Bis heute rassistische Sprache bei Johannitern in Köln

Stand: 09.12.2022, 21:13 Uhr

Offener Rassismus, rechtsextreme Äußerungen, massive Verstöße gegen Hygiene-Vorschriften – all das hat es offenbar auf einer Rettungswache der Kölner Johanniter gegeben.

Von Oliver Köhler

Mitarbeiter hatten sich über die Zustände beschwert, doch die Vorgesetzten reagierten jahrelang nicht. Erst als ein Mitarbeiter die Vorwürfe öffentlich macht, lassen die Johanniter die Zustände auf der Wache untersuchen. Guido Schäpe hatte als Notfallsanitäter auf der Wache der Johanniter in Köln-Mülheim gearbeitet. Nach seinen Angaben gab es seit 2015 immer wieder rassistische Äußerungen und rechtsextreme Vorfälle.

Geburtstage von Nazi-Größen in Kalender

So wurden im Wandkalender die Geburtstage von Adolf Hitler und anderen Nazi-Größen eingetragen. Mitarbeiter der Johanniter sollen bei Rettungsdienst-Einsätzen türkisch-stämmige und südeuropäische Patienten als Simulanten abgestempelt haben. Nach Angaben von Guido Schäpe sollen sich Mitarbeiter der Wache als Anhänger der rechtsextremen Identitären Bewegung geoutet und entsprechendes Infomaterial auf der Wache ausgelegt haben.

Vorgesetzte reagierten nicht

Guido Schäpe hatte nach eigenen Angaben den Wachleiter und andere Vorgesetzte mehrmals gebeten, einzugreifen. "Da kam dann nur Schulterzucken", sagt Schäpe. Er ging an die Öffentlichkeit. Medien berichteten im September 2022 bundesweit über die Johanniter-Wache in Köln-Mülheim.

Die Folge: Die Johanniter gaben eine Untersuchung in Auftrag. Die damit betraute Kommunikationsagentur Guttmann Communications kam zu dem Ergebnis: "Die in den Medien genannten Vorfälle sind allerdings überwiegend wie beschrieben oder ähnlich passiert."

Laut Untersuchung: Keine rechten oder rassistischen Strukturen

Es seien aber alles nur Einzelfälle, rechte und rassistische Strukturen gäbe es bei den Johannitern nicht. Nach Angaben des seit 2021 amtierenden Johanniter-Vorstandes Marius Mainzer wurde ein Mitarbeiter wegen der Vorwürfe vom Dienst freigestellt. Ein anderer habe die Johanniter bereits vor der Untersuchung verlassen.

Ab 2023 soll es laut Johannitern Fortbildungen im Bereich interkulturelle Kompetenz, gewaltfreie Kommunikation und Konfliktmanagement geben. Bisher hat der Fall keine Konsequenzen für das Führungspersonal der Hilfsorganisation.

Whistleblower wurde entlassen

Guido Schäpe dagegen, der auf Rassismus, Rechtsextremismus und Corona-Leugner auf der Wache hingewiesen hatte, erhielt von den Johannitern die Kündigung. Der Bericht der Johanniter stellt übrigens fest, dass die Probleme der Organisation bis heute nicht gelöst sind: Es werde eine "fragwürdige, bisweilen diffamierende Alltagssprache" unter den Mitarbeitern verwendet. Unter anderem würden Menschen als "Kanaken" bezeichnet.

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