Großmarkt Düsseldorf

Unterwegs auf dem Düsseldorfer Großmarkt

Ende des Düsseldorfer Großmarkts: "Nur über meine Leiche"

Stand: 07.07.2023, 11:06 Uhr

Seit über 80 Jahren wird auf dem Großmarkt in Düsseldorf frisches Obst und Gemüse für Händler aus ganz NRW verkauft. Damit könnte es im nächsten Jahr vorbei sein.

Von Antonia Rüller

Freitagmorgen, kurz vor drei Uhr: Es ist noch dunkel, frische zehn Grad und die Straßen sind leer gefegt an der Ulmenstraße in Düsseldorf. Ganz anders auf dem Großmarkt in Düsseldorf. Auf rund 20.000 Quadratmetern klappern die Gabelstapler im Laternenlicht von einer Halle in die andere. Kisten mit frischem Obst und Gemüse verlassen minütlich im Lkw das Gelände - zu Gastronomen, Großverbrauchern, Hoteliers und Wochenmärkten in ganz NRW.

Großmarkt Düsseldorf

Einer von 50 Händlern ist Willi Andree. In seiner Halle riecht es nach frischen Erdbeeren, Kräutern und starkem Kaffee. Während seine Mitarbeiter die Kisten mit Ananas aufeinander stapeln, sitzt der Leiter in seinem Büro und behält den Überblick. Die Kunden gehen bei ihm ein und aus. "Peter, Stopp! Hier noch was Süßes!", ruft Willi Andree und gibt noch ein paar Schokoriegel auf einen Teller. Ohne einen Schokoriegel verlässt keiner sein Büro.

Die Kunden kennt er schon seit vielen Jahren - man ist per Du. Ein halbes Jahrhundert arbeitet er auf dem Großmarkt, sechs Mal die Woche in der Nacht von 22 Uhr - 9 Uhr. "Gemüse Großhandel Willi Andree" ist ein Familienunternehmen. Für den 87-Jährigen ist der Großmarkt ein Lebensprojekt - doch genau der soll jetzt schließen.

"Nur über meine Leiche"

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Denn das Oberverwaltungsgericht hat entschieden: Der Düsseldorfer Großmarkt darf zum 31.12.2024 aufgelöst werden. Grund dafür sei, der Großmarkt entspreche nicht mehr dem heutigen Standard und habe die Funktion als Einrichtung der Daseinsvorsorge längst verloren.

"Ich hab die Kündigung auf den Boden geworfen. Nur über meine Leiche!" Willi Andree schüttelt den Kopf: "Wenn der Großhandel schließt - was machen dann die Händler aus NRW?! Die müssen dann den im Rheinland angebauten Salat auf dem Großmarkt in den Niederlanden kaufen und wieder zurückfahren?! Das macht keinen Sinn!"

Existenz von Bauern sei bedroht

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Josef Becker ist Stammkunde.

Eine Halle weiter sucht Josef Becker die Pfirsiche und Nektarinen für die Wochenmärkte Korschenbroich und Langenfeld aus. Er kennt die Vorlieben seiner Stammkunden genau. "Für mich als Einkäufer wäre das eine mittlere Katastrophe, wenn der Großmarkt schließt. Die Fahrt ist gerade noch gut machbar. Auf einem Wochenmarkt zählt die gute Qualität, besondere Sorten. Ich habe und brauche die große Auswahl, die ich hier in Düsseldorf habe."

Hans-Peter Deutschmann zuckt mit den Schultern und nimmt Becker die Rechnung ab. Er ist der Inhaber der Halle Klees Fruchtimporte: "Wir sind die Arbeiter hinter den Kulissen. Uns sieht man nicht. Aber wir sind wichtig für die Region, die Logistik. Die Leute kommen aus Essen, Dortmund und dem ganzen Rheinland. Ich habe Bauern, die leben davon, dass ich denen die Erdbeeren und den Spargel abkaufe. Sonst gehen die pleite."

Keine Zeit für weite Anreisen

Gegen fünf Uhr ist für die Großmarktkunden wie Josef Becker schon Zeit, aufzubrechen. Denn die Ware muss pünktlich auf den Wochenmärkten ausliegen. "Bis Morgen!", sagt Becker. Denn dann treffen sich Händler und Einkäufer wieder in der Nacht hier in Düsseldorf, wenn alle anderen noch schlafen, zwischen den Nektarinen und Steckrüben.

Über dieses Thema berichten wir in der WDR Lokalzeit aus Düsseldorf am 07. Juli um 19.30 Uhr.

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