17. Dezember 2008 - Vor 175 Jahren: Kaspar Hauser wird ermordet

Stichtag

17. Dezember 2008 - Vor 175 Jahren: Kaspar Hauser wird ermordet

Im April 1832 fährt Großherzogin Stephanie von Beauharnais mit ihrer Tochter und einer Hofdame in den Park der Orangerie von Ansbach. Aus sicherer Entfernung beobachtet sie einen jungen Mann, dann fällt sie in Ohnmacht und muss zu ihrer Kutsche zurückgebracht werden. Für die Großherzogin ist klar: Der junge Mann ist ihr Sohn, der ihr im Kindbett entrissen und im Zuge einer Erbintrige durch einen sterbenden Säugling ersetzt worden ist.

Der Mann, den die Großherzogin für den legitimen Thronfolger des Hauses Baden hält, nennt sich selbst Kaspar Hauser. Sein Lebensweg beginnt erst im Alter von 16 Jahren in Nürnberg. 1828 stolpert er gegen halb fünf Uhr nachmittags wie aus dem Nichts durch die Gassen der Stadt. In den Händen hält er zwei Briefe, die seinen Findern verkünden, er habe seit seiner Geburt in einem dunklen Verlies gelebt. In Verhören durch den Magistrat der Stadt gibt er in holpriger Sprache an, als einziges Spielzeug ein Holzpferd besessen und seine Bewacher nie zu Gesicht bekommen zu haben. Der Magistrat sperrt Hauser zunächst für sieben Wochen in den städtischen Turm. Gewöhnt an einen engen Kerker fühlt er sich dort offenbar wohl. Die Wärter stellen fest, dass er außer Wasser und Brot jegliche Nahrung verweigert, Licht und Geräusche irritieren ihn. Ärzte attestieren weiche Fußsohlen wie bei einem Säugling.Später kommt Hauser in die Obhut des Gerichtspräsidenten Johann Anselm von Feuerbach, der versucht, ihn von der Neugierde der Zeitgenossen abzuschirmen. Trotzdem sehnt sich Hauser, wie Feuerbach notiert, nach seinem Peiniger von damals im Verlies zurück. "Zuhaus in seinem Loch, so äußerte er, habe er niemals so viele Schmerzen in seinem Kopf gehabt und man habe ihn niemals so gequält wie jetzt auf der Welt. Er ist ein zartes Bäumchen, dem man die Krone genommen."

Auch Feuerbach vermutet, dass Hauser mit Inrigen und rätselhaften Mordfällen im Hause Baden in Zusammenhang steht: Hier hatte der Tod aller sieben männlichen Erbfolge-Berechtigten des Zähringer-Geschlechts den Weg für den Sohn der intriganten Gräfin von Hochberg frei gemacht. Bevor der Gerichtspräsident Beweise für seine These sammeln kann, kommt auch er ums Leben. Im Oktober 1829 wird auf Hauser im Haus des Lehrers Daumer, nunmehr sein Vormund, ebenfalls ein Attentat verübt. Drei Jahre später lockt ihn ein Mann in den Hofgarten und sticht ihn nieder.Am 17. Dezember 1833 erliegt Kaspar Hauser seinen Verletzungen. Ein Gen-Test in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts sowie Haar- und Schweißproben im Jahr 2002 bringen keine Klarheit, ob es sich bei ihm um einen Nachkommen der Großherzogin Stephanie von Beauharnais gehandelt haben könnte. So behält bis auf weiteres jener Spruch Gültigkeit, der am Tatort im Ansbacher Hofgarten auf einem Denkmal steht: "Hic occultus occulto occisius est" - "Hier wurde ein Geheimnisvoller auf geheimnisvolle Weise umgebracht".

Stand: 17.12.08