BKA-Einsatz gegen Reichsbürger wegen möglicher Umsturz-Pläne

04:00 Min. Verfügbar bis 07.12.2023

BKA-Razzia gegen Reichsbürger wegen möglicher Umsturz-Pläne

Stand: 07.12.2022, 18:55 Uhr

Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass eine Gruppe aus der Reichsbürger-Szene einen gewaltsamen Umsturz geplant hat. Mittlerweile wurde für mehr als die Hälfte der 25 Festgenommenen Untersuchungshaft angeordnet.

Die Gruppe soll aus einem Netzwerk aus "Reichsbürgern" und Verschwörungsideologen bestehen, zu dem nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung ein adliger Unternehmer aus Frankfurt, eine ehemalige AfD-Bundestagsabgeordnete und Richterin aus Berlin sowie mehrere ehemalige Angehörige des Kommando Spezialkräfte (KSK) und der Fallschirmjäger der Bundeswehr gehören, aber auch Ärzte und weitere Unternehmer.

Umsturzpläne aufgedeckt

Die Gruppierung soll geplant haben, die staatliche Ordnung gewaltsam zu beseitigen und mit Waffengewalt einen Umsturz herbeizuführen. Bei einer der größten Durchsuchungsaktionen der bundesdeutschen Geschichte durchsuchten ab Mittwochmorgen Einsatzkräfte mehr als 130 Häuser, Wohnungen und Büros in elf Bundesländern.

In Karlsruhe werten Ermittler jetzt die Razzien aus. Bei den Durchsuchungen haben die Beamten unterschiedlicher Behörden illegale Waffen und hohe Bargeldbeträge gefunden. Alle Beschuldigten wurden angetroffen. Bei den Festnahmen ist es nach WDR-Informationen zu keinen größeren Zwischenfällen gekommen.

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Hoffnung auf Unterstützung - auch aus Russland

Frankfurt: Polizei führt Razzia durch

Hunderte Beamte im Einsatz

Die Beschuldigten sind nach Angaben des Generalbundesanwalts davon überzeugt, dass Deutschland derzeit von Angehörigen eines "Deep States" regiert wird. Die Befreiung erhoffen sich die Mitglieder durch ein Einschreiten der "Allianz", eines technisch überlegenen Geheimbundes von Regierungen, Nachrichtendiensten und Militärs verschiedener Staaten, einschließlich der Russischen Föderation sowie der Vereinigten Staaten von Amerika.

Ein Beschuldigter soll laut Generalbundesanwalt bereits Kontakt mit Vertretern des russischen Staates in Deutschland aufgenommen haben. Bisher deute aber nichts darauf hin, dass die Ansprechpartner positiv reagiert hätten, hieß es weiter.

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Durchsuchungen auch in NRW

In NRW wurde neben einem Objekt in Petershagen im Kreis Minden-Lübbecke auch in Krefeld und im Rhein-Erft-Kreis je ein Objekt durchsucht. Auch bei einer Polizeivollzugsbeamtin hat es nach Abgaben des NRW-Innenministeriums Durchsuchungen gegeben. "Es liegen bisher keine Haftbefehle für Personen in Nordrhein-Westfalen vor", sagte ein Sprecher des Ministeriums dem WDR. Rund 50 Personen gelten nach Informationen von WDR, NDR und SZ bislang als Beschuldigte.

25 Festnahmen gemeldet

Mittlerweile haben die Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs für mehr als die Hälfte der 25 Festgenommenen auch Untersuchungshaft angeordnet. Die Festnahmen erfolgten an verschiedenen Orten in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Thüringen sowie in einem Fall in Österreich (Kitzbühel) und in Italien (Perugia). Bis spätestens Donnerstagabend müssen alle 25 Festgenommenen vor den Haftrichter. Deswegen werden die Verdächtigen gerade aus ganz Deutschland zur Bundesanwaltschaft nach Karlsruhe gebracht.

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Wohl eine der größten Razzien der Geschichte

Bundesweit rückten Polizeieinheiten, darunter GSG9-Spezialkräfte der Bundespolizei, an. Zuvor hatten das Bundeskriminalamt (BKA), mehrere Landeskriminalämter und Verfassungsschutzbehörden umfangreiche Ermittlungen geführt.

Beim BKA laufen die Ermittlungen nach Informationen von WDR, NDR und SZ unter dem Namen "Schatten". Zahlreiche Telefone wurden demnach überwacht, Personen observiert und deren Aktivitäten im Internet verfolgt.

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Lange Ermittlungen

Die Ermittlungen der Sicherheitsbehörden hatten im Frühjahr dieses Jahres nach ersten Hinweisen des Landesamtes für Verfassungsschutz in Hessen begonnen. Dort war man auf einen Adligen aufmerksam geworden: Heinrich XIII. Prinz Reuß, 71 Jahre alt, Immobilienunternehmer mit Wohnsitz in Frankfurt am Main und Gutsherr eines Jagdschlosses im ost-thüringischen Bad Lobenstein. Er gilt als Hauptbeschuldigter. Für eine Stellungnahme war er bislang nicht zu erreichen.

Über dieses Thema berichten wir am Mittwoch, 07.12.2022, laufend in unseren Fernseh- und Radiosendungen.

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