Schülerstreiche 2.0: Homeschooling im Corona-Alltag

Kinder im Distanzunterricht

Schülerstreiche 2.0: Homeschooling im Corona-Alltag

Von Cengiz Ünal

Der "Ich-bin-blöd"-Klebezettel am Rücken des Lehrers oder das Furzkissen auf dem Stuhl des Mitschülers waren gestern: Auch im digitalen Schulalltag haben Lehrerinnen und Lehrer harmlosen Schülerstreichen aber auch mit massiveren Störungen zu kämpfen.

Der Laptop ersetzt die Tafel, das Tablet wird zum Klassenraum. Mirjam Jansen erlebt mit ihren zwei Kindern täglich, was Hunderttausende Haushalte mitmachen: Distanzunterricht oder "Homeschooling" - mit all seinen Nebenwirkungen.

Die Social-Media-Managerin schreibt eine Knigge für Jugendliche und weiß, dass sich Schüler mehr trauen, wenn sie zu Hause alleine vorm PC sitzen: "Sie wollen sich ausprobieren und austesten, machen das erste Mal Erfahrung, mit dem PC oder Videomeetings zu arbeiten.

Mirjam Jansens Sohn Max ist 12 Jahre alt und geht in die 6. Klasse. Auch bei ihm wurde der Unterricht gerade am Anfang von Distanzunterricht von Mitschülern gestört. "Bei uns war das so, dass Lehrer stummgeschaltet wurden, dann wurden Youtube-Videos eingestellt, und so was."

Schüler geben Passwörter weiter oder hören laut Musik im Unterricht 

So wie es in jeder Klasse einen Störenfried gibt, gibt es auch beim digitalen "Homeschooling" Schüler, die sich nicht an die Regeln halten. Sie hören laut Musik oder geben Passwörter weiter. So schmuggeln sich Externe in den Unterricht.

Lehrer sind mit der Situation oft überfordert, vor allem wenn die Schülerstreiche Grenzen überschreiten. Das Problem: Es gibt zu wenig Schulungen: "Fortbildungen finden de facto nicht statt", so Andreas Bartsch vom NRW-Lehrerverband. "Dieses Mantra vom Präsenzunterricht wird so hochgehalten, weil der Distanzunterricht nicht funktioniert.

Programm in Wuppertal sperrt externe Nutzer aus

Seit 14 Jahren schon benutzt man in Wuppertal ein Programm namens "iServ", das es technisch unmöglich macht, dass Dritte an den Server rankommen. Inzwischen kann das Programm auch Videokonferenzen, betont Dorothee Kleinherbers-Boden, Leiterin der Else Lasker-Schüler-Gesamtschule in Wuppertal: "Bei uns können nur Schüler und Lehrer überhaupt in die Konferenzräume kommen und von daher ist ein Sprengen von außerhalb nicht möglich."

Doch es kommt auch auf das Verhalten der Schüler an. Aufklärung sei ganz wichtig, betont Mirjam Jansen. "Es fehlt an Informationen für die Eltern und auch für die Lehrer. die Kinder sind dazwischen. Es muss vorher klar kommuniziert werden: Das geht nicht, das darf man nicht, das gehört sich nicht - da muss von Anfang an eine Aufklärung stattfinden." 

Stand: 09.02.2021, 16:29

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