Sexueller Missbrauch im Sportverein: Auf Alarmzeichen achten

Stand: 18.08.2022, 18:04 Uhr

Der frühere Turmspringer Jan Hempel berichtet in einer ARD-Doku über sexuellen Missbrauch durch seinen Trainer. Worauf sollten Eltern achten, um Übergriffe an ihren Kindern im Sport zu verhindern?

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Vereinssport mag vielleicht vielerorts noch ein Tabuthema sein. Selten ist sie nicht. Bei einer Umfrage der Uni Wuppertal unter rund 4.400 Vereinsmitgliedern gaben Ende 2021 knapp ein Fünftel der Befragten an, im Verein ungewollte sexuelle Berührungen oder Handlungen erlebt zu haben.

"Der Vereinssport ist genauso wie andere gesellschaftliche Bereiche von Gewalt betroffen. Wir können nicht so tun, als sei der Vereinssport ein belästigungsfreier, diskriminierungsfreier, ja ausschließlich schöner Ort", erklärte damals Studienleiterin Bettina Rulofs.

Aber was können Eltern tun, um ihre Kinder wirksam vor Missbrauch zu beschützen? Das Landessportbund (LSB) NRW hat einen "Elternkompass" veröffentlicht, der Erziehungsberechtigte für das Thema sensibilisieren soll.

Es gibt kein Symptom, das eindeutig auf sexuellen Missbrauch hinweist. Aber auch wenn die meisten Mädchen und Jungen sich nicht trauen, offen über den Übergriff zu reden, gibt es Signale, bei denen Eltern aufmerksam werden sollten. Dabei handelt es sich nur um einige Beispiele - Kinder können sehr unterschiedlich auf den Missbrauch reagieren.

Auffällige Verhaltensänderung

  • Ohne ersichtlichen Grund wirkt das Kind plötzlich verschlossen oder bedrückt
  • Es erzählt nicht mehr unbefangen von seinen Erlebnissen im Verein
  • Es reagiert plötzlich nervös oder aggressiv auf alltägliche Situationen
  • Bettnässen, Schlaflosigkeit, Albträume, Selbstverletzung
  • Entwicklung einer auffällig sexuellen Sprache oder sexualisiertes Verhalten
  • Das Kind meidet plötzlich bestimmte Situationen oder Personen
  • Andeutungen, dass im Verein etwas "nicht stimmt"

Falls Kinder sich ihren Eltern anvertrauen, raten Experten dazu, die Berichte auf jeden Fall ernst zu nehmen. Es komme nur sehr selten vor, dass Kinder solche Erlebnisse frei erfinden. Eher leugneten Kinder sexualisierte Gewalt, um eine geliebte Person zu schützen - zum Beispiel einen bewunderten Trainer.

Wie geht man weiter vor?

Auch wenn nach einer solchen Enthüllung die meisten Eltern außer sich vor Zorn sein dürften, sollte man auf keinen Fall spontan oder unüberlegt handeln: Vor allem sei wichtig, so der LSB, dass die Zustimmung des Kindes über jeden wichtigen Schritt eingeholt werde. Falls das nicht geschehe, habe das in der Praxis fast immer dazu geführt, dass Kinder die Angaben verweigerten - und ohne die Aussagen des Opfers ist ein Verfahren nicht möglich.

Inzwischen gibt es ein großes Beratungsangebot für Opfer von sexualisierter Gewalt: Welche für den speziellen Fall geeignet ist, kann man zum Beispiel bei Jugendämtern oder Ärzten erfahren.

Die Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch sind lang und beginnen erst mit Vollendung des 18. Lebensjahres des Opfers. Auf jeden Fall sollten sich Eltern juristisch beraten lassen.

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