NRW hält an Corona-Isolationspflicht fest

Stand: 16.11.2022, 12:55 Uhr

Bayern und Baden-Württemberg verzichten ab heute auf die Corona-Isolationspflicht. NRW will dem bislang nicht folgen und die Pflicht beibehalten.

Corona-Infizierte in Bayern und Baden-Württemberg müssen sich von heute an nicht länger in Isolation begeben. "An die Stelle der Isolationspflicht treten verpflichtende Schutzmaßnahmen für positiv Getestete", sagte der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU).

Für Infizierte in Bayern soll es dafür von jetzt an eine Maskenpflicht geben - auch im Freien, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Außerdem dürfen Infizierte dort medizinische und pflegerische Einrichtungen nicht betreten und dort nicht tätig sein. Auch in Baden-Württemberg soll es eine solche Maskenpflicht außerhalb der eigenen Wohnung geben, für fünf Tage.

Empfehlung: "Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben"

Und wenn man krank ist? Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) spricht eine klare Empfehlung aus: "Wer krank ist und Symptome hat, sollte wie bisher auch zu Hause bleiben und sich krankschreiben lassen." Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek äußerte sich ähnlich. Was genau "krank" heißt, bleibt offen. Bayerische Lehrerverbände forderten am Dienstag eine klare Definition dazu, was "krank" oder "ansteckend" genau bedeutet.

Isolationspflicht in NRW wird wohl erst einmal bleiben

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hält eine Lockerung der Isolationspflicht für Corona-Infizierte in NRW derzeit für "nicht vertretbar". Er habe sich während der gesamten Corona-Pandemie immer auch sehr an den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts orientiert, erklärte Laumann im WDR. "Das ist eine erstklassige wissenschaftliche Expertise und ich glaube, wir sind als Gesundheitsminister in einer guten Gesellschaft, wenn wir uns am RKI orientieren."

Die Isolierung in NRW endet spätestens zehn Tage nach dem ersten Auftreten von Symptomen. Ab dem fünften Tag ist ein "Freitesten" möglich.

Laumann: "Möchte man wirklich positive Arbeitskollegen in der Nähe?"

Auch Hessen und Schleswig-Holstein haben angekündigt, die generelle Isolationspflicht für positiv getestete Personen "zeitnah" aufheben zu wollen. Hessen ließ den genauen Zeitpunkt für den Schritt noch offen, in Schleswig-Holstein fällt die Pflicht voraussichtlich morgen.

Karl-Josef Laumann im Interview mit Westpol

Laumann: "Werden den Weg nicht mitgehen"

"Wir werden in Nordrhein-Westfalen ganz sicherlich diesen Weg der anderen Bundesländer zum jetzigen Zeitpunkt nicht mitgehen", betonte Laumann. Denn: "Möchte man wirklich, wenn ein enger Arbeitskollege oder eine enge Arbeitskollegin positiv ist, dass die zur Arbeit kommt und man eng mit einem solchen Menschen dann über viele Stunden zusammen ist?"

Kritik an Lockerung der Isolationspflicht

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte unterdessen ein Ende der Isolationspflicht. Diese verhindere die ungehinderte Ausbreitung des Virus, betonte Vorstand Eugen Brysch in Dortmund. Wenn jetzt in jedem Bundesland unterschiedliche Regelungen gelten sollen, ist das aus Bryschs Sicht chaotisch: "Schließlich überqueren allein Millionen Pendler täglich Ländergrenzen. Nicht selten sind das nur wenige Schritte."

Lauterbach: "Kommt zur Unzeit"

Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kritisierte die unterschiedlichen Handhabungen in den Bundesländern und bezeichnete das Ende der Isolationspflicht in einigen Ländern als Fehler. "Das kommt jetzt zur Unzeit und findet nicht die Billigung der Bundesregierung", so Lauterbach.

Auch Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) erklärte: "Ich halte es epidemiologisch für grundfalsch, mitten im dritten Pandemie-Herbst auf die Isolationspflicht für Corona-Infizierte zu verzichten."

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FDP fordert Abschaffung auch in NRW

Die FDP-Fraktion im Düsseldorfer Landtag fordert unterdessen auch hierzulande ein Ende der Isolationspflicht: "NRW sollte dem Beispiel der vier Bundesländer folgen. Die Isolationspflicht für Corona-Infizierte sollte auch in Nordrhein-Westfalen abgeschafft werden", sagte der Fraktionsvorsitzende Henning Höne. Er kündigte zugleich eine Kleine Anfrage im Landtag zu den Äußerungen von Minister Laumann an.

Auch der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Tino Sorge (CDU), begrüßte die Aufhebungen. "Ich gehe fest davon aus, dass viele Länder folgen werden, weil wir ja sehen, dass diese befürchtete Herbstwelle nicht kommt in dieser Form", so Sorge.

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