28. Februar 2009 - Vor 40 Jahren: Letzter Markttag in den Pariser Hallen

Stichtag

28. Februar 2009 - Vor 40 Jahren: Letzter Markttag in den Pariser Hallen

Auch am 28. Februar 1969 beginnt der Arbeitstag im Pariser Hallenviertel mitten in der Nacht, mit der Anlieferung der Marktwaren. Am Tag fließt dann in den Markthallen der Alkohol in Strömen. Trauer und Melancholie kann er nicht vertreiben. Denn die Markthallen mitten in der Stadt haben zum letzten Mal geöffnet. Auf Anweisung der Regierung müssen sie umziehen - in ein umzäuntes Betonreservat, größer als Monaco, in der südlichen Vorstadt Rungis. "Die Markthallen verschwinden zu sehen, heißt für Paris, ein wenig zu sterben", sagt der Filmregisseur René Clair.

Die Markthallen befinden sich seit 800 Jahren im Zentrum der Stadt. Als Victor Baltard von 1852 bis 1870 die gusseisernen Pavillons errichtet, empfinden die Bürger sie als hypermodern. Emilé Zola nennt "Les Halles " den "Bauch von Paris" und vergleicht sie in seinem gleichnamigen Roman mit "einer modernen Maschine außerhalb jeden Maßstabs, einer Dampfmaschine, einem Heizkessel, bestimmt zur Verdauung des Volkes." In diesem Bauch wirken Metzger, werden Fische ausgenommen, hier leben Hühner und Enten und das Gemüse liegt zu Pyramiden aufgeschichtet. Je älter die Hallen werden, desto mehr machen sie Chansonniers, Schriftsteller, Fotografen, Filmemacher und Maler zu einem Mythos. Die Hallen ziehen nicht nur die Händler an, sondern auch den Straßenstrich und die Clochards. Die leben oft von den Resten, die nicht mehr verkauft werden können.

In den 1960er Jahren sind die Hallen zu klein geworden für den Bedarf der Metropole. Außerdem bedeuten sie für ihre Gegner Verkehrschaos und Rattenplage. Dass sich während der Unruhen im Mai 1968 zahlreiche Demonstranten in die unkontrollierbaren Gebäude flüchten, macht sie für die Regierenden noch suspekter. So wird der sogenannte "Louvre des Volkes" gegen alle Proteste nach seiner Schließung sogar abgerissen. 1979 eröffnet hier das "Forum des Halles", eine riesige unterirdische Konsumzone über dem größten Verkehrsknotenpunkt der Metro. In der nahe gelegenen Kirche Saint-Eustache zeigt eine Skulptur den Schock des 28. Februar 1969: Mit Gemüsekisten auf dem Rücken verlassen dort die Händler ihre Hallen - für immer.

Stand: 28.02.09