Corona-Live-Ticker: Tausende in Bielefeld und Hamm in Quarantäne

  • Corona-Ausbrüche in Bielefeld und Hamm
  • Ausbruch bei einem Geflügelverarbeiter
  • Nicht mal mehr die Hälfte hält sich an Abstandsregeln
  • Mehr junge Arbeitslose wegen Corona-Krise
  • Alle Entwicklungen hier im Live-Ticker

Was gibt es Neues in Sachen Coronavirus? Hier im Live-Ticker halten wir Sie über die Entwicklungen auf dem Laufenden.

Bielefeld: 1.450 Menschen in Quarantäne - zehn Schulen betroffen

Nach dem Anstieg der Corona-Fallzahlen in Bielefeld infolge einer Geburtstagsfeier mit 30 Teilnehmern befinden sich dort mittlerweile rund 1.450 Menschen in Quarantäne, darunter Schüler und Lehrer, sagte ein Stadtsprecher heute. Betroffen seien zehn Schulen. Auslöser war eine Geburtstagsfeier mit 30 Teilnehmern, bei der ein ständiges "Kommen und Gehen" geherrscht habe.

Der Anstieg der Fallzahlen sorgte am Montag für großen Andrang an einer städtischen Drive-In-Teststation. Die Stadt bat die Bürger am Mittag darum, die Station am Montag nicht mehr anzufahren. "Das Testzentrum ist überlaufen, und der Verkehr staut sich bereits zurück", hieß es in einer Mitteilung.

In der 334.000-Einwohner-Stadt gab es am Montag nach Schätzung des Landeszentrums Gesundheit NRW 130 infizierte Personen. Laut RKI haben sich in den vergangenen sieben Tagen 16,8 Menschen pro 100.000 Einwohner mit dem Virus infiziert.

Fast 2.800 Menschen in Hamm in Quarantäne

Die Stadt Hamm kämpft weiter mit der Corona-Welle nach einer Großhochzeit Anfang September. Von Sonntagmittag bis Montagmittag registrierte die westfälische 180.000-Einwohner-Kommune 37 neue Corona-Fälle. Akut infiziert sind derzeit 229 Menschen. In den vergangenen sieben Tagen (Dienstag bis einschließlich Montag) verzeichneten die Behörden insgesamt 170 Neuinfektionen.
Daraus errechnete die Stadt am Mittag einen Sieben-Tage-Wert von 94,9 pro 100.000 Einwohner.

Das Robert Koch-Institut hatte am Morgen auf der Grundlage der Zahlen vom Vortag einen Wert von 112,2 ausgewiesen. 17 Menschen lagen laut Stadt im Krankenhaus, einer davon auf der Intensivstation. Fast 2.800 Menschen befanden sich in Quarantäne. Zwölf Schulen sind betroffen, zwei Kitas geschlossen.

"Insgesamt stehen rund 170 Corona-Infektionen in Hamm im Zusammenhang mit der Hochzeit", sagte ein Stadtsprecher. Insgesamt seien mehr als 300 Hochzeitsgäste aus Hamm identifiziert worden. Sie seien in Quarantäne gesetzt und verpflichtend getestet worden. Wie viele Menschen genau bei den Feierlichkeiten - auch in anderen Städten - dabei waren, sei aber nach wie vor nicht bekannt.

Umfrage: Nicht mal mehr die Hälfte hält sich an Abstandsregeln

Angst um die Gesundheit, sorgloserer Umgang mit Sicherheitsmaßnahmen - so lässt sich das Ergebnis einer Umfrage des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) zusammenfassen. Laut der Umfrage beachten noch 45 Prozent der Menschen in Deutschland die Abstandsregeln. Umarmungen, Küsse und Händeschütteln seien wieder auf dem Vormarsch, teilte die Uni Hamburg heute mit. Nur 58 Prozent hätten angegeben, dies zu vermeiden. Im April seien es noch 77 Prozent gewesen.

Zwar glaube fast jeder Vierte in Deutschland, ein hohes Ansteckungsrisiko zu haben, gleichzeitig steige aber die Zahl der Impfgegner: Aus 70 Prozent Befürwörtern einer Impfung gegen Sars-CoV-2 wurde nur noch etwas mehr als die Hälfte. Seit April untersucht das HCHE die Einstellungen der Menschen zur Corona-Pandemie. In der aktuellen Studie wurden zwischen dem 8. und dem 19. September mehr als 7.000 Menschen in Deutschland und anderen europäischen Ländern online befragt.

81 Corona-Fälle in Emsdetten

In Emsdetten sind durch den Massentest nach dem Corona-Ausbruch bei einem Geflügelverarbeiter unter 335 Getesteten insgesamt 81 neue Fälle bekannt geworden. Von den 296 Tests auf dem Gelände der Geflügelfirma am Freitag waren 50 positiv. Hinzu kamen jetzt fünf weitere Fälle unter 39 Mitarbeitern und Kontaktpersonen, die von mobilen Teams aufgesucht worden waren.

Der Kreis Steinfurt hält die Situation zwar für ernst, aber auch für beherrschbar. Alle Betroffenen sind in Quarantäne. Bei ihnen handelt es sich hauptsächlich um Leiharbeiter aus Bulgarien. Am Dienstag sollen alle Beschäftigen und Kontaktpersonen erneut getestet werdem. Die Behörden nehmen an, dass der Corona-Ausbruch auf eine private Feier der Mitarbeiter im Landkreis Oldenburg zurückzuführen ist.  

Mehr junge Arbeitslose wegen Corona-Krise

Die Corona-Krise trifft laut Freier Wohlfahrtspflege in NRW vor allem Berufsanfänger und Hartz-IV-Empfänger. Von Januar bis August ist die Zahl der Arbeitslosen zwischen 15 und 25 Jahren um 45,5 Prozent auf 80.012 gestiegen, wie aus einem heute in Düsseldorf veröffentlichten Arbeitslosenreport der Organisation hervorgeht. Zudem habe es während des Lockdowns seltener Beschäftigungsmaßnahmen für Bezieher von Hartz-IV-Leistungen gegeben, etwa in Radstationen oder Schulküchen.

Die Autoren des Reports zählten 3.433 Zugänge in derartige Maßnahmen im April dieses Jahres. Das seien rund 60 Prozent weniger gewesen als im April 2019. Ausgefallener Schulunterricht und abgesagte Berufspraktika hätten vielen Schülern den Übergang in das Berufsleben erschwert, hieß es. Zudem hätten Unternehmen Auszubildende nicht übernommen.

Landesrechnungshof: Mehrausgaben in Milliardenhöhe

Der Landesrechnungshof erwartet wegen der Pandemie in den kommenden Jahren Mehrausgaben und Steuerausfälle in Milliardenhöhe. Das teilte die Behörde heute bei der Vorstellung des Jahresberichtes in Düsseldorf mit.

Diese Krise war zwar nicht vorhersehbar. Aus Sicht des Landesrechnungshofes hätte das Land aber schon vorher besser haushalten müssen. Von 2018 auf 2019 sei der Schuldenstand um gerade einmal 100 Millionen Euro gesunken – zuletzt lag er bei mehr als 143 Milliarden Euro. Angesichts der angespannten Haushaltslage in NRW fordert der Landesrechnungshof, auch in der Krise aufs Geld zu achten.

Grüne: Läden sollen wegen Corona Mieten neu aushandeln dürfen

Tafel mit der Aufschrift "Wieder da!!! Geöffnet" (20.04.2020) | Bildquelle: dpa

Kleine Geschäfte und Selbstständige sollen bei schweren Einschränkungen in der Corona-Krise nach Ansicht der Grünen ihre Mieten neu aushandeln dürfen. "Viele kleine Läden oder Cafés stehen durch die heftigen Einbrüche, die ihnen die erste Corona-Welle beschert hat, immer noch am Rande ihrer wirtschaftlichen Existenz", sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt der Deutschen Presse-Agentur.

Wenn in den Innenstädten nicht nur die Großen und Starken überleben sollten, müsse jetzt gehandelt werden. In einem Antrag, den die Grünen-Fraktion am Montagabend beschließen will, heißt es, bei behördlichen Beschränkungen sollten Gewerbemieter ihre Verträge anpassen können - von einer Minderung der Pacht für diesen Zeitraum bis hin zu Sonderkündigungen.

Zahl der weltweiten Corona-Toten übersteigt eine Million

Mehr als eine Million gezählte Corona-Tote weltweit: Diese symbolisch bedeutsame Marke hat die Pandemie inzwischen überschritten. Die Nachrichtenagentur AFP zählte in der Nacht zu heute um 0.30 Uhr genau 1.000.009 Todesfälle. Die Zahl der erfassten Infektionsfälle lag bei mehr als 33 Millionen. Rund 22,5 Millionen dieser Fälle gelten als geheilt.

Für Deutschland gab das Robert-Koch-Institut (RKI) die Zahl infizierten Menschen heute Morgen mit 285.332 an - ein Plus von 1192 seit dem Vortag.

Merkel besorgt wegen steigender Corona-Zahlen

Kanzlerin Angela Merkel hat sich sehr besorgt wegen der steigenden Infektionszahlen geäußert. Man müsse lokale Infektionsherde sehr deutlich angehen, sonst habe man an Weihnachten Zahlen wie in Frankreich, sagte Merkel nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in einer Videokonferenz des CDU-Präsidiums.

Die Infektionszahlen in Europa seien besorgniserregend, wurde die Kanzlerin zitiert. Man müsse in Deutschland alles tun, damit die Zahlen nicht weiter exponentiell stiegen. Morgen will die Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten über Maßnahmen beraten.

Verbraucherzentrale verklagt Lufthansa wegen nicht erstatteter Tickets

Lufthansin avion | Bildquelle: dpa

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg verklagt die Lufthansa wegen nicht erstatteter Flugtickets. Sie habe Deutschlands größte Fluggesellschaft zunächst mit einer Unterlassungserklärung aufgefordert, den Verbrauchern das Recht auf Rückerstattung nicht zu verschweigen und den Flugpreis zurückzuzahlen, erklärten die Verbraucherschützer heute in Stuttgart. Da das Unternehmen nicht reagiert habe, hätten sie nun Klage vor dem Landgericht Köln erhoben.

Die gesetzliche Regelung sei klar, betonte die Verbraucherzentrale: Storniert ein Anbieter bereits bezahlte Flüge, muss er seine Kunden darüber informieren, dass sie ihr Geld zurückfordern oder freiwillig einen Gutschein annehmen können. Entscheiden Verbraucher sich für die Rückzahlung, muss das Unternehmen innerhalb von sieben Tagen den Flugpreis erstatten. Beschwerden zeigten jedoch, dass sich die Lufthansa kaum an die Regelungen halte und Rückzahlungen "verschleiert und verschleppt", kritisierten die Verbraucherschützer.

Kinobranche appelliert an Merkel: Abstandsregeln lockern

Die Kinobranche hat in einem Brief an Bundeskanzlerin Merkel eine Lockerung der Abstandsregelungen in Kinosälen gefordert. "Ein Sitz frei zwischen Besuchergruppen, ohne Maske am Platz", sollte die neue bundesweite Regel lauten. Wie die Zuschauer im Kino sitzen dürfen, ist demnach von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt.

Die gegenwärtige Regelung führe dazu, dass der Mindestabstand "in der Realität deutlich über zwei Meter liegt". Für die Betreiber bedeute dies eine maximale Auslastung von lediglich 20 Prozent, heißt es im Brief der AG Kino - Gilde Deutscher Filmkunsttheater von heute.

Nicht an Corona-Ordnung gehalten: Polizei löst Geburtstagsfeier auf

Die Polizei hat in Hünxe im Kreis Wesel eine Geburtstagsfeier mit rund 100 Gästen aufgelöst, bei der die Corona-Regeln nicht befolgt wurden: kein Mindestabstand, keine Gästeliste. Das teilte die Polizei heute mit.

Die Polizei war am Samstagabend zu der Feier gerufen worden, weil es eine tätliche Auseinandersetzung unter den Gästen gegeben hatte. Bei der Auflösung habe sich ein Gast so aggressiv verhalten, dass er in Polizeigewahrsam genommen wurde. Für die Behandlung eines Verletzten sei ein Rettungswagen gerufen worden.

Tui will trotz Reisewarnung Urlauber auf die Kanaren bringen

Trotz Reisewarnung der Bundesregierung will der weltgrößte Reiseanbieter Tui ab dem 3. Oktober wieder Reisen auf die Kanaren anbieten. Urlauber sollten für Pauschalreisen auf die Inseln selbst entscheiden können, ob sie ihren Urlaub trotz des Infektionsrisikos und möglicher Quarantäne bei der Rückkehr nach Deutschland antreten, sagte Tui-Deutschlandchef Marek Andryszak der Funke-Mediengruppe. Andryszak glaube, dass durch die Möglichkeit, sich testen zu lassen, viele Kunden ihren Urlaub trotz Reisewarnung antreten werden.

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