Schülerinnen und Schüler laufen mit selbstgebastelten Friedensschildern durchs Grüne.

Tausende geflüchtete Kinder haben keinen Schulplatz

Stand: 12.09.2022, 19:03 Uhr

Räume und Lehrpersonal fehlen: Fast 4.000 geflüchtete Kinder und Jugendliche können in NRW bisher nicht in die Schule gehen. Andere warten auf Beratungsgespräche.

Von Martina Koch

In Nordrhein-Westfalen können tausende geflüchtete ukrainische Kinder nicht zur Schule gehen. Das hat das Schulministerium auf WDR-Anfrage bekannt gegeben.

Demnach konnte zum Stichtag 30 August "3.838 neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen kein Schulplatz zugewiesen werden", wie es in der Mitteilung heißt. 2.159 von ihnen stammen aus der Ukraine.

Auch geflüchtete Kinder grundsätzlich schulpflichtig

Der Hintergrund: Ukrainische Kriegsflüchtlinge bekommen in allen EU-Mitgliedsstaaten einen Aufenthaltstitel für zunächst ein Jahr, der um zwei weitere Jahre verlängert werden kann. Grundsätzlich sind auch geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine schulpflichtig, sobald sie ihren dauerhaften Wohnsitz in NRW haben.

Das Vorliegen der Schulpflicht wird aber mit einem jeweils individuellen Beratungsgespräch festgestellt. Zusätzlich zu den knapp 4.000 schulpflichtigen Kindern ohne Platz, die bereits ein solches Gespräch hatten, gibt es weitere 1.778 junge Menschen (908 aus der Ukraine), die auf ein solches Beratungsgespräch zur Schulpflicht warten.

Zu wenig Räume, zu wenig Lehrpersonal

Den Bedarf an zusätzlichen Schulplätzen durch die geflüchteten Ukrainer nennt das Schulministerium in einem Erlass von vergangener Woche eine "große Herausforderung". Darin heißt es auch: "Grundsätzlich ist es Aufgabe der Schulträger, eine ausreichende Zahl von Schulplätzen und entsprechendem Schulraum vorzuhalten."

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs hat NRW insgesamt 34.737 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine einen Platz gegeben. "Das ist eine enorme Leistung der Schulen", heißt es aus dem Schulministerium.

Dass nun dennoch tausende nicht beschult werden können, führt es auf einen Mangel an Schulraum und Lehrpersonal zurück. Mit den Kommunen sei man derzeit im Austausch zur Frage, wie kurzfristig mehr Schulraum geschaffen werden kann, so das Ministerium.

Redaktioneller Hinweis: In einer früheren Version dieses Textes hatten wir berichtet, dass 3.838 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine noch keinen Schulplatz in NRW zugewiesen bekommen haben und 1.778 die noch kein Beratungsgespräch hatten. Das Schulministerium hat diese Zahlen korrigiert. Tatsächlich handelt es sich dabei nicht allein um junge Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, sondern um die Gesamtheit aller Nationen. Richtig ist nunmehr: 2.159 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine haben noch keinen Schulplatz, 908 hatten noch kein Beratungsgespräch.

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