14. August 2007 - Vor 60 Jahren: Indien und Pakistan werden unabhängig

Landkarte zeigt Indien  und Pakistan

Stichtag

14. August 2007 - Vor 60 Jahren: Indien und Pakistan werden unabhängig

Im Juni 1947 steht Lord Louis Mountbatten, Vizekönig von Indien, vor einer schweren historischen Pflicht. Heftige blutige Kämpfe zwischen Hindus und Muslimen im Norden Indiens haben in den Jahren zuvor den ganzen Subkontinent in ein Pulverfass verwandelt. Das British Empire  ist nicht mehr Herr der Lage. Via Rundfunk verkündet Mountbatten dem indischen Volk das Eingeständnis der eigenen Machtlosigkeit und die baldige Entlassung in die Unabhängigkeit, allerdings mit einem für die Zukunft folgenschweren Zusatz: "Zu meinem tiefen Bedauern war es jedoch unmöglich, eine Übereinkunft zu erzielen, welche die Einheit Indiens bewahrt hätte. …Die einzige Alternative zu Zwang ist: Teilung."

Über Jahrhunderte haben muslimische Großmoguln den indischen Subkontinent beherrscht. Die große Mehrheit der Bevölkerung bleibt dem Hinduismus treu und beugt sich der islamischen Vormacht. 1865 vertreiben die Briten den letzten der in märchenhaftem Pomp lebenden Mogulkaiser und beenden die Hegemonie, die Vormachtstellung der Muslime. Der Kaiser von Indien residiert fortan in London. Befreit von islamischer Bevormundung bilden die Hindus ein neues Selbstbewusstsein aus. 1885 gründen sie den Indischen Nationalkongress, der den politischen Kampf mit der britischen Kolonialverwaltung aufnimmt. Hindus und Muslime entwickeln allerdings derart unterschiedliche Pläne für ein unabhängiges Indien, dass die Muslime 1906 ihre eigene Partei gründen, die Muslim-Liga.

Im Nationalkongress steigt der Hindu Mahatma Gandhi zum charismatischen Führer auf. Mit gewaltlosem Widerstand ringt er gegen Briten und Muslime um die Verwirklichung eines unabhängigen und ungeteilten Indien. Für Muhammad Ali Jinnah an der Spitze der Muslim-Liga dagegen ist ein Leben unter hinduistischer Herrschaft undenkbar. Seit den 40er Jahren kämpft der aristokratisch wirkende Religionsführer für einen souveränen Islam-Staat an der Nordwestflanke Indiens. Wenige Wochen nach Mountbattans Rückzugserklärung im Radio zettelt Jinnah in Kalkutta Massaker zwischen den Religionsgruppen an.
Die folgenden schweren Unruhen im ganzen Land bringen ihm den gewünschten Erfolg und zerstören Gandhis Einheitstraum. In der Nacht vom 14. zum 15. August 1947 wird die Unabhängigkeit Indiens und des muslimischen Staates Pakistan Wirklichkeit. Während der folgenden beiderseitigen ethnischen Säuberungsaktionen kommt es zu unvorstellbaren Massakern. Strittig bleibt die Frage der Herrschaft im früheren Fürstenstaat Kaschmir, die bis zum heutigen Tag das angespannte Verhältnis der beiden zu Atomstaaten hochgerüsteten Nachbarn zusätzlich belastet.

Stand: 14.08.07