Polizeikosten - Die DFL führt ein Scheingefecht

Bremer Innensenators Mäurer für Solidaritätsfonds

Polizeikosten - Die DFL führt ein Scheingefecht

Von Matthias Wolf

Von heute bis Freitag tagt in Kiel die Innenministerkonferenz. Ein Thema: Polizei-Zusatzkosten bei Hochrisikospielen. Bremens Innensenator Mäurer will diese aus einem Solidaritätsfonds bezahlen. Die DFL hat kein Interesse. Ein Kommentar.

Die Reaktion der Deutschen Fußball-Liga kam reflexartig – kein Interesse. Am neuen Vorschlag des Bremer Innensenators Ulrich Mäurer. Er will bei der in dieser Woche stattfindenden Innenminister-Konferenz in Kiel für seinen Solidaritätsfonds in Sachen Hochrisikospiele werben. Mäurer dreht das jüngste Urteil des Bundesverwaltungsgerichts klug weiter.

Diese letzte Instanz hat klar entschieden: Die Bremer Gebührenbescheide für Polizei-Zusatzkosten bei Hochrisikospiele sind rechtens. Nun möchte er die Innenminister aller Länder ins Boot holen. Auch jener Länder, in denen der Profi-Fußball ein echter Machtfaktor ist – und viele Politiker eng verbunden sind mit ihren Klubs. Wie z.B. Bayern oder Nordrhein-Westfalen.

Die DFL will bis heute nicht über Kompromisse verhandeln. Sie fühlt sich ungerecht behandelt. Und wenn nicht alle Anzeichen täuschen, wird sie vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Weil es ums Prinzip geht. Und König Fußball keine Niederlagen akzeptieren will.

Scheingefecht

Das ist das gute Recht der DFL, auch wenn das nicht mehr als ein Scheingefecht ist. Denn die höchstrichterliche Ebene auf Verwaltungsebene hat ja bereits entschieden – und auch keine Zweifel an der Verfassungskonformität aufkommen lassen.  Das Ganze wird der DFL nicht viel bringen – wirkt so unsinnig wie Zeitspiel in einer längst verlorenen Partie. 

Für die Politik aber müssen andere Maßstäbe gelten als die eines gewinnwirtschaftlich ausgerichteten Unternehmens namens DFL, das am Fußball verdient.

Der Vorschlag von Mäurer ist unbürokratisch. Weg von Gebührenbescheiden, einem bundesweiten Flickenteppich, viel, viel Verwaltung – hin zu einem Fonds, den die DFL füllt. Mit 35 Millionen pro Saison. Die tatsächlichen Personalkosten für Polizeieinsätze in der ersten und zweiten Liga liegen übrigens bei etwa 150 Millionen jährlich. Das heißt, der Staat leistet insgesamt schon viel für den Fußball – die DFL müsste sich nur ein wenig beteiligen.

Fond für alle Bundesländer

Aus diesem Solidaritätsfonds könnten alle Bundesländer mit Risikospielen bedacht werden. Dafür würde Bremen seine Gebührenordnung wieder ändern, sogar auf Millionen verzichten, die die DFL nach jetzigem Stand an das kleine, hochverschuldete Land zahlen müsste. Mäurer will damit jene zwölf Bundesländer überzeugen, die unentschlossen sind – oder sich bisher klar gegen Gebührenbescheide für Hochrisikospiele ausgesprochen haben.

So wie das größte Fußball-Land Nordrhein-Westfalen.  NRW würde aus diesem Fonds rund zehn Millionen Euro erhalten. Kann sich NRW leisten, auf dieses Geld zu verzichten? Zur Erinnerung: Laut repräsentativer Umfrage sind neun von zehn Steuerzahlern dafür, dass die DFL und die Vereine sich an den Mehrkosten für Hochrisikospiele beteiligen sollen. Solche Spiele sind wie ein brodelnder Kessel, der explodiert, wenn die Staatsmacht nicht präsent ist. Mit diesen Emotionen verdienen die Vereine und die DFL viel Geld – aber die Risiken und Nebenwirkungen wollen sie dem Steuerzahler aufbürden.

Wenn sich nun einzelne Länder der von Mäurer geplanten Arbeitsgruppe zum Solidaritätsfonds verweigern würden – es wäre ein Schlag ins Gesicht der Steuerzahler. Weiter schmollen – das darf nur die DFL. Politiker müssen die Fakten sehen – zum Wohle der Bürger und Steuerzahler.

Stand: 11.06.2019, 15:45