Lockdown-Verschärfung: Weniger Mobilität bedeutet weniger Ansteckungen

Von Jörn Seidel

Bund und Länder beschlossen am Dienstag verschärfte Kontaktbeschränkungen und eine Mobilitätseinschränkung in Hotspots. Dahinter steckt die Erfahrung aus dem Lockdown im Frühjahr.

Warum ist der jetzige Lockdown bislang weniger wirkungsvoll als der im Frühjahr? Es scheint daran zu liegen, dass die Menschen damals ihre Kontakte stärker eingeschränkt hatten, denn nur durch Kontakte kann sich das Coronavirus übertragen. Am Dienstag haben Bund und Länder daher beschlossen, zu den Kontaktbeschränkungen im Frühjahr zurückzukehren. Mehr noch: Für Hotspots wird es eine Mobilitätseinschränkung geben.

Frühjahr-Lockdown war schärfer

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig | Bildquelle: Moma

"Wir hatten im Frühjahr eine wesentlich strengere Regel als jetzt", sagte zu den bisherigen Kontaktbeschränkungen noch am Dienstag im "ARD-Morgenmagazin" Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). In der Tat: Durften sich zuletzt im öffentlichen Raum bis zu fünf Personen aus zwei Haushalten und unbegrenzt viele Kinder bis 14 Jahren treffen, sollen sich jetzt wie im Frühjahr nur noch zwei Menschen treffen dürfen, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstagabend.

Weniger Kontakte durch weniger Mobilität

Reduziert werden sollen die Kontakte nun außerdem durch eine Mobilitätseinschränkung in Hotspots, also in Orten und Regionen mit besonders vielen Corona-Neuinfektionen. Dort sollen sich die Menschen nun nicht mehr als 15 Kiometer von ihrem Wohnort entfernen dürfen. Eine Entscheidung, die offenbar aus den Erfahrungen im wirkungsvollen Lockdown im Frühjahr getroffen wurde.

Richtig ist zwar: Auch im bisherigen zweiten Lockdown haben sich die Menschen weniger bewegt als sonst. Das zeigt unter anderem eine Auswertung des Telekommunikationsunternehmen Vodafone. Dessen Kunden haben zu Silvester über ihren häuslichen Internetanschluss etwa doppelt so viele Daten verbraucht wie an Silvester im Vorjahr. Offenbar blieben sie diesmal eher zu Hause.

Noch weniger Mobilität im ersten Lockdown

Richtig ist aber auch: Im ersten Lockdown haben sich die Menschen noch weitaus weniger bewegt. Das veranschaulicht der Mobilitätsmonitor des Robert Koch-Instituts und der Berliner Humboldt-Universität, dem die Bewegungsdaten von Mobiltelefonen zugrunde liegen.

Demnach gab es in der Weihnachtswoche 25 Prozent weniger Bewegung als im Jahresdurchschnitt 2019. In der Woche um den 26. März - also im ersten Lockdown - war der Rückgang deutlich stärker: 40 Prozent.

Veränderungen der Mobilität in Deutschland im Jahr 2020 - Bewegungsdaten von Mobiltelefonen. Quelle: Mobilitätsmonitor, RKI/HU Berlin. | Bildquelle: Mobilitätsmonitor, RKI/HU Berlin

Mobilitätseinschränkung in Sachsen bundesweites Vorbild?

In Sachsen, wo die Infektionslage besonders angespannt ist, gibt es schon seit dem 16. Dezember eine Ausgangsbeschränkung mit Mobilitätseinschränkung. Die Wohnung verlassen darf man nur aus triftigem Grund. Dazu gehört zum Beispiel die Fahrt zum Einkaufen und zur Arbeit sowie Sport und Bewegung im Freien - aber eben nur im Umkreis von 15 Kilometern.

Der Bewegungsradius für Hotspots, auf den sich nun Bund und Länder geeinigt haben, soll unabhängig von etwaigen Ausgangsbeschränkungen gelten. Wer in einem solchen Hotspot lebt und sich weiter als 15 Kilometer von seinem Zuhause entfernen will, müsse dafür einen triftigen Grund vorbringen, etwa die Fahrt zum Arbeitsplatz, so die Kanzlerin. Aktuell weisen laut Robert Koch-Instititut 68 Kreise eine Sieben-Tage-Inzidenz von mindestens 200 auf und gelten somit als Hotspots.