Kölner Sängerin Hozan Cane zu über drei Jahren Haft verurteilt

Die in Köln lebende Sängerin Hozan Cane ist von einem türkischen Gericht zu drei Jahren, einem Monat und 15 Tagen Haft verurteilt worden.

Cane soll sich der Unterstützung einer Terrororganisation schuldig gemacht haben, begründete das zuständige Gericht in Edirne die Entscheidung. Sie sei froh, dass es nun vorbei ist, sagte Cane dem WDR. Sie sei aber auch enttäuscht, dass sie überhaupt verurteilt wurde. Die 50-Jährige mit kurdischen Wurzeln hat die gegen sie erhobenen Vorwürfe stets bestritten.

Vor drei Jahren war Hozan Cane nach einem Konzert für die prokurdische Oppositionspartei HDP in Edirne festgenommen worden. Ein Gericht hatte sie wegen Terrorvorwürfen zu mehr als sechs Jahren Haft verurteilt, von denen sie mehr als zwei Jahre im Gefängnis absaß. Während der Haft schrieb die Künstlerin 47 Lieder, zwei Bücher und zwei Drehbücher. Die Zeit in der Haft wurde ihr nun angerechnet, so dass sie die Strafe nach eigenen Angaben verbüßt hat. Trotzdem überlege sie, ob sie gegen das neue Urteil vorgehen solle, teilte ihre Tochter dem WDR mit.

Auch Hozan Canes Tochter wurde in der Türkei verurteilt

2019 reiste die Tochter Dilan Örs in die Türkei, um ihre Mutter zu besuchen und um sie zu unterstützen. Örs wurde ebenfalls festgenommen und zu mehr als zehn Jahren Haft verurteilt. Zwischenzeitlich kam die Entscheidung, den Prozess gegen Hozan Cane neu aufzurollen. Deshalb wurde sie aus der Haft entlassen. Allerdings stand sie zunächst unter Hausarrest. Im Juli 2021 durfte sie überraschend zurück nach Köln. Auch die Ausreisesperre gegen Dilan Örs wurde aufgehoben.

Beide haben den neuen Prozess gegen Hozan Cane in ihrer Kölner Wohnung verfolgt. Das Urteil wurde ihnen durch die Anwältin telefonisch mitgeteilt. Mutter und Tochter sind der festen Überzeugung, dass das Gericht nicht rechtsstaatlich gehandelt hat.

Kölner Sängerin Hozan Cane wird nicht in die Türkei zurückkehren

Das Vorgehen der türkischen Regierung hat Methode, immer wieder werden Deutsche mit Terrorvorwürfen in der Türkei konfrontiert, so sollen Leute wie wir eingeschüchtert werden“, sagt Dilan Örs. Fest steht für die beiden auch: Sie werden wohl nie mehr in die Türkei zurückkehren.

Dort sitzt aktuell ein weiterer Deutscher in Haft, der Bochumer Mahmut Günes. Er war vergangene Woche zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Ihm wird vorgeworfen, Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK betrieben zu haben. „Diese und unsere Haftstrafen nutzt der türkische Präsident Erdogan offenbar als Druckmittel“, vermutet Dilan Örs.