Lauterbach: Corona-Sommerwelle ebbt ab, angepasste Impfstoffe im Herbst

Stand: 12.08.2022, 14:57 Uhr

Bundesgesundheitsminister Lauterbach hat sich am Freitag zu Plänen für den Corona-Herbst geäußert. Man wolle vorbereitet sein - auch wenn sich die Sommerwelle günstig entwickelt.

Am Freitagvormittag hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in Berlin Fragen zur Corona-Lage beantwortet. "Wir haben eine günstige Entwicklung bei der Sommerwelle." Die Sterblichkeit gehe zurück - sei aber noch nicht dort, wo man sie gerne hätte. Bedenken müsse man auch, dass die Dunkelziffer steigt. Und: "Im Herbst wird die Lage eine andere sein." Darauf müsse man vorbereitet sein.

"Im Herbst wird die Lage eine andere sein." Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach

Angepasste Impfstoffe im Herbst

Lauterbach sagte, dass man Anfang September mit den angepassten Impfstoffen beliefert werde. Dann würde es wohl neue Impf-Empfehlungen geben.

Ältere oder vorerkrankte Menschen sollten aber nicht auf die neuen Impfstoffe warten, sagte Lauterbach. Wenn jemand jünger sei und sich impfen lassen wolle, sollte er dies mit seinem Hausarzt besprechen. Dies sei seine persönliche Position. Der Bundesgesundheitsminister betonte, dass er die derzeitigen Stiko-Empfehlungen für Impfungen teile.

Lauterbach war zuvor kritisiert worden, er würde die Ständige Impfkommission (Stiko) drängen, nach seinen Vorstellungen zu agieren. Bislang empfiehlt die Stiko nur eine vierte Impfung für Menschen ab 70 Jahren sowie Risikogruppen. Der Minister hat sich bereits für vierte Impfungen ab 60 Jahren ausgesprochen.

Lauterbach: Frischer Impfstatus schützt vor Ansteckung

Lauterbach kam zudem auf die Anpassungen im Infektionsschutz zu sprechen. Dieses habe zwei Stufen. Die erste wäre, dass die Länder ab Anfang Oktober eine Maskenpflicht in Innenräumen verhängen können. Die Pflicht könne aber aufgehoben werden - zum Beispiel in der Gastronomie, wenn ein Nachweis vorliegt über einen Test, eine Genesung oder eine vollständige frische Impfung.

Bei den Bundesländern waren diese geplanten Ausnahmen auf teils scharfe Kritik gestoßen. Sie fragten, wie der frische Impfstatus kontrolliert werden soll. Lauterbach sagte, es solle verschiedenfarbige Zertifikate in der Corona-Warnapp geben. Statt eines blauen Zertifikats hätte man mit einer frischen Impfung ein grünes. Darüber will Lauterbach nächste Woche mit den Ländern diskutieren.

Dass es Ausnahmen mit einer frischen Impfung gebe, sei möglich, da man anhand von Studien bislang davon ausgehe, dass eine frische Impfung drei Monate vor Ansteckung schütze. Aber die Impfung als solche - und der Schutz vor einer schweren Erkrankung - gelte natürlich länger.

Obergrenzen je nach Infektionsgeschehen geplant

In der 2. Stufe würden dann je Infektionsgeschehen Obergrenzen für die Anzahl von Menschen in Innenräumen geplant. Man wolle allerdings keine Grenz- oder Schwellenwerten festlegen, so Lauterbach. Darüber müsse aber mit den Ländern in der nächsten Woche diskutiert werden.

Die Test-Regelung, die man derzeit habe, würde gut funktionieren. Die Bürgertest sind nur noch für bestimmte Risikogruppen und Anlässe kostenlos. In vielen anderen Fällen wird eine Zuzahlung von drei Euro fällig. Ab Herbst soll es bundesweit wieder eine Testpflicht in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen geben. Über eine Pflicht in Schulen oder Kitas entscheiden jeweils die Länder.

Sander: Kein "Sommerloch" in Krankenhäusern

Prof. Leif Erik Sander

Leif Erik Sander

Mit in der Pressekonferenz saß der Berliner Mediziner Leif Erik Sander. RKI-Chef Lothar Wieler, der ansonsten bei den Bundespressekonferenzen an Lauterbachs Seite sitzt, ist im Urlaub. Sander erläuterte Unterschiede zu den vorangegangen Sommerwellen. Einer sei, dass man einen außergewöhnlich hohen Krankenstand in Krankenhäusern gehabt habe. Typischerweise habe man ein "Sommerloch" - dieses Jahr nicht. Das sei ein Warnzeichen für den Herbst.

Wichtig sei auch zu bedenken, dass das Virus weitere Varianten entwickeln könnte - und so den Impfschutz umgehen könnte. Corona sei daher nicht mit einer Grippe zu vergleichen. "Es ist noch kein normales Virus", so Sander. Man könne die Evolution noch nicht vorhersagen, es könnte noch große Sprünge in der Mutation des Virus geben. Dies sei ein Unterschied zur Influenza.

"Es ist noch kein normales Virus." Mediziner Leif Erik Sander

Man müsse aber weniger Angst vor dem Virus haben, da es mittlerweile gute Impfstoffe und Medikamente gäbe. Allerdings wisse man noch nicht, wie man das einschränkende und belastende Long Covid verhindern kann.

Sander lobte die Maßnahmen für den Herbst - sie alle hätten einen Effekt. Die Stiko habe zudem eine Empfehlung für die vierte Impfung für vulnerable Gruppen abgegeben, die er teile. Möglicherweise könnte die Empfehlung ausgeweitet werden.

RKI: Gipfel der Corona-Sommerwelle überschritten

Laut Wochenbericht des Robert Koch-Instituts von Donnerstagabend hat man den Gipfel der Corona-Sommerwelle überschritten. So sei unter anderem die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz rückläufig. Es hätte weniger Arzt- und Krankenhausbesuche von Infizierten gegeben. Auch die Zahl auf den Intensivstationen sei gesunken.

Trotz der verbesserten Situation in der vergangenen Woche bleibt der Infektionsdruck dem RKI zufolge in allen Altersgruppen hoch – und auch die Belastung des Gesundheitssystems. Mit Blick auf die nächsten Wochen rechnet das Institut mit einer "weiterhin hohen Zahl an Hospitalisierungen, intensivmedizinisch zu betreuenden Covid-19-Patientinnen und -Patienten und Todesfällen, insbesondere in höheren Altersgruppen". Entsprechend ruft das RKI weiter dazu auf, die Empfehlungen zum Vermeiden von Ansteckungen einzuhalten – und stellt erneut die große Wichtigkeit der Corona-Impfung heraus.

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