Psychologin: Durch Corona leiden mehr Kinder an Essstörungen und unter Ängsten

Psychologin: Durch Corona leiden mehr Kinder an Essstörungen und unter Ängsten

Essstörungen, Wutausbrüche, Ängste - Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie tun Kindern und Jugendlichen gar nicht gut. Ein Gespräch mit einer Psychologin über ihre Erfahrungen.

Es sind Zahlen, die nachdenklich machen. Nach einer Studie ist fast jedes dritte Kind psychisch auffällig - bedingt durch die Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie. Herausgefunden haben dies Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

Unter Kindern und Jugendlichen hätten Sorgen und Ängste noch einmal zugenommen. Diese Einschätzung teilt die Düsseldorfer Kinderpsychologin Dr. Viktoria Krassilschikov.

WDR: Frau Dr. Krassilschikov, welche psychische Auffälligkeiten gibt es durch die Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie bei Kindern und Jugendlichen?

Krassilschikov: In meiner Praxis erlebe ich aktuell zunehmend Fälle, bei denen Kinder und Jugendliche unter Essstörungen leiden. Die Betroffenen sind durch den Digitalunterricht oft auf sich gestellt, sitzen allein an einem Tisch und haben jetzt deutlich mehr Zeit, sich in sozialen Netzwerken umzusehen. Dort stoßen sie auf Fotos von scheinbar schönen, mega-schlanken Menschen und wollen diesem vermeintlichen Ideal nacheifern. Daneben erlebe ich, dass mich immer mehr Eltern anrufen und um Rat fragen, weil sie mit ihrem für gewöhnlich ausgeglichenen und ruhigen Kind, das auf einmal schwerste Wutausbrüche bekommt, nicht mehr klarkommen.

WDR: Sind das Einzelfälle oder gibt es weitere Beispiele?

Krassilschikov: Ich erlebe, wie einst selbstbewusste und erfolgreiche Abiturienten, die als Stufensprecher fungierten oder tolle sportliche Leistungen zeigten, plötzlich völlig unsicher sind. Es ist, als wenn ihnen der Boden unter den Füßen weggerissen wurde. Die jungen Leute haben plötzlich immense Zukunftsängste, sie wissen einfach nicht, wie es weitergeht. Auch kommen in meine Praxis immer mehr Erstsemestler, die nicht damit zurechtkommen, statt in einer Gemeinschaft an der Uni nun völlig auf sich gestellt zu sein, und massive Ängste entwickeln.

WDR: Was können Eltern tun, damit ihr Nachwuchs gestärkt aus der krisenhaften Situation hervorgeht?

Krassilschikov: Ganz wichtig ist, dass Eltern für eine Tagesstruktur sorgen: Essen, Lernen, Freizeit. Dadurch geben Eltern ihrem Kind Halt. Eltern sollten zudem ihrem Nachwuchs mit Liebe und Wertschätzung begegnen und ihm genau erklären, warum das Leben gerade so eingeschränkt läuft. Gut ist, wenn Mütter und Väter möglichst viel gemeinsam mit ihrem Kind machen, gemeinsam spielen etwa. Die Botschaft dabei: Wir machen das Beste aus dieser Situation.

Das Gespräch führte Sabine Meuter.

Studie: Kinder leiden psychisch stark unter Corona-Pandemie phoenix vor ort 10.02.2021 27:36 Min. Verfügbar bis 10.02.2026 Phoenix Von Detlef Tiburg

Stand: 10.02.2021, 19:02

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