Das Bild zeigt eine Heizung.

Energiesparen: Was Mieter von ihren Vermietern verlangen können

Stand: 25.07.2022, 12:45 Uhr

Angesichts der hohen Öl- und Gaspreise machen sich viele Mieter Sorgen: Hat ihr Vermieter alle Möglichkeiten zum Energiesparen genutzt? Wie Wohnungen jetzt noch winterfest gemacht werden können.

Der Ukraine-Krieg hat die Preise für Gas und Öl schon jetzt explodieren lassen - doch für Millionen Mieter und Mieterinnen steht die wahre Belastungsprobe noch bevor. Denn die Nebenkostenabrechnung des laufenden Jahres liegt in der Regel erst Ende 2023 im Briefkasten. Dann drohen hohe Nachzahlungen, die nicht nur finanzschwache Haushalte vor echte Probleme stellen könnten.

Mieter fühlen sich angesichts solcher Prognosen hilflos: Zwar können sie die Heizung runterdrehen und ihren Verbrauch an Warmwasser einschränken, aber auf den energetischen Zustand ihrer Wohnung haben sie gewöhnlich keinen Einfluss. Und auch der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter ist ihnen verwehrt.

Was viele nicht wissen: Mit wenigen Sanierungsmaßnahmen lassen sich die Heizkosten für viele Wohnungen deutlich senken. Teilweise sind Vermieter sogar dazu verpflichtet. Wir haben einige Tipps zusammengestellt, mit denen Mieter gut durch den Winter kommen.

Fenster auf undichte Stellen überprüfen

Um Schwachstellen an Fenstern zu finden, gibt es einen einfachen Trick: Ein Blatt Papier ins geschlossene Fenster klemmen und dann kräftig ziehen. Lässt sich das Papier ohne großen Widerstand entfernen, dann ist das Fenster undicht und das erhöht die Heizkosten.

"Undichte Fenster sind ein Mangel", sagt Hans Jörg Depel vom Mieterverein Köln. Der Vermieter sei verpflichtet, für eine ausreichende Isolierung zu sorgen. Nicht immer müssen die undichten Fenster komplett ausgetauscht werden - auch wenn das auf lange Sicht die beste Lösung ist. Auch mit speziellen Dichtungsbändern lässt sich eine gute Dämmwirkung erzeugen. Das gilt übrigens auch für Türen.

Heizkessel checken

Seit wann sind die Heizkessel in ihrem Mietshaus in Betrieb? In der Regel kann das Baujahr dem Typenschild am Kessel entnommen werden. Falls nicht, kann man auch das Protokoll des Schornsteinfegers anfordern - dort ist das Baujahr auf jeden Fall vermerkt.

Sind es mehr als 30 Jahre, dann muss der Vermieter nach den Bestimmungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) für eine Modernisierung sorgen. Eine neue Anlage kann die Heiznebenkosten besonders stark senken.

Grundsätzlich betrifft die Vorschrift alle veralteten Gas- oder Ölheizungen, allerdings gibt es Ausnahmen: Wenn das Gerät bereits mit einer Niedertemperatur- oder Brennwerttechnik ausgestattet ist, dann kann die Anlage unter Umständen länger laufen. Ausgenommen sind außerdem Heizgeräte mit weniger als vier und mehr als 400 Kilowatt Nennleistung.

Heizkörper nachjustieren

Viele Heizkörper in der Wohnung sind nicht optimal eingestellt. Manche heizen viel zu stark auf - selbst wenn der Regler auf der niedrigsten Stufe eingestellt wurde. "Oder wenn die Heizkörper nur unregelmäßig warm werden", warnt Depel. Auch das sei ein Mangel, den Vermieter umgehend beheben müssen.

Doch auch wenn alles ordnungsgemäß eingestellt ist, lässt sich die Effizienz der Heizkörper ohne großen Aufwand verbessern: Dämmstoffplatten oder Dämmfolien hinter den Heizkörpern können verhindern, dass Energie durch die Wand verloren geht.

Solche kleinen Verbesserungen können Mieter auch selbst vornehmen, ohne diese mit dem Vermieter abzusprechen. Oft ist es aber besser, sie zu informieren. Möglicherweise werden dann sogar Kosten übernommen.

Vermieter auf Verbesserungsmöglichkeiten ansprechen

Ein Gespräch mit dem Vermieter lohnt sich eigentlich immer: Wer eine Wohnung vermietet, muss einen Energieausweis vorlegen. Im besten Fall ist das ein Bedarfsausweis, der Verbrauchswerte detailliert angibt. Anhand des Ausweises und der eigenen Verbrauchsrechnung kann man mit dem Vermieter besprechen, wo es noch Einsparpotenziale gibt.

Ein hydraulischer Abgleich der Heizung oder die Dämmung von Rollladenkästen kosten nicht viel, haben aber einen vergleichsweise großen Effekt. Angesichts der Energiekrise dürften die meisten Vermieter offen für Vorschläge sein.

Monatliche Abschläge erhöhen

Damit die Nebenkostenabrechnung nicht jeden vernünftigen Rahmen sprengt, sollten Mieter über eine Erhöhung der monatlichen Abschläge nachdenken. Alternativ können sie auch jeden Monat einen bestimmten Betrag auf ein Sparkonto einzahlen, das ausschließlich für eventuelle Nachzahlungen vorgesehen ist. Denn Nachzahlungen sind im kommenden Jahr nicht nur möglich - sie werden die Regel sein.

Übrigens:

Das Mietrecht hat sich noch nicht der aktuellen Energiekrise angepasst: Mieter, die ihre Wohnung nicht auf mindestens 20 Grad heizen, können theoretisch von ihrem Vermieter haftbar gemacht werden, wenn sich in der Folge Schimmel bildet. Mit regelmäßigem Lüften können Mieter allerdings dieses Risiko verringern.

Warmwasser-Rationierung: Diese Rechte haben Mieter:innen

WDR 5 Profit - aktuell 05.07.2022 03:44 Min. Verfügbar bis 05.07.2023 WDR 5


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