09. Oktober 2008 - Vor 5 Jahren: Tod von Eierlikör-Fabrikant Viktor Verpoorten

Stichtag

09. Oktober 2008 - Vor 5 Jahren: Tod von Eierlikör-Fabrikant Viktor Verpoorten

Niederländische Eroberer machen Anfang des 17. Jahrhundert in Südamerika eine wohlschmeckende Entdeckung: Haben die Indios der Tupi-Guarani-Stämme etwas zu feiern, darf ein köstlicher Schnaps aus dem gelben, butterweichen Fruchtfleisch der Avocado-Frucht nicht fehlen. Die Kolonialfahrer verfeinern diesen „Abacate“ mit Zucker und Rum und importieren ihn samt Avocado-Frucht in ihre Heimat. Weil aber die Pflanze im kühlen Europa nicht gedeiht, ersetzt ein findiger Flame die Eierfrucht durch Eigelb und erfindet so den „Advocaat“. 1876 dann steigt ein Antwerpener Destilleur namens Eugen Verpoorten in das Geschäft mit dem Likör ein und gründet in Heinsberg bei Aachen seine eigene Eierlikör-Destille. 80 Jahre und vier Generationen später setzt Viktor Verpoorten zur Eroberung des Likörmarktes an. Innerhalb weniger Jahre macht er das ererbte Unternehmen zum größten Eierlikör-Hersteller der Welt.

Geboren wird der Urenkel von Firmengründer Eugen Verpoorten am 3. Juni 1922 in Berlin. Dorthin hat sein Vater Willi das Unternehmen nach der Besetzung des Rheinlandes verlegt. Während Viktor als Soldat im Zweiten Weltkrieg kämpft, quartiert seine Mutter Elly die Eierlikörproduktion von der Hauptstadt ins bayerische Straubing um. Getreu der alten Wilhelm-Busch-Devise „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“ wollen die Deutschen auch in den harten Kriegsjahren auf das süße Gemisch aus Dotter, Zucker und Alkohol nicht verzichten. Sogar das Deutsche Rote Kreuz bezieht monatlich einige tausend Liter von Verpoortens Eierlikör. 1952 steigt der inzwischen 30-jährige Viktor in den elterlichen Betrieb ein. Weil die Frachtwege vom abgelegenen Straubing aus zu lang sind, verlegt der Junior den Firmensitz erneut und zwar in die Mitte der Republik, nach Bonn.

An Verpoortens Aufstieg zum Weltmarktführer nicht ganz unbeteiligt ist eine gewisse Dame namens Maria. Anfang der 60er Jahre wird eine Lied des französischen Filmkomponisten Paul Misraki zum Gassenhauer: „Ay, ay, ay, Maria, Maria aus Bahia“. Auf diese Melodie textet Viktor Verpoorten einen genialen Werbeslogan, den bis heute jedes Kind mitsingen kann: „Ei, ei, ei, Verpoorten, daheim und allerorten“. Durch ihn wird der Familienname zu einem der bekanntesten deutschen Markennamen. Obwohl Eierlikör im Laufe der Jahrzehnte zunehmend das Image eines Getränks für Kaffeekränzchen älterer Damen bekommt, steigt der Umsatz langsam, aber stetig weiter. Selbst den großen Salmonellen-Skandal Anfang der 90er Jahre übersteht Verpoorten unbeschadet. Rund eine Million Eier werden täglich in dem Bonner Unternehmen frisch aufgeschlagen. Viktor Verpoorten bleibt bis ins hohe Alter als Seniorchef seiner rund 100 Mitarbeiter aktiv. Seit seinem Tod am 9. Oktober 2003 führt Sohn William die Geschäfte in der fünften Generation weiter.

Stand: 09.10.08