Klimagipfel in Dubai

WDR aktuell 04.12.2023 Verfügbar bis 04.12.2025 WDR Von Anke Kutz

UN-Klimakonferenz COP28: "Wir müssen Glaubwürdigkeit zurückholen"

Stand: 29.11.2023, 19:31 Uhr

Einige Vertreter des Wuppertal Instituts sind bei der Weltklimakonferenz. Die beginnt am Donnerstag in Dubai. Mehr als 250 Wissenschaftler und Politiker aus Deutschland nehmen teil.

Manfred Fischedick ist Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie in Wuppertal. Mehrere seiner Mitarbeiter sind bei der Weltklimakonferenz mit dabei und wollen ihrem Chef täglich von den Verhandlungen berichten. Wir haben mit Manfred Fischedick über die Konferenz und die Klimaentwicklung gesprochen.

WDR: Das zentrale Ziel der Konferenz ist es, die Erderwärmung auf plus 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Das wird nicht erreicht - wie wird das in unserer Region spürbar sein?

Portraitaufnahme von  Manfred Fischedick.

Prof. Manfred Fischedick

Manfred Fischedick: "Zunächst wissen wir schon jetzt aus den Wetteraufzeichnungen, dass die Durchschnittstemperatur einen Anstieg um 1,5 Grad Celsius überschritten hat. Wir sind jetzt im Mittel bei 1,7 Grad Celsius. Das macht sich natürlich auch bemerkbar in den einzelnen Regionen, vor allem in einer Zunahme der Wetterextreme, Starkregen nehmen zu, Hitzeperioden nehmen zu. So ziemlich genau das, was wir dieses Jahr beobachten konnten. Das gilt für Wuppertal, für das Bergische Land und für andere Regionen Deutschlands."

WDR: Was sind weitere Ziele der Weltklimakonferenz?

Fischedick: "Vor allem steht eine Bestandsaufnahme auf der Agenda, dass man mal schaut, wie weit ist man gekommen mit den freiwilligen Verpflichtungen der Staaten und wie weit wollte man eigentlich kommen. Und dann sehen wir, dass wir nicht so weit gekommen sind, wie wir es uns vorgenommen haben, denn um das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen, müsste man eigentlich die Emmissionen um 43 Prozent bis 2030 mindern. Mit dem, was wir jetzt politisch vereinbart haben, kommen wir vielleicht auf zwei Prozent. Das heißt, da klafft eine riesige Lücke. Das werden wir feststellen und dann eine Dynamik in Gang setzen, dass diese Länder ihre Ziele nachschärfen und ambitionierter werden. Die Widerstände sind in einigen Ländern aber groß."

WDR: Sie sind im Austausch mit Ihren Kollegen. Was können Sie tun, damit die Weltklimakonferenz für Sie erfolgreich wird?

Fischedick: "Ganz wichtig ist, dass man auch positive Dinge vereinbart. Dass die Staatengemeinschaft ein gemeinsames Ziel für den Ausbau erneuerbarer Energien vereinbart. Was man auch schaffen muss ist, dass man zusätzlich Allianzen versucht zu kreieren, dass sich beispielsweise die Stahlbranche international zusammen tut. Sie wollen grüne Stahlmärkte aufbauen. Und da versuchen wir auch, von wissenschaftlicher Seite Vorschläge zu machen, Akzente zu setzen und auch in Dubai die entsprechenen Akteure zusammen zu bringen."

WDR: Wie wird das für Sie in den nächsten Tagen, wenn Sie die Weltklimakonferenz verfolgen?

Fischedick: "Wir schauen natürlich mit Spannung darauf und schauen, was dort passiert, und versuchen natürlich mit Beratungsleistung, aber auch mit motivierenden Elementen, unseren kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass diese Konferenz im Idealfall eine erfolgreiche Konferenz wird und wir als Staatengemeinschaft auf den richtigen Klimaschutzpfad zurückkehren."

WDR: Was wäre für Sie und Ihre Mitarbeiter ein Erfolg?

Fischedick: "Mir kommt es darauf an, dass positive Botschaften gesetzt werden. Dass man ein Stückchen weit Glaubwürdigkeit zurück holt, die man in den letzten Jahren verspielt hat und viel versprochen hat und das nur zeitversetzt oder gar nicht eingehalten hat. Und internationale Konferenzen leben eben auch von der Glaubwürdigkeit untereinander, und deswegen ist das auch ganz, ganz wichtig, dass dieses Signal gesendet wird und genauso, dass man verstanden hat, dass alle ambitioniert sind und alle ihren Beitrag leisten müssen."

Das Interview führte Raphaela Biermann.

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