Angeklickt: Medienplattformen richtig nutzen

Aktuelle Stunde 24.06.2022 03:55 Min. Verfügbar bis 24.06.2023 WDR Von Jörg Schieb


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Grimme Online Award 2022

Stand: 24.06.2022, 10:00 Uhr

Der "Grimme Online Award" ist einer der wichtigsten Auszeichnungen in der deutschsprachigen Onlinewelt. Prämiert werden herausragende Angebote - auch von Privatleuten. Der Award wurde am Donnerstagabend im Rahmen einer feierlichen Gala in der Kölner Flora vergeben. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb war dabei - und stellt die Gewinner vor.

Der Grimme Online Award zeichnet die besten deutschsprachigen Netzangebote aus: Webseiten, YouTube-Inhalte, Online-Reportagen, Recherche-Projekte. Insgesamt acht Angebote haben in der Kölner Flora im feierlichen Rahmen den in der Branche äußerst begehrten Preis erhalten, der für viele Insider als "Oscar des deutschsprachigen Webs" gilt. Zum ersten Mal seit drei Jahren wieder in Präsenz.

Preisverleihung des Grimme Online Award am 23. Juni in der Kölner Flora

Die Nominierungskommission musste aus Hunderten Einreichungen die besten Angebote auswählen - die Jury hatte die Qual der Wahl, daraus die preiswürdigsten auszeichnen. Angebote, die unterschiedlichste Themen behandeln - und das mitunter über verschiedene Plattformen.

Viele der ausgezeichneten Angebote erzählen Geschichten heute in Videos, auf Webseiten, in Podcasts und auf Social Media gleichzeitig: Die Macher nutzen also alle Ausspielwege - und auch die Stärke der jeweiligen Medien. Eine Stärke der Podcasts ist zum Beispiel, dass sich Menschen hier Zeit nehmen - und entsprechend ausführlich erzählt werden kann. Das gelingt in den ausgezeichneten Angeboten besonders gut.

Guantanámo und Umwelt im Osten

Ein klassischer Podcast und ausgezeichnet in der Kategorie "Information" ist "Slahi: 14 Jahre Guantánamo". In diesem zwölfteiligen NDR-Podcast erzählen die Autoren die außergewöhnliche Lebensgeschichte im Kontext des islamistischen Terrors. Wie sieht er sein Handeln? Was machten Haft und Folter mit ihm? Neben Slahi kommen auch frühere Wegbegleiter zu Wort - und es gibt ein Gespräch zwischen Mohamedou Slahi und seinem Folterer. Das schafft Nähe und gibt einem wichtigen Thema den nötigen Raum.

Die Podcast-Dokumentation "Slahi" in der NDR-Mediathek

Ebenfalls in der Kategorie "Information" ausgezeichnet wurde die interaktive Doku "Umwelt in Ostdeutschland" vom MDR. Jahrzehntelang brachte die Planwirtschaft der DDR mit ihren Umweltsünden die Natur an den Rand ihrer Belastbarkeit. In der interaktiven Doku scrollen sich die Nutzer von der Luft durch die Biosphäre bis in den Boden - und erfahren so eine Menge über die Beschaffenheit der Natur und welchen Schaden Umweltsünden anrichten können, die bis heute nachwirken.

Story Telling: Reportagen und Geschichten

Eine besondere Stärke von einigen ausgezeichnete Onlineangeboten ist, wie intensiv sie sich mit Themen beschäftigen, die im Alltag und den aktualitätsgetriebenen Medien keine oder nur eine geringe Rolle spielen. Ein Beispiel dafür ist Kandvala: Die zwei jungen Fotojournalisten Sitara Thalia Ambrosio und Iván Furlan Cano, 19 und 20 Jahre alt, haben auf eigene Faust eine nahe gehende, interaktive Dokumentation auf die Beine gestellt.

Die Macher haben intensiv mit flüchtenden Menschen der bosnischen Grenze gesprochen, in der Bauruine "Kandvala" - daher der Name des Projekts. Einfühlsam haben die beiden die ebenfalls jungen Menschen porträtiert, ihre Ängste, Sehnsüchte und Hoffnungen in Fotos, Videos, Audios und Texten festgehalten. Ein Angebot, das nachdenklich macht.

Geschichte (be)greifbar machen

Einige der prämierten Angebote versuchen auch, Geschichte verstehbar zu machen. Das gilt ganz besonders für das in der Kategorie "Wissen & Bildung" ausgezeichnete Angebot "Nuclear Games" - das im Augenblick durch Ukraine-Konflikt und Energiekrise wieder an Bedeutung gewinnt. Die Macher erzählen in einem Mix aus interaktiver Animation und Dokumentation von der Bedrohung der Menschheit durch acht Jahrzehnte Nukleartechnologie.

Ausschnitte aus der Interaktivdoku "Nuclear Games"

Der Uranabbau in der Sahara ist genauso Thema wie die Vertreibungen aufgrund der Atomtests im Bikini-Atoll oder der "Raketenmann" Kim Jong-Un. Die aufwändig gestalteten Graphic Novels, durch die die Nutzer scrollen können, werden ergänzt von Wissensbibliotheken mit Videos und Texten.

Fernsehmacher "Scobel" bekommt Publikumspreis

3Sat-Moderator Gert Scobel vor einer Illustration von Ludwig Wittgenstein

Ausgezeichnet mit dem Publikumspreis wurde der Youtube-Kanal des 3Sat-Moderators Gert Scobel, der sich dort als "Youtube-Philosoph" bezeichnet. In Scobels Kanal gibt es jeden Donnerstag ein neues Video zu den "großen Themen des Lebens": Alltägliches, Neues und Verblüffendes aus Wissenschaft, Philosophie, Gesellschaft, Ethik oder Kultur. Mit einem interdisziplinären und philosophischen Blick auf das, was wichtig ist. Scobel-style: Eine Stunde lang - mit unterhaltsamen und Verständnis fördernden grafischen Elementen. So interessiert Scobel gekonnt Menschen für anspruchsvolle Inhalte.

Über den Autor

Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.

Jörg Schieb, Jahrgang 1964, ist WDR-Digitalexperte und Autor von 130 Fachbüchern und Ratgebern. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Digitalisierung und deren Auswirkungen auf unseren Alltag.

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