dem Bund dafür haben, wie wir Risiko-Vorsorge und Reisefreiheit miteinander verbinden." Er betonte: "Die Unsicherheit und Stigmatisierung bei Reisenden aus Gütersloh in den letzten Tagen dürfen sich nicht wiederholen."

Agrarministerin Klöckner wirbt für Tierwohl-Abgabe

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat erneut für höhere Preise durch eine Tierwohlabgabe geworben. "Allen ist klar, dass es keine zweite Chance für die Branche gebe. Die Produktion muss so umgebaut werden, dass das Tierwohl steigt und die Akzeptanz der Verbraucher steigt", sagte die CDU-Politikerin nach einem Branchentreffen in Düsseldorf. Zudem warb sie für höhere Preise für Fleisch. Die Verbraucher würden vielfach durch Dumping-Preise für Fleisch und Wurst in die Märkte gelockt.

Die Fleischindustrie ist im Zuge von vermehrten Coronavirus-Ausbrüchen in Großbetrieben verstärkt in die Kritik geraten. Auch Fleisch-Unternehmer Clemens Tönnies war zu der Konferenz zugeschaltet.

Coesfeld unterstützt Warendorf

Der Kreis Coesfeld unterstützt den derzeit akut betroffenen Kreis Warendorf kurzfristig mit Personal und Material. Insgesamt 45 Beschäftigte können in den nächsten Tagen nach Bedarf abgerufen werden. Heute helfen vier Kreisbeschäftigte im Nachbarkreis bei der Testung der Bevölkerung; morgen kommen drei und am Sonntag dann 13 Kräfte zum Einsatz. Kurzfristig stellt der Kreis Coesfeld aus seiner Reserve zudem 10.000 Teströhrchen zur Verfügung.

Zurückgeholte Touristen müssen zahlen

Die Bundesregierung bittet die wegen der Corona-Pandemie aus dem Ausland zurückgeholten 67.000 Touristen mit 200 bis 1.000 Euro zur Kasse. Damit sollen 40 Prozent der Gesamtkosten der historisch einmaligen Aktion von 94 Millionen Euro gedeckt werden.

Die Kostenbeteiligung der Gestrandeten wird gestaffelt: Für Flüge von den Kanarischen Inseln und Nordafrika müssen 200 Euro gezahlt werden, für das südliche Afrika und die Karibik werden 500 Euro fällig, Rückkehrer aus Südamerika und Asien müssen 600 Euro zahlen, und wer aus Neuseeland und Australien zurückgeholt wurde, erhält eine Rechnung über 1.000 Euro.

Merkel telefoniert mit Adenauer

Bundeskanzlerin Merkel hat am Vormittag mit dem Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer telefoniert. "Die Bundeskanzlerin hat Mut gemacht und sich bei mir bedankt", sagte Adenauer. Die Bürgerinnen und Bürger des Kreises Gütersloh seien unverschuldet in die aktuelle Situation gekommen. Durch den Lockdown und den damit verbundenen Beschränkungen leisteten sie einen sehr wichtigen Beitrag, damit sich das Virus nicht in Deutschland ausbreiten kann.

"Die Bundeskanzlerin dankt sehr herzlich der Bevölkerung und allen, die für die Bewältigung dieser Krise arbeiten", teilte der Landrat mit. Konrad Adenauer, der Großvater des Landrates aus Gütersloh, war von 1949 bis 1963 der erste Bundeskanzler und damit einer der Vorgänger Merkels im Amt.

82 Corona-Tests in Dönerfabrik positiv

In der Döner-Fabrik in Moers im Kreis Wesel sind bisher 82 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das sagte Landrat Dr. Ansgar Müller am Freitagmittag (26.06.2020) bei einer Pressekonferenz. 260 Tests seien dort bisher gemacht worden. Einige Testergebnisse seien noch offen. Mehrere Personen konnten noch nicht getestet werden.

Etwa 250 Personen stehen unter Quarantäne. Der Landrat sprach von einem "sehr dynamischen Geschehen“. Die Situation verändere sich laufend. Das Unternehmen sei außerordentlich kooperativ, betonte Gesundheitsdezernent Michael Maas. Der Betrieb wird an diesem Samstag komplett geschlossen und bleibt mindestens zwei Wochen zu.

Mit Einschränkungen wie in den Kreisen Gütersloh und Warendorf sei im Kreis Wesel erst einmal nicht zu rechnen. "Wir liegen weit unter den Grenzen, die irgendein Handeln erfordern. Das Geschehen gibt Stand jetzt keinen Anlass zu solchen Restriktionen", sagte Müller. Es bestehe auch kein Anlass für Massentests.

SPD-Chef Hartmann: Spahn soll vorbeikommen

Der nordrhein-westfälische SPD-Chef Sebastian Hartmann hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aufgefordert, die vom Corona-Ausbruch betroffenen Kreise Gütersloh und Warendorf zu besuchen. Hartmann sagte der "Saarbrücker Zeitung» (Samstag): "Spahn muss sich endlich in Gütersloh und Warendorf sehen lassen. Er muss dort Präsenz zeigen."

Leidtragende des Corona-Ausbruchs seien viele Hundert Infizierte in den Betrieben und Zehntausende von Menschen in den zwei Kreisen. "Darunter viele Kinder, da die Sommerferien gerade beginnen", so Hartmann. Es sei daher dringend notwendig, dass Spahn sich zum Krisenmanagement des Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) positioniere.

Regierungssprecher verurteilt Übergriffe

Die Bundesregierung hat zu Solidarität bei regionalen Corona-Ausbrüchen wie rund um Gütersloh und Warendorf aufgerufen und vor einem Anprangern dort lebender Menschen gewarnt. "Jede Region kann plötzlich von einem Ausbruch betroffen sein", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Das sollten sich auch Menschen bewusst machen, die nun glaubten, mit dem Finger auf Menschen in den betroffenen Kreisen zeigen zu müssen. "Jeder sollte daran denken, dass jeder sich in der Lage wiederfinden könnte, in der Nachbarschaft eines Ausbruchsherdes zu leben und dann in Mitleidenschaft gezogen zu werden."

Seibert verurteilte es, dass Menschen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf teils beleidigt und Autos zerkratzt worden seien. Das sei ein "völlig inakzeptables und widerwärtiges" Verhalten. "Wir müssen einander gerade in schwierigen Situationen mit Respekt und Sympathie behandeln."

Beherbungsverbot Brandenburg, Hamburg und Hessen

Auch in Hessen und Brandenburg gilt ein Beherbergungsverbot für Menschen aus Regionen mit erhöhtem Corona-Infektionsrisiko. Ab kommender Woche gilt dies auch für Hamburg. Als Gebiete mit erhöhten Infektionsgefahren gelten Regionen, in denen binnen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner aufgetreten sind. Dies betrifft laut Robert Koch-Institut derzeit in Deutschland nur den Kreis Gütersloh.

Arminia Bielefeld beendet Tönnies-Partnerschaft

Bundesliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld wird die Partnerschaft mit dem Fleischkonzern Tönnies nach dem dortigen großen Corona-Ausbruch beenden. Das bestätigte der Fußball-Club auf Anfrage. "Der Werbevertrag mit dem Unternehmen Tönnies wird zum Ende dieser Spielzeit auslaufen", hatte die Arminia zuvor der "Neuen Westfälischen" erklärt: "Aufgrund der aktuellen Ereignisse wird der DSC Arminia Bielefeld die werbliche Partnerschaft mit dem Unternehmen Tönnies nicht fortsetzen." Tönnies ist seit Juli 2019 offiziell Partner des Zweitliga-Meisters.

Altenheimträger fordern strenge Corona-Regeln

Sozialverbände im Kreis Gütersloh fordern eine Rückkehr zu strengen Corona-Schutzmaßnahmen auch in Alten- und Pflegeheimen. "Die Landesregierung gefährdet Menschenleben", warnte die Caritas im Erzbistum Paderborn, die einen offenen Brief der Freien Wohlfahrtspflege im Kreis Gütersloh unterzeichnet hat. Nachdem sich mehr als 1500 Arbeiter in dem Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück mit dem Coronavirus infiziert haben, gelten in der Region wieder strenge Kontaktbeschränkungen.

Dennoch seien die Altenheime angehalten, Lockerungen umzusetzen, hieß es. "Das ist nicht nur paradox, sondern unverantwortlich", so die Caritas. Die regionale Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen, die zunächst bis Dienstag für die Kreise Gütersloh und Warendorf gilt, untersagt unter anderem Konzerte in geschlossenen Räumen und Museumsbesuche. Alten- und Pflegeheime werden in dem Dokument nicht erwähnt.

In Rheinland-Pfalz droht NRW-Urlaubern Quarantäne

Rheinland-Pfalz hat ähnliche Bestimmungen wie die anderen Bundesländer, um den Tourismus im Land zu regeln. Diese Bestimmungen hat das Land jetzt im Zuge des Corona-Ausbruchs beim Fleischfabrikanten Tönnies deutlich verschärft - zumindest für die Bewohner aus den Corona-Hotspots Kreis Gütersloh und Warendorf.

Wer aus Corona-Risikogebieten im In- oder Ausland nach Rheinland-Pfalz möchte, muss sich ab heute sofort für 14 Tage in Quarantäne begeben. Das teilte die Landesregierung am Donnerstagabend (25.06.2020) mit.

Niedersachsen schickt Urlauber aus NRW nach Hause

Urlaubsgäste aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf müssen in Niedersachsen von ihren Vermietern ab heute (25.06.2020) nach Hause geschickt werden. Bleiben darf nur, wer vor dem 11. Juni angereist ist oder wer ein ärztliches Attest vorlegen kann, dass er kein Corona hat. Die Regelung gilt zunächst bis Ende nächster Woche, also bis zum 5. Juli.

Auch das Saarland hat ein Beherbergungsverbot für Reisende aus Corona-Risikogebieten beschlossen. Ab Montag (29.06.2020) dürften landesweit keine Gäste mehr untergebracht werden, die aus einem Landkreis mit mehr als 50 Infizierten pro 100.000 Einwohner kämen, teilte ein Regierungssprecher in der Nacht zum Freitag mit.

Lage in den Testzentren entspannt sich

Die Lage vor den Corona-Testzentren in den Kreisen Gütersloh und Warendorf ist am Freitagmorgen (25.06.2020) entspannter als in den vergangenen Tagen. Mehrere neue Testzentren haben am Donnerstagabend die Arbeit aufgenommen. Dadurch sind die Warteschlangen deutlich kürzer geworden.

Derweil hat Güterslohs Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) am Donnerstagabend Ergebnisse der im Kreis durchgeführten Corona-Tests bekannt gegeben. 3.500 Tests seien bisher im Diagnosezentrum genommen, davon 1.658 negativ und drei positiv. Der Rest sei noch nicht ausgewertet.

Warendorf sinkt wieder unter 7-Tage-Obergrenze

Im Kreis Warendorf ist die wichtige Kennziffer der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage unter die entscheidende Marke von 50 gefallen. Das geht aus den am Freitag (26.06.2020) veröffentlichten Zahlen des Robert Koch-Instituts hervor. Demnach sind es im Kreis Warendorf nun 47,9 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen nach zuvor 50,4.

Touristen aus dem Kreis Warendorf dürfen aber weiter nicht in Hotels in Niedersachsen übernachten. In der Verordnung des benachbarten Bundeslandes ist mit Verweis auf "Inkubationszeit und die Meldeverzögerung" festgelegt, dass das Beherbergungsverbot erst 14 Tage nach Unterschreiten der Kennziffer aufgehoben wird.

Auch im Kreis Gütersloh, in dem ebenfalls nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies ein regionaler Lockdown gilt, sinkt die Kennziffer nach extrem hohen Werten. Mit 177,7 Fällen in je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen (zuvor 192,8) liegt der Wert aber weiter deutlich über der Marke von 50. Am Dienstag betrug der Wert laut NRW-Gesundheitsministerium noch 270,2.

Corona-Quarantäne in Göttinger Wohnkomplex beendet

Die coronabedingte Quarantäne für einen Wohnkomplex in Göttingen mit rund 700 Bewohnern ist beendet. Die Verpflichtung sei planmäßig um Mitternacht ausgelaufen, sagte ein Stadtsprecher am Freitag (26.06.2020). Der Zaun werde auf einer Seite abgebaut. An einer anderen Straße bleibt der Zaun noch stehen - dort finden Ein- und Auslasskontrollen statt, um sicherzustellen, dass einzelne Bewohner, für die noch eine Quarantäne-Pflicht gilt, das Gelände nicht verlassen.

Bis Dienstag soll es zweimal täglich kostenlose Mahlzeiten geben. Ziel der Quarantäne war, den Infektionsausbruch mit rund 120 nachgewiesenen Ansteckungen zu begrenzen. Die Maßnahmen hätten Wirkung gezeigt, sagte die Leiterin des Göttinger Krisenstabs, Petra Broistedt.

Umfrage: Angst vor Infektion bleibt auf niedrigem Niveau

Nur jeder vierte Deutsche (24 Prozent) macht sich ernsthaft Sorgen über eine Infektion mit dem Corona-Virus. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap im Auftrag des ARD-Morgenmagazins.

Ende März waren mit 55 Prozent mehr als doppelt so viele Menschen besorgt, dass sie sich selbst anstecken oder sich ein Familienmitglied infiziert. Drei Viertel der Befragten machen sich keine großen Sorgen - ungeachtet jüngster Meldungen über lokal erhöhte Infektionszahlen.

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