1. Februar 1394 - Geburtstag von Ikkyū Sōjun, Schöpfer der Teezeremonie

Porträt von Ikkyū Sōjun von seinem Schüler Bokusai

1. Februar 1394 - Geburtstag von Ikkyū Sōjun, Schöpfer der Teezeremonie

In Japan stünde der gusseiserne Kessel auf glühenden Kohlen. "Ich muss tricksen, denn es ist mir hier im öffentlichen Raum untersagt, mit Feuer zu arbeiten", sagt Tan Kutay, der in Berlin ein Teegeschäft hat und die japanische Teezeremonie praktiziert.

Die Szenerie wirkt durchkomponiert: In der Mitte steht der Wasserkessel, seitlich davon eine Dose mit Teepulver, gemahlenem grünen Tee. Schräg davon, in Richtung Mattenrand, befindet sich ein Kaltwassergefäß aus Keramik. "Als Ausübender bin ich in der Zeremonie wie ein Motor, der durch meinen Atem dieses Stilleben bewegt", erklärt der Teemeister.

Ikkyu Sojun (japan.Tee-Zeremonie) Geburtstag 01.02.1394

WDR 2 Stichtag 01.02.2019 04:17 Min. Verfügbar bis 29.01.2029 WDR 2

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Teezeremonie als Weg zur Erleuchtung

In der japanischen Kultur gilt die Teezeremonie neben der Kalligraphie und der Kunst des Blumenarrangements als ein Weg, den Zen-Buddhismus zu praktizieren. Die Zeremonie soll dabei helfen, ganz im Augenblick zu sein, nicht zu hadern, nicht vorauszuplanen, nicht andere zu beneiden.

"Setz' dich sechs Jahre vor eine Wand, bis dein Ich wie Kerzenwachs dahinschmilzt", hat Ikkyū Sōjun erklärt, Zen-Meister und einer der Begründer der Teezeremonie. Geboren wurde er am 1. Februar 1394.

Der Mönch aus dem Freudenhaus

In Japan kennt ihn jedes Kind aus der bekannten Zeichentrickserie "Ikkyū-san". Denn Ikkyū war kein gewöhnlicher Mönch. "Wenn ihr mich treffen wollt, sucht mich in der Kneipe, beim Fischhändler oder im Freudenhaus", schrieb er.

Die Ränkespiele im Kloster oder auch Mönche, die meinten, nur sie allein könnten zur Erleuchtung gelangen, waren ihm zuwider. "Dieser Steinbuddha verdient all die Vogelscheiße, die er abbekommt!", sagte er an anderer Stelle.

Stattdessen spricht er, neben dem Tee, dem Sake zu, dem japanischen Reiswein. Er schläft sich durch viele Betten, denn dies sei der Erleuchtung zuträglich. Und er hinterlässt der Nachwelt deftige Gedichte. "Zögere nicht, lass dich flachlegen! Ich habe es aufgegeben, das Feuer in meinem Körper zu löschen."

Tee darf geschlürft werden

Und genau dieser wilde Mönch gilt als Urahn der Teezeremonie. "Tee war damals eine Kostbarkeit. Eine Einladung zum Tee war eine große Ehrerweisung", sagt Tan Kutay.

Die Teezeremonie fördert also nicht nur die Meditation, sondern auch die Geselligkeit. Und der Gast ist dabei König. Vor den Augen des Gastes macht der Gastgeber die Teeschale noch einmal sauber, ebenso wie den Teebesen. Mit dem Besen wird dann das Teepulver im heißen Wasser aufgeschlagen.

Der Tee dürfe und müsse übrigens geschlürft werden, sagt Tan Kutay. "Weil man den Tee dann besser schmeckt."

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