24. Oktober 2008 - Vor 5 Jahren: Letzter Trans-Atlantik-Flug einer Concorde

Stichtag

24. Oktober 2008 - Vor 5 Jahren: Letzter Trans-Atlantik-Flug einer Concorde

Alle Warnungen im Verkehrsfunk haben nichts genutzt. Rund um den überfüllten Londoner Flughafen Heathrow stehen Tausende im Stau und starren gebannt in den Himmel. Alle wollen sie noch einmal sehen, die "Diva der Lüfte", mit ihrer nadelspitzen Nase, dem superschlanken Rumpf und den unverwechselbar geschwungenen Deltaflügeln. Um sieben Uhr Ortszeit ist die Concorde in New York zum allerletzten Start gerollt, zur Feier des Tages durch einen Schleier von blau-rot-weißen Wasserfontänen. Mit 2.200 Stundenkilometern, schneller als eine Gewehrkugel, gibt die futuristische Röhre über dem Atlantik ihre Abschiedsvorstellung. Noch einmal können Edel-Promis wie Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, New Yorks Bürgermeister Rudi Giuliani oder Schauspielerin Joan Collins den exklusiven Reiz einer Reise jenseits von Mach zwei genießen. Als die letzte noch im Dienst befindliche Concorde an jenem 24. Oktober 2003 drei Stunden nach dem Start in Heathrow aufsetzt, ist eines der aufregendsten Kapitel der Passagier-Luftfahrt endgültig abgeschlossen.

Aus wirtschaftlicher Sicht hätte der " High-Society-Jet" nie in den Himmel steigen dürfen. "Sagen Sie mir, wann die Lufthansa pleite gehen soll, und ich sage Ihnen, wie viele Concorde wir dafür brauchen", spottet Lufthansa-Chef Herbert Cullmann, als die Überschall-Passagiermaschine im April 1972 erstmals auf deutschem Boden landet. Als Export-Schlager ist der von Frankreich und Großbritannien gemeinsam entwickelte Prestige-Vogel, Dienstname Aérospatiale-BAC Concorde 101/102, von Anfang an ein totaler Misserfolg. Allein der Wartungsaufwand des schönsten Flugzeugs der Welt, das pro Minute 360 Liter Kerosin verbrennt, ist drei Mal so hoch wie bei einem Jumbojet - der zudem vier Mal so viele Passagiere befördern kann. Kein Wunder, dass die geplante Stückzahl von 250 Maschinen nicht annähernd erreicht wird. Einschließlich der Prototypen stellen Air France und British Airways  in der 28-jährigen Concorde-Ära nur 20 Exemplare in Dienst.

Den Anfang vom Ende des "fliegenden Kugelschreibers" leitet ein kleines Metallstück auf der Startbahn des Pariser Flughafens Charles de Gaulle ein. Am 23. Juli 2000 bringt es einen Reifen einer startenden Concorde zum Platzen. Die Gummifetzen durchschlagen ein Stromkabel und prallen auf die Tragfläche. Als sich austretendes Kerosin entzündet und die Triebwerke in Brand setzt, ist die Katastrophe nicht mehr zu verhindern. Nur wenige Minuten nach dem Abheben stürzt die vollbesetzte Maschine einem Feuerball gleich über einem Hotel ab und reißt 114 Menschen in den Tod. Erst 15 Monate später erhalten die technisch nachgerüsteten Jets wieder eine Starterlaubnis. Doch es ist nur ein Comeback auf Zeit. Die Wartungskosten explodieren, und immer weniger Passagiere leisten sich den Luxus, mit der eleganten Zeitmaschine um elf Uhr Ortszeit in Old Europe zu starten und bereits um halb zehn in New York  ein zweites Frühstück einnehmen zu können. Im April 2003 kündigen die Betreiber-Airlines die Einstellung des Flugbetriebs ihrer unrentablen Überschallflotte an. Die futuristische Concorde wandert ins Technik-Museum, und am Himmel herrscht wieder Normalzeit.

Stand: 24.10.08