Eine Hand hält ein Stück Holz, dahinter brennt Feuer in einem Holzofen.

Steigende Nachfrage nach Heizquellen: Was ist sinnvoll, was nicht?

Stand: 11.07.2022, 18:07 Uhr

Baumärkte verzeichnen wegen der stark steigenden Energiepreise seit Monaten eine erhöhte Nachfrage nach alternativen Heizquellen. Für den günstigen Dauerbetrieb ist nichts dabei.

Die Energiepreise kennen seit Monaten nur den Weg nach oben. Durch den Angriff Russlands auf die Ukraine sind die Angst vor Engpässen in der Energieversorgung und damit auch die Preise weiter gestiegen. Während die Bundesregierung daran arbeitet, Energiesicherheit für die kommende Heizperiode herzustellen, geht bei vielen Menschen offenbar die Angst um, im Winter in einer kalten Wohnung zu sitzen. So haben viele Bürger längst reagiert - sie decken sich in Baumärkten mit alternativen Heizquellen ein.

Alternative Heizquellen zeitweise vergriffen

Auf Anfrage des WDR haben mehrere große Baumarktketten bestätigt, dass die Nachfrage in diesem Bereich enorm gestiegen sei. Radiatoren sowie Konvektionsheizungen, Öfen und Brennstoffe wie Holz, Gas, Pellets und Braunkohle waren sehr gefragt und einige zeitweise sogar vergriffen. Ein Markt teilte mit, dass er "derzeit etwa 50 Prozent mehr elektrische Heizgeräte als im Vorjahr" verkauft habe.

Verbraucherschützer: Mobile elektrische Heizungen nur Lösung für den Notfall

Reinhard Loch, Energie-Experte der Verbraucherzentrale NRW, weist darauf hin, dass es beim Kauf solcher Geräte um Lösungen für den Notfall gehe, etwa wenn die Gasversorgung ausfällt. Mit Blick auf die Kosten stelle der Dauerbetrieb mit elektrischen Heizungen keine günstigere Alternative dar.

Energie-Experte empfiehlt Radiator-Heizung

Wer für den Notfall vorsorgen wolle, sei mit der Radiator-Öl-Heizung am besten bedient: "Die Kombination aus Strahlungswärme und Warmluft ist das, was allgemein als am angenehmsten empfunden wird", so der Energie-Experte. Die Konvektionsheizung sowie die Heizlüfter erwärmen dagegen ausschließlich kalte Luft. Letzterer habe den Vorteil, dass er sehr klein sei und Räume wie etwa ein Bad sehr schnell erwärmen könne. Er eigne sich jedoch nicht für den Dauerbetrieb.

Heizlüfter funktionierten wie ein großer Fön und seien am günstigsten. Alle drei Geräte bieten den Vorteil, mobil und in der Nähe jeder beliebigen Steckdose einsetzbar zu sein. Dabei gebe es zwischen Radiatoren und Konvektoren "keinen Unterschied im Wirkungsgrad". Für kleine Appartements bis 40 Quadratmeter genüge ein Gerät, für größere empfiehlt Loch zwei. Mehr Geräte würde er nicht einsetzen, weil man so das Stromnetz überlasten könne.

Lange nicht genutzte Öfen unbedingt checken lassen

Während Heizpilze nur im Außenbereich sinnvoll seien, sieht der Verbraucherberater Öfen noch als gute Heizalternative. Mit Blick auf die nächste Heizperiode bringen die allerdings wohl nur etwas, wenn man schon einen besitzt und nur noch den Brennstoff benötigt. Ein rechtzeitiger Einbau bis zum Winter erscheint angesichts bestehender Lieferprobleme eher unwahrscheinlich. Beim Einbau neuer Heizungsanlagen - etwa der Wärmepumpe-Variante - sieht es ähnlich aus. Mit einem Jahr Lieferzeit müsse man rechnen, so Loch.

Wer einen lange nicht genutzten Ofen besitze und nun über eine Reaktivierung nachdenke, dem legt Loch nahe, den Schornsteinfeger unbedingt nochmal eine Kontrolle vornehmen zu lassen. Vor allem die Abgaswege müssten gecheckt werden.

Rücklagen für nächste Nebenkostenabrechnung bilden

Bei den Preisen für Heizlüfter, Radiatoren und Konvektoren bewegt man sich laut Loch zwischen 20 und 200 Euro. Ob so eine Investition sinnvoll ist, muss letztlich jeder für sich entscheiden. Mieter von Vonovia, größter Wohnungsvermieter in Deutschland, mögen gerade genau darüber nachdenken. Vonovia hat kürzlich angekündigt, nachts die Heiztemperatur begrenzen zu wollen.

Eine Ankündigung, die Hans-Jochem Witzke, Landesvorsitzender des Mieterbundes NRW, Kopfschmerzen bereitet: "Wenn sich die Menschen jetzt elektrische Heizungen kaufen, ist das Notwehr. Es ist Vorsorge und bei kranken Menschen sogar eine Frage der Fürsorge." Dabei verweist Witzke auf alte Menschen, kranke Menschen und Familien mit Säuglingen, für die Wärme eben auch nachts wichtig sei.

Finanziell wird die elektrische Überbrückungsquelle bei Heizengpässen die Bürger nicht vor einer hohen Rechnung im kommenden Jahr bewahren können. Bei Energiekosten zum zwei- bis dreifachen Preis rät Witzke Verbrauchern jetzt schon dazu, ihre Vorauszahlungen nach Absprache mit ihrem Energieversorger zu erhöhen oder zumindest selbst Rücklagen zu bilden. Denn eins ist sicher: Egal, woher die Wärme kommt, die nächste Heizperiode wird für alle teuer.

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