3. Februar 1989 - Todestag von John Cassavetes

Filmszene aus "Rosemaries Baby" mit John Cassavates und Mia Farrow

3. Februar 1989 - Todestag von John Cassavetes

John Cassavetes ist einer der ungewöhnlichsten Kinoautoren der 1960er und 70er Jahre - und einer der geistigen Väter des unabhängigen amerikanischen Films. Trotzdem ist er hierzulande fast unbekannt.

Roman Polanskis Meisterwerk "Rosemaries Baby" (1968) gilt als einer der subtilsten Horrorfilme aller Zeiten. Die Geschichte einer von Mia Farrow gespielten Frau, die die Ausgeburt Satans zur Welt bringt, nachdem ihr Ehemann einen Pakt mit dem Teufel eingegangen ist, spielt rund das Zehnfache seiner Produktionskosten ein.

Gespielt wird der Ehemann von John Cassavetes.

John Cassavetes, US-Schauspieler (Todestag 03.02.1989)

WDR 2 Stichtag | 03.02.2019 | 04:15 Min.

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In der Taubstummenschule

Geboren wird Cassavetes als Sohn griechischer Einwanderer 1929 in New York. Mit 17 verpflichtet sich Cassavetes für sechs Jahre bei der US-Army und studiert danach an der Academy of Dramatic Arts.

Nach dem Abschluss hat er Glück, also Erfolg: Während viele seiner ehemaligen Kommilitonen am Hungertuch nagen, kann Cassavetes von seinen Engagements leben. 1955 ist er erstmals in "Die Nacht ist voller Schrecken" zu sehen.

Um befreundeten Schauspielern Arbeit zu verschaffen, mietet Cassavetes für ein jahr ein kleines Theater: Regisseure und Produzenten sollen die dort zusammengetrommelte Truppe in experimentellen Workshops entdecken können. Der Plan scheitert. Aber Cassavetes gibt nicht auf.

Ohne von technischen Dingen Ahnung zu haben, dreht er improvisiert mit anderen den Film "Schatten" (1959). Weil der Ton misslingt, geht er in die Taubstummenschule, wo man den Sprechern ihren Text von den Lippen abliest. So kann "Schatten" schließlich nachsynchronisiert werden.

Vater des Independent-Films

In Venedig gewinnt "Schatten" den Kritikerpreis der Filmfestspiele. Hollywood wird auf Cassavetes aufmerksam. Die beiden Folgeprojekte aber setzt er in den Sand: "Ich bin unfähig, für ein großes System zu arbeiten. Ich bin zu unabhängig. Ich will nur tun, was ich will und was niemand sonst will."

Als Akteur in Filmen wie "Das dreckige Dutzend" (1967) bleibt er Hollywood aber treu: Damit finanziert er seine Regiearbeiten wie "Die Ermordung eines chinesischen Buchmachers" (1976)  – und wird so zum geistigen Vater des unabhängigen amerikanischen Films.

Bisweilen ist Cassavetes Regisseur und Darsteller in Personalunion – wie in "Minie und Miskowitz" (1971) oder in der Columbo-Folge "Etude in Schwarz". Oft spielt er dann mit den früheren Kollegen von der Schauspielschule wie Ben Gazzera oder Peter Falk zusammen.

Oder mit seiner Frau Gena Rowlands, die er 1954 heiratet und mit der er drei Kinder hat. Cassavetes stirbt am 3. Februar 1989 in Los Angeles. Er wird nur 59 Jahre alt.

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