Presserummel im Gerichtssaal

Prozess um Thomas Drach - Gutachter bietet Reporter Geld für positive Berichterstattung

Stand: 05.10.2022, 06:00 Uhr

In einem der wichtigsten Prozesse dieses Jahres soll ein Sachverständiger einem Gerichtsreporter Geld geboten haben. Ziel des Gutachters war es offenbar, in der Berichterstattung gut wegzukommen. 

Von Markus Schmitz

Schon seit einiger Zeit geht es im Prozess um den Angeklagten Thomas Drach um dessen auffälligen Gang. Drach hat "X-Beine" und seit Beginn der Ermittlungen will die Staatsanwaltschaft herausfinden, ob Drachs Gang mit dem des Täters, der auf Videosequenzen von Überwachungskameras zu sehen ist, identisch ist. Dazu ist ein Gutachter beauftragt worden, der seine Sicht der Dinge an den vergangenen Hauptverhandlungstagen berichtet hat.

"Trinkgeld" in der Cafeteria

Am vergangenen Donnerstag soll es dann einen außergewöhnlichen Vorfall gegeben haben: Ein Gerichtsreporter saß in der Cafeteria des Gerichts, als plötzlich der Gutachter auf ihn zukam und ihm einen Hundert-Euro-Schein in die Hand drückte mit den Worten: "Damit Sie mich nicht ganz so schlecht aussehen lassen." 

Gutachter soll Stellung beziehen

Der Reporter warf den Geldschein nach eigenen Angaben sofort in Richtung des Gutachters zurück. Anschließend untermauerte der Gutachter seine Aktion noch und sprach davon, dass er auch anderen Menschen "Trinkgeld" zahle. Weitere Äußerungen verhinderte der Reporter offenbar, woraufhin der Gutachter ging. Weder das Landgericht, dass von dem Fall Notiz bekommen hat, noch die Staatsanwaltschaft zweifeln an der Version des Reporters. Für den kommenden Prozesstag am Freitag ist der Gutachter aufgefordert, zu dem Fall Stellung zu nehmen. 

Neues Gutachten

Das Gutachten des Sachverständigen aus Bayern war mit Spannung erwartet worden, aber es gibt zu seiner Expertise auch einige Zweifel, die nicht nur Drachs Verteidigern und denen des mutmaßlichen Komplizen aufgefallen sind, sondern auch Journalisten. Es ist nun gut möglich, dass der Sachverständige als befangen gilt und sein Gutachten, das bislang viel Geld gekostet hat, nicht angenommen wird. In diesem Fall müsste ein anderer Gutachter über das Gangbild oder mögliche weitere Ähnlichkeiten Thomas Drachs mit Personen auf Überwachungskameras beauftragt werden. Das wiederum würde den Prozess weiter deutlich verzögern. Der Gutachter wollte sich auf Anfrage des WDR mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern.

Über dieses Thema berichtet der WDR auch im Hörfunk und im WDR Fernsehen in der "Lokalzeit aus Köln" um 19:30 Uhr.