Zahlreiche Demonstranten aus dem Gesundheitsbereich ziehen durch die Düsseldorfer Innenstadt in Richtung Nordrhein-Westfälischer Landtag

Uniklinik-Mitarbeiter demonstrieren für bessere Arbeitsverhältnisse

Stand: 07.05.2022, 18:37 Uhr

Nach den Warnstreiks unter der Woche haben etwa 2.500 Beschäftigte der sechs NRW-Universitätskliniken in Düsseldorf für bessere Arbeitsbedingungen demonstriert.

Die Gewerkschaft Verdi hatte gemeinsam mit der Volksinitiative "Gesunde Krankenhäuser in NRW - Für Alle" zu einem Aktionstag aufgerufen, um für eine bessere Gesundheitspolitik und bessere Arbeitsbedingungen des Personals der sechs Unikliniken in NRW zu demonstrieren.

Verdi: Nur die Spitze des Eisberges

Unter den Demonstranten waren auch Vertreter anderer Klinken und Sozialeinrichtungen. Deren Teilnahme sei Ausdruck der Solidarität, sagte eine Verdi-Sprecherin. Die Probleme der sechs Unikliniken seien nur "die Spitze des Eisberges". Das ganze Gesundheitswesen leide unter schlechten Arbeitsbedingungen und personellem Aderlass.

Verdi will für die Beschäftigten erreichen, dass sich die Arbeitsbedingungen in den Kliniken mit einem "Tarifvertrag Entlastung" verbessern. Dieser soll eine verbindliche Personalbemessung für verschiedene Stationen und Berufsgruppen festlegen. Auch die Auszubildenden sollen bessere Ausbildungsbedingungen bekommen.

Streiks unter der Woche

Am vergangenen Mittwoch hatte es bereits Streiks an den sechs Unikliniken in Aachen, Bonn, Köln, Düsseldorf, Münster und Essen gegeben, ebenso in kommunalen Kitas und schulischen Ganztagseinrichtungen. Das Land als Arbeitgeber hatte ein 100-Tage-Ultimatum zum 1. Mai verstreichen lassen.

Die Klinikmitarbeiter kritisieren die dauernde Überlastung. Ein Krankenpfleger, der am Uniklinikum Aachen im Aufwachraum tätig ist, sagte dem WDR, dass seine Kollegen und er "jeden Tag auf dem Zahnfleisch" gingen:

"Wir sind, wenn es hoch kommt, zwei, drei Leute im Frühdienst. Wir bräuchten fünf." Krankenpfleger der Uniklinik Aachen

Starke Einschränkungen

Die Uniklinik Köln wurde vom Streik massiv erwischt. Zwei Drittel der 42 Operationssäle standen still, berichtete das Krankenhaus. Auch die Normal- und Intensivstationen waren betroffen, ebenso ambulante und terminierte Behandlungen.

An der Uniklinik Aachen standen neun der 22 OP-Säle still. Drei Stationen wurden umfassender bestreikt, darunter auch eine Strahlentherapie und eine geschützte Psychiatrie.

Ein Banner mit der Aufschrift "UNIKLINIK KÖLN FORDERT ENTLASTUNG - WIR STREIKEN".

An der Uniklinik Bonn wurden 16 Operationen verschoben. Auch die Uniklinik Düsseldorf berichtete, die Patientenversorgung leide erheblich unter dem zusätzlichen Personalausfall aufgrund des Streiks. Die Uniklinik Essen meldete ebenfalls "eine signifikante Einschränkung der Patientenversorgung".

Verschlossene Türen in Kitas und schulischen Ganztagseinrichtungen

Auch die Beschäftigten in kommunalen Kitas und schulischen Ganztagseinrichtungen streikten am Mittwoch. Etwa jede vierte Kita in NRW ist in kommunaler Trägerschaft, bei den schulischen Ganztagseinrichtungen sind es weniger.

Allein in NRW fehlen laut Verdi 32.000 Fachkräfte in den Kitas. Der Landeselternbeirat der Kindertageseinrichtungen in NRW hat die Warnstreiks kritisiert. Sinnvoller seien gemeinsame Aktionen mit Kindern und Eltern. Familien bräuchten einen schnellen Tarifabschluss.

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