26. März 1971 – Proklamation der Unabhängigkeit Bangladeschs

Die Nationalflagge von Bangladesch

26. März 1971 – Proklamation der Unabhängigkeit Bangladeschs

1947 wird Britisch-Indien unabhängig. Parallel dazu kommt es zu religiösen Unruhen. Denn auf dem Territorium gibt es ein vorwiegend von Hindus bewohntes Gebiet, das dem heutigen Indien entspricht, und ein mehrheitlich von Muslimen besiedeltes Territorium: Pakistan.

Pakistan wiederum ist nicht nur geografisch, sondern auch durch Sprache und Kultur in Ost und West getrennt. Aus Ostpakistan wird schließlich Bangladesch.

Bangladesch, Unabhängigkeitsproklamation (am 26.03.1971)

WDR 2 Stichtag 26.03.2021 04:16 Min. Verfügbar bis 24.03.2031 WDR 2


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Der Westen marschiert ein

Vor allem die bengalisch sprechenden Menschen in Ostpakistan fühlen sich mit der künstlichen Allianz zunehmend unwohl. Das Gebiet werde ausgebeutet und das dort erwirtschaftete Geld für den Westen ausgegeben, lautet der Vorwurf. Auch von Kulturimperialismus ist die Rede.

Bei den Wahlen Ende 1970 gewinnt die ostpakistanische Awami-Liga um Scheich Mujibur Rahman die Mehrheit im Parlament. Das will das dominante Westpakistan nicht hinnehmen und marschiert in Ostpakistan ein. Der sogenannte Bangladesch-Krieg bricht aus. Daraufhin erklärt Rahman das Land am 26. März 1971 mit einer Proklamation im Radio für unabhängig. Bangladesch – "Land der Bengalen" – soll der neue Staat nun heißen.

Ein blutiger Bürgerkrieg

Was folgt, ist ein blutiger, von der internationalen Presse verfolgter Bürgerkrieg. In Bangladesch sollen nach Angaben der Behörden drei Millionen Menschen ermordet und bis zu 400.000 Frauen vergewaltigt worden sein. Nach neun Monaten schaltet sich Indien militärisch in den Konflikt ein und bestätigt die Unabhängigkeit des Landes. Unter Scheich Rahman bekommt Bangladesch eine säkulare Verfassung – auch, um es vom islamischen Pakistan abzusetzen. Und als Reaktion darauf, dass die islamischen Führer mit der pakistanischen Armee zusammengearbeitet haben.

Schon wenige Jahre später allerdings übernehmen islamfreundlichere Parteien die Macht in Bangladesch. Ehemalige Kollaborateure und Kriegsverbrecher gewinnen wieder an Einfluss. Die eigene Geschichte holt Bangladesch schließlich ein. Als 2013 ein islamischer Politiker wegen Kriegsverbrechen verurteilt wird, eskaliert die Situation.

Zwar können sich die säkularen Kräfte dabei sogar mit der Forderung nach einem Verbot der größten islamischen Partei des Landes durchsetzen; aber die Islamisten rächen sich, indem sie viele ihrer Gegner ermorden. Heute ist der Einfluss dieser religiösen Kräfte abgeschwächt, ein wirtschaftlicher Aufschwung Bangladeschs hat eingesetzt. Aber der Konflikt zwischen den Parteien und Weltanschauungen brodelt unterschwellig weiter.

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Stand: 26.03.2021, 00:00