Pflege: 4.000 Euro Einstiegsgehalt gefordert - steigen sonst zu viele aus?

Ein mobiles Impfteam macht sich auf den Weg zu Altenheimen

Pflege: 4.000 Euro Einstiegsgehalt gefordert - steigen sonst zu viele aus?

Pflegekräfte verdienen in der Langzeitpflege deutlich weniger als im Krankenhaus. Es droht die "Flucht aus dem Pflegeberuf", heißt es. Eine Forderung: 4.000 Euro Einstiegsgehalt.

Pflegekräfte sollten ein Einstiegsgehalt von 4.000 Euro bekommen - das fordert schon seit Langem der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). Zu Beginn der Corona-Pandemie hätten noch viele gefordert, Pflegekräfte besser zu bezahlen. Geändert habe sich aber nichts.

4.000 Euro brutto für Pflegekräfte - Forderung nicht neu

Das kritisierte schon im September der DBfK Nordwest, als dessen Vorsitzender, Martin Dichter, zu einer Demo vor dem Düsseldorfer Landtag aufrief. Seine Forderung: "4.000 Euro brutto für Pflegefachpersonen nach dem Examen, und entsprechend mehr mit steigender Berufserfahrung und Spezialisierung".

Ein halbes Jahr später sorgt die 4.000-Euro-Forderung immer noch für Wirbel. Zuletzt formulierte sie Franz Wagner gegenüber der "Passauer Neuen Presse" für ihre Samstagsausgabe. Er ist Chef des Deutschen Pflegerates, einer Arbeitsgemeinschaft vieler Pflegeverbände. Mehr Personal sei nötig, um die Pflegenden in Heimen und Krankenhäusern zu entlasten, so Wagner.

Von einem höheren Einstiegsgehalt würden vor allem Beschäftigte in der Langzeitpflege, also vor allem in Pflegeheimen, profitieren. Denn die Gehälter in der Pflege unterscheiden sich stark - nicht nur zwischen Ost und West und zwischen Kräften mit und ohne Berufsausbildung, sondern gerade auch zwischen Krankenhäusern und der Langzeitpflege. "Die Schere muss sich endlich schließen", forderte Dichter DBfK Nordwest.

So viel verdienen viele Pflegefachpersonen brutto im Monat:

  • 2.900 Euro in der Langzeitpflege
  • 3.400 Euro im Krankenhaus

Mittelwert Median, Stand: 2018, Quelle: DBfK 2020

So viele Menschen arbeiten in der Pflege in NRW:

  • 182.000 Beschäftigte in Pflegeheimen (nicht nur Pflegekräfte), davon 56,1 Prozent mit fachspezifischer Berufsausbildung
  • 91.000 Beschäftigte in ambulanten Pflegediensten, davon 62,1 Prozent mit fachspezifischer Berufsausbildung
  • 107.000 Pflegekräfte in Krankenhäusern

Stand: Ende 2019, Quelle: Statistisches Landesamt 2020/2021

Marx: "Flucht aus dem Pflegeberuf unbedingt stoppen"

Prof. Dr. Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin bei der Bundespressekonferenz

Auf die Personalnot wies am Sonntag auch Gernot Marx von der Uniklinik Aachen hin, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. "Die Krise der deutschen Pflege hat sich durch die Corona-Pandemie jetzt noch einmal erheblich verschärft und wird sich weiter verschärfen", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

"Wir müssen die Flucht aus dem Pflegeberuf unbedingt stoppen", so Marx. In der beginnenden dritten Welle der Pandemie hielten die Pflegenden derzeit aus Pflichtgefühl noch durch, die Frage sei aber, was danach komme, warnte Marx. Nach einer neuen Umfrage überlegten rund 32 Prozent der Pflegenden derzeit, aus dem Beruf auszusteigen.

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Pflegebeauftragter Westerfellhaus: "Katastrophale Folgen"

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, ist ebenfalls alarmiert. Viele Pflegekräfte spielten mit dem Gedanken, aus ihrem Beruf auszusteigen, sagte Westerfellhaus den Funke-Zeitungen. "Das hätte katastrophale Folgen für unsere Gesundheitsversorgung", warnte er.

Dass ein Einstiegsgehalt von 4.000 Euro für Pflegekräfte Realität werden könnte, scheint allerdings in weiter Ferne. Klar ist noch nicht einmal, ob der flächendeckende Tarifvertrag für die Altenpflege kommen wird, um den monatelang gerungen wurde. Viele Arbeitgeber in der Pflege kritisieren: Das sei einfach nicht zu bezahlen.

Stand: 15.03.2021, 12:10

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