Das Bild zeigt einen Arzt mit einem Stethoskop.

Darum wird die Nachfolgesuche für Hausärzte schwieriger - und das wird getan

Stand: 22.01.2023, 13:30 Uhr

Viele Hausärztinnen und -ärzte gehen nach und nach in Rente. Eine Nachfolge zu finden, gestaltet sich oft schwierig. Experten warnen vor weiteren Versorgungslücken. Woran das liegt und was möglicherweise helfen könnte.

Wie ist die Lage in NRW?

In NRW gibt es laut Gesundheitsministerium 11.200 niedergelassene Hausärztinnen und Hausärzte, von denen mehr als ein Drittel über 60 Jahre alt ist. Deshalb sei schon bald von einem erheblichen Nachbesetzungsbedarf auszugehen, "wenn das heutige Versorgungsniveau nur annähernd gehalten werden soll", sagte ein Sprecher. Gerade im ländlichen Raum sei die hausärztliche Versorgung teilweise bereits durch Versorgungsengpässe gekennzeichnet. Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Nordrhein, Oliver Funken, befürchtet in nächster Zeit eine regelrechte Rentenwelle.

Auch der Hausärzteverband Westfalen-Lippe äußerte sich besorgt zur Nachwuchslage im Land. Die aktuelle Zahl an Medizin-Studienplätzen in NRW werde nicht ausreichen, um die immer näherkommende Ruhestandswelle abzufangen. Schon jetzt gebe es zahlreiche Aktionen und Initiativen von Kreisen und Kommunen. So unterstütze der Verband die Hausarztpraxen mit persönlichen Beratungen, einer Praxisbörse oder auch Fortbildungen. 

Was macht den Beruf als Hausarzt attraktiv - und was nicht?

Als zentralen Grund für die angespannte Nachwuchslage nennt die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein ein großes Angebot an alternativen Jobs für Medizinerinnen und Mediziner. Viele gingen in die Wirtschaft, Forschung oder in Kliniken. Eine Tätigkeit in Städten sei außerdem mit Blick auf die eigene Familie und das Umfeld attraktiver als auf dem Land.

Jan Möhlenkamp

Jan Möhlenkamp

Dort gibt es schon seit Jahren vielerorts immer weniger Ärztinnen und Ärzte, zum Beispiel in Riesenbeck im Kreis Steinfurt. Der Ort zählt knapp 7000 Einwohner. Jan Möhlenkamp ist in der Gegend aufgewachsen. Für ihn lägen die Vorteile der Arbeit als Hausarzt auf dem Land klar auf der Hand, sagt der 35-Jährige: "Die Patientenbindung ist viel enger. Die Fluktuation geringer. Kommt ein Patient zu mir, gehe ich davon aus, dass er die nächsten 30 Jahre mein Patient bleibt."

Was tun Land und Kassenärztliche Vereinigungen für mehr Hausärzte in NRW?

Um neue Hausärzte zu gewinnen, haben das Land NRW und die Kassenärztlichen Vereinigungen eine Reihe von Fördermaßnahmen ins Leben gerufen. Diese reichen von Studienplätzen im Rahmen der Landarztquote bis hin zu Darlehen für den Praxisaufbau.

Karl-Josef Laumann

Karl-Josef Laumann (CDU)

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte am Donnerstag bekanntgegeben, dass das "Hausarztaktionsprogramm" fortgesetzt werde. Damit würden weiterhin rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr für dieses Förderprogramm zur Verfügung gestellt. Es sei neben der Landarztquote und dem Ausbau der Medizinstudienplätze ein wichtiger Baustein, mit dem die Landesregierung aktiv zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung insbesondere im ländlichen Raum beitrage, erklärte Laumann.

Die einzelnen Maßnahmen im Überblick:

Was steckt hinter dem "Hausarztaktionsprogramm"?

Mit dem "Hausarztaktionsprogramm" wird die Niederlassung, Anstellung und Weiterbildung von Hausärztinnen und Hausärzten in kleineren Kommunen gefördert, wenn dort die Altersstruktur der Hausärzteschaft sehr ungünstig ist. Seit dem Start 2009 wurden bis Ende des ersten Halbjahres 2022 mehr als 700 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von über 20 Millionen Euro bewilligt. Dazu zählt auch die Zusatzqualifikation des nicht-ärztlichen Praxispersonals.

Wie steht es um die Landarztquote in NRW?

Bei der sogenannten Landarztquote verpflichten sich Bewerberinnen und Bewerber, zehn Jahre lang in einer unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Region hausärztlich tätig zu werden. Dafür bekommen sie einen Studienplatz. Knapp 8 Prozent der Medizinstudienplätze an den Hochschulen werden in der Trägerschaft des Landes im Rahmen der Landarztquote vergeben. Das sind jährlich rund 180 Studienplätze.

Bisher haben sich in acht Auswahlverfahren 3.875 Interessenten auf 707 dafür zur Verfügung stehende Studienplätze beworben. Die ersten Studierenden werden im Sommersemester 2027 ihr Medizinstudium abschließen und dann ihre Weiterbildung beginnen.

In welchem Rahmen werden Medizinstudienplätze ausgebaut?

Man sieht eine Rampe die zum einem der Eingänge der Uni Bielefeld führt.

Aufgang zum Hauptgebäude der Uni Bielefeld

Mit der Neugründung der medizinischen Fakultät OWL an der Universität Bielefeld sind zum Wintersemester 2021/2022 in NRW nach Angaben des Gesundheitsministeriums 60 Medizinstudienplätze neu geschaffen worden. Mehr als 22.600 Interessenten bewarben sich nach Angaben der Universität damals für die ersten 60 Studienplätze. Im Endausbau sollen in Bielefeld jährlich bis zu 300 Medizinstudienplätze bereitgestellt werden. Dieser Umfang ist für das Wintersemester 2025/2026 vorgesehen. Außerdem wurden die Studierendenzahlen im Bereich der Humanmedizin der privaten Universität Witten/Herdecke mit finanzieller Unterstützung des Landes auf 168 verdoppelt.

Welche Unterstützung gibt es beim Praxisaufbau?

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe können Ärzte und Ärztinnen, die sich in einer der im Förderverzeichnis aufgeführten Kommunen niederlassen möchten, Hilfe beantragen. Sie bekommen den Angaben zufolge dann zum Beispiel Darlehen für den Praxisaufbau oder zur Praxisübernahme. Das Geld muss nur zu einem geringen Teil zurückgezahlt werden. Bedingung: Die Förderempfänger müssen mindestens drei Jahre in der ärztlichen Versorgung tätig sein. Außerdem werden auch Kosten für die Einrichtung übernommen.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein bietet Förderung an. Ärztinnen und Ärzte, die sich in einem von ihr festgelegten Fördergebiet niederlassen, können demnach mit bis zu 70.000 Euro unterstützt werden. Im Gegenzug dafür verpflichten sich die Medizinerinnen und Mediziner mindestens fünf Jahre vor Ort ambulant tätig zu sein.

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