1. Januar 1972 - Die Koordinierte Weltzeit UTC wird eingeführt

Uhren mit der aktuellen Zeit aus verschiedenen Zeitzonen in einer Lounge der Lufthansa am Frankfurter Flughafen

Stichtag

1. Januar 1972 - Die Koordinierte Weltzeit UTC wird eingeführt

Schuld sind die Atomuhren. Die beiden Cäsium-Atom-Uhren in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig zum Beispiel gehen höchstens eine Sekunde in 30 Millionen Jahren falsch, das entspricht einer Millionstel Sekunde eines Menschenlebens. Das ist genauer als es eine Pendel- oder Quarzuhr jemals sein kann, zu genau. Die Atomuhren räumen der Erde 86.400 Sekunden für eine Umdrehung ein. Doch die Rotation der Erde verändert sich im Rhythmus der Jahreszeiten, durch Eisschmelze an den Polen, durch Masseverlagerungen im Erdmantel, durch Verschiebung kontinentaler Platten, und schließlich die Schwerkraft des Mondes. All dies bremst die Erde aus: Sie dreht sich rund alle 18 Monate eine Sekunde langsamer um sich selbst - im Mittel der letzten 50 Jahre. Die Erde geht nach. Damit die Atomuhren, die sich nicht nach der Erde, sondern nach einer Resonanzfrequenz im Cäsium-Atom richten, also nicht genauer sind als die astronomische Zeit, fügen Wissenschaftler seit 1972 hin und wieder Schaltsekunden ein. Atomzeit plus Schaltsekunden ergeben die Koordinierte Weltzeit, auch "Universal Time Coordinated", kurz UTC genannt. Die Schaltsekunden sind – wie die Schaltjahre alle vier Jahre – nötig, damit die menschengemachte Zeit im Takt bleibt mit der Natur.

Die PTB macht die gesetzliche Zeit für Deutschland

"Das UTC-System gibt es seit dem 1. Januar 1972. Damals betrug der Unterschied zwischen Atomzeit und erdbezogener Zeit schon zehn Sekunden. Nach einem halben Jahr fügte man die erste Schaltsekunde ein und dann in der Folge 24 Mal bis zum heutigen Tag", erklärt Andreas Bauch vom Zeitlabor der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig, die in Deutschland über Maßeinheiten und Messinstrumente aller Art wacht. Die Anstalt führt in Deutschland die vom IERS, dem "Internationalen Erdrotations-Service", festgelegten Schaltsekunden ein. Andreas Bauch: "Wir machen die gesetzliche Zeit für unser Land und betreiben zu diesem Zweck elf Atomuhren." Von Mainflingen bei Frankfurt am Main sendet die Anstalt das Zeitzeichen aus, das die Funkuhren in Deutschland und Europa steuert. Auch Telekom-Unternehmen übernehmen die UTC, und Astronomen richten nach ihr die Teleskope aus.

Weltzeit aus 300 Atomuhren

Die PTB-Atom-Uhren vertreten Deutschland beim "Internationalen Büro für Maße und Gewichte" in Sèvres bei Paris; diese Zeitzentrale koordiniert die Weltzeit UTC. "Weltweit gibt es etwa 70 Institute, die sich mit der Zeit befassen, und wir alle vergleichen unsere Uhren permanent miteinander. Aus diesem Konglomerat aller Atomuhren, insgesamt 300, entsteht in mehreren Schritten die UTC", erklärt Bauch. Zum Jahreswechsel 2011 auf 2012 mussten die Zeitwächter bei der PTB übrigens nicht tätig werden: Die nächste Schaltsekunde bauen sie wahrscheinlich zum 30. Juni des Jahres 2012 ein. Doch trotz präzisester Messung bleibt die Zeit ein Geheimnis, wie Michael Ende in seinem Buch "Momo" schreibt. "Es gibt Kalender und Uhren, um sie zu messen, aber das will wenig besagen, denn jeder weiß, dass einem eine einzige Stunde wie eine Ewigkeit vorkommen kann, mitunter kann sie aber auch wie ein Augenblick vergehen – je nachdem, was man in dieser Stunde erlebt. Denn Zeit ist das Leben. Und das Leben wohnt im Herzen."

Stand: 01.01.2012

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