Durch eine Lupe vergrößertes Auge.

Super-Recognizer - Polizei in NRW sucht Menschen mit besonderen Fähigkeiten

Stand: 18.05.2022, 12:00 Uhr

Super-Recognizer können sich Gesichter und Bewegungen von Menschen besonders gut merken. Das möchte die Polizei für sich nutzen. Dafür startet jetzt ein Pilotprojekt in sechs NRW-Behörden.

Von Annika Witzel

Die Polizei in NRW sucht in ihren eigenen Reihen Beamtinnen und Beamte, die eine echte Superkraft besitzen: Sie können Gesichter, Details oder Bewegungen überdurchschnittlich gut identifizieren – teilweise besser als der Computer.

Diese Super-Recognizer können zum Beispiel in großen Menschenmassen, wenn Videoaufnahmen verschwommen oder Menschen teilweise verdeckt oder vermummt sind, Menschen wiedererkennen, die sie zuvor nur ein einziges Mal gesehen haben. Dabei kann das erste Zusammentreffen auch schon mehrere Jahre zurückliegen.

Ein bis zwei Prozent der Bevölkerung hat die Fähigkeit

Diese Fähigkeit lässt sich kaum trainieren, wie die bisherigen Studien zu diesem Thema zeigen. Die Forschung dazu ist noch nicht besonders fortgeschritten, da die Fähigkeit der Super-Recognizer erst vor 13 Jahren entdeckt wurde. Derzeit geht die Wissenschaft davon aus, dass etwa ein bis zwei Prozent der Weltbevölkerung diese Fähigkeit hat.

In Dortmund, Essen, Düsseldorf, Köln, Bochum und Siegen-Wittgenstein sucht die Polizei nun gezielt Beamtinnen und Beamten mit dieser besonderen Fähigkeit. NRW-Innenminister Herbert Reul sagte, es könnten "1.000 Super-Recognizer in der nordrhein-westfälischen Polizei schlummern." Für das neue Pilotprojekt stellt die Polizei Berlin eine Testsoftware für die NRW-Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung.

Tests sollen helfen, Super-Recognizer zu finden

Ein Forschungsteam der University of Greenwich aus London hat ebenfalls einen solchen Screening-Test entwickelt und online gestellt. Unter https://superrecognisers.com kann man testen, ob man diese Fähigkeit besitzt. Super-Recognizer berichten allerdings, dass sie häufig schon in frühester Kindheit bemerkt haben, dass sie entweder Nebendarsteller aus Filmen in verschiedensten Rollen immer wieder erkannt haben oder dass es bei ihnen einfach "klick" macht, sobald sie jemanden identifizieren können.

Super-Recognizer wurden schon häufiger für die Polizeiarbeit eingesetzt - auch in Deutschland. Die Anfänge der Zusammenarbeit liegen allerdings in London: Der Metropolitan Police Service in England hat 2015 sogar eine spezielle Einheit aus Super-Recognizern gegründet.

Erfolgreiche Einsätze: Tatverdächtige bei Kölner Silvesternacht erkannt

Sie half auch den Kolleginnen und Kollegen der Kölner Polizei bei der Aufklärung der Ereignisse um die Kölner Silvesternacht 2015, indem sie mehrere Tatverdächtige identifizierten.

Super-Recognizer sind teilweise auch moderner Technik mit ihrer Erkennungsfähigkeit überlegen. Das liegt vor allem daran, dass sie nicht auf gute Bildqualität angewiesen sind, beispielsweise bei Überwachungskameras. Außerdem erkennen sie Gesichter auch wieder, wenn die Person inzwischen ihre Frisur geändert hat oder um einige Jahre gealtert ist.

Bei einem Fußballspiel von Borussia Dortmund konnte eine Beamtin mit entsprechender Fähigkeit einen Tatverdächtigen unter 20.000 Zuschauenden wiedererkennen. Bemühungen mit der Kamera waren zuvor erfolglos geblieben.

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