Überschwemmungsgebiete Erft

04:06 Min. Verfügbar bis 17.08.2023

Neue Überschwemmungsgebiete der Erft – Daten zur Flutkatastrophe übertreffen alle Berechnungen

Stand: 17.08.2022, 07:37 Uhr

Die Bezirksregierung Köln hat ein neues Überschwemmungsgebiet für die Erft festgelegt. Die neue Karte zeigt, wo statistisch gesehen mit Hochwasser zu rechnen ist.

Von Sabine Büttner

Das neue Überschwemmungsgebiet ist deutlich größer als das bisherige. Für die Berechnung hat die Bezirksregierung Luftbilder der Flut 2021 ausgewertet, Pegelstände verglichen und eine Computersimulation erstellt.

Hydrologin Antje Geschwentner von der Behörde konnte so ermitteln, wie groß die Abflussmenge Wasser tatsächlich war – deutlich mehr, als bisher in einem Extremfall erwartet worden war: "Wir haben mit unserem damaligen Extremhochwasser ungefähr hundert Kubikmeter am Pegel Bliesheim berechnet. Tatsächlich sind dort aber 520 Kubikmeter in einer Sekunde abgeflossen. Das heißt, wir haben es ungefähr mit dem Fünffachen unseres damalig angenommenen Worst-Case-Szenarios zu tun gehabt."

Wassermassen fünffach über dem bisherigen Worst-Case-Szenario

Krankenhaus in Erft

Das Krankenhaus in Erftstadt-Frauenthal liegt jetzt im Überschwemmungsgebiet.

Die Ergebnisse der Berechnung setzen jetzt neue Maßstäbe: Wassermassen wie diese, bisher unvorstellbar. Die Bezirksregierung überarbeitet anhand der Daten ihre Karten zu den Überschwemmungsgebieten. In dem markierten Gebiet gibt es statistisch gesehen alle hundert Jahre eine Überflutung – dort steht also Wasser, wenn auch nur im Zentimeter-Bereich.

Im neuen Überschwemmungsgebiet für den Bereich Erftstadt liegen nun zum Beispiel die B265 bei Blessem und auch das Krankenhaus im Stadtteil Frauenthal.

Mehr Anwohner haben jetzt ein Haus im Überschwemmungsgebiet

Neu in dem markierten Bereich sind auch einige Wohngebiete, wie etwa ein Neubaugebiet in Blessem nahe der B265. "Wenn wir dieses Überschwemmungsgebiet schon vorher gehabt hätten, dann hätte hier gar kein Neubaugebiet errichtet werden dürfen", sagt Horst Büther von der Bezirksregierung, "jetzt ist natürlich Bestandsschutz da."

Für das Wohngebiet erwarten die Experten in ihrem Szenario eine Überschwemmung von 50 Zentimetern, an einigen Stellen könnte ein Meter Wasserhöhe erreicht werden. "Ob das Haus jetzt weniger wert ist, kommt darauf an, wie der Markt sich entwickelt. Und da ist natürlich die Frage des Hochwasserschutzes", so Amtsleiter Büther.

Das eigene Haus nur so schützen, dass das Wasser nicht woanders höher steigt

Anwohnern empfiehlt er, sich zu überlegen, wie sie ihr Haus schützen können – etwa, indem sie Kellerschächte hochziehen oder die Haustüre sichern. "Was sie allerdings nicht machen dürfen, ist einen großen Wall um ihr eigenes Haus bauen. Man darf nur noch solche Baumaßnahmen machen, die nicht dazu führen, dass an anderer Stelle das Hochwasser erhöht wird", so Büther.

Erft, Karte vom Überschwemmungsgebiet

Die Karte vom neuen Überschwemmungsgebiet in Erft, von der Bezirksregierung Köln.

Die Stadt Erftstadt will Anwohner in Kürze bei Infoveranstaltungen über das neue Überschwemmungsgebiet und Schutzmaßnahme für die eigenen vier Wände informieren. Außerdem arbeitet die Verwaltung am Hochwasserschutz für das gesamte Stadtgebiet, prüft mögliche Maßnahmen.

Zum Beispiel dadurch, so Dirk Schulz, technischer Beigeordneter in Erftstadt, "dass wir das Wasser zurückhalten, versickern, dass wir Dämme bauen, dass wir schauen, wie man das Wasser umleiten kann." Auch mit dem Erftverband ist die Stadt im engen Austausch, vieles sei ineinander verzahnt.

Frühzeitige Warnungen sind wichtig

Grundsätzlich spielt auch der Faktor Zeit eine wichtige Rolle. Das Modell von Hydrologin Antje Geschwentner zeigt, dass das Wasser erst nach mehr als sechs Stunden Erftstadt-Frauenthal erreicht, erst nach 16 Stunden ist es am Neubaugebiet an der B265 angekommen. Die Berechnungen der Bezirksregierung zeigen wie wichtig ist es, frühzeitig zu warnen – und im Fall der Fälle Evakuierungsmaßnahmen einzuleiten.

Über dieses Thema hat die Lokalzeit aus Köln am 16.08.2022 im Hörfunk auf WDR2 und im WDR-Fernsehen berichtet.

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