12. März 1893 - MEZ wird im Deutschen Reich eingeführt

Karte mit den Zeitzonen der Erde

12. März 1893 - MEZ wird im Deutschen Reich eingeführt

Bis weit ins 19. Jahrhundert bestimmt die Sonne den Tagesrhythmus der meisten Menschen: Mittag ist, wenn die Sonne im Zenit am Himmel steht. Da sie aber von Ost nach West wandert, hat jeder Ort seine eigene Zeit. In Köln etwa läuten die Mittagsglocken der Kirchen rund 26 Minuten später als in Berlin.

So lange niemand schneller reist als zu Pferd, spielt das keine Rolle. Doch mit der Eisenbahn kommen die Fahrpläne, und einheitliche Zeitangaben werden zum Problem. Der Eisenbahnhistoriker Reiner Mertens hat noch heute Mitleid mit den Fahrplantüftlern von damals: "Die mussten gut rechnen können. Es gab bis zu sieben Zeitzonen, die nach dem örtlichem Sonnenstand berechnet wurden.“

Reichsgesetz führt Mitteleuropäische Zeit ein (am 12.03.1893)

WDR 2 Stichtag 12.03.2018 04:15 Min. Verfügbar bis 09.03.2028 WDR 2

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Uhren-Wirrwarr am Bahnhof

Fahrpläne können also stark von der Ortszeit abweichen, da die Abfahrtszeiten nach dem Startort der Züge berechnet werden. Der Zug aus Prag fährt nach Prager, der aus Hamburg nach Hamburger Zeit. In Köln dampft der 9--Uhr-Zug aus München pünktlich los, obwohl die Bahnhofsuhr erst 8.40 Uhr anzeigt.

historische Abbildung eines Bahnsteigs mit einer Bahnhofsuhr

Bahnreisen Anno dazumal: Knobelei mit Abfahrtszeiten

Zur Orientierung der Reisenden hängen in Bahnhöfen meist mehrere Uhren mit verschiedenen Ortszeiten. Schaffner haben noch eine eigene Uhr, die eine nach Berliner Zeit ausgerichtete Bahn-Zeit anzeigt. Um das Wirrwarr zu beenden, stimmen die deutschen Bahnunternehmen 1891 ihre Fahrpläne einheitlich auf die sogenannte Mitteleuropäische Zeit (MEZ) ab.

Am 12. März 1893 legt das "Gesetz betreffend die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung“ fest, dass diese Uhrzeit auch außerhalb des Bahnverkehrs Gültigkeit hat: "Zufolge des Reichsgesetzes vom 12. März ist vom ersten April an die gesetzliche Zeit in Deutschland die mittlere Sonnenzeit des fünfzehnten Längengrads östlich von Greenwich.“

Europa tickt im Gleichtakt

Der 15. Grad östlicher Länge verläuft mitten durch das Reichsgebiet. Das erstreckt sich über 17 Längengrade. In vier Minuten wandert die Sonne von einem Längengrad zum nächsten; zwischen der damaligen Ost- und Westgrenze liegen also rund 68 Minuten.

So müssen die Deutschen ihre Uhren nun maximal um etwa eine halbe Stunde vor- oder zurückstellen, um nach der neuen Mitteleuropäischen Zeit zu leben. Andere europäische Staaten richten ihre Zeit ebenfalls nach dem 15. Längengrad aus, und so tickt bald fast der ganze Kontinent nach der Mitteleuropäischen Zeit.

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