23. Mai 1927 - Dieter Hildebrandt wird geboren

Dieter Hildebrandt

23. Mai 1927 - Dieter Hildebrandt wird geboren

"Ich werde nicht aufhören, darauf hinzuweisen, dass diese Republik nicht unbeschadet stehen bleiben wird, wenn man nicht etwas für sie tut." Über ein halbes Jahrhundert klopft der Kabarettist Dieter Hildebrandt den Mächtigen auf die Finger. Mit scharfem Verstand und spitzer Zunge zeigt er immer wieder Fehlentwicklungen, politischen Irrsinn und wirtschaftliche Skrupellosigkeit in der Bundesrepublik auf.

Geboren wird Dieter Hildebrandt am 23. Mai 1927 in der niederschlesischen Stadt Bunzlau. Den Zweiten Weltkrieg erlebt er zunächst als Schüler, dann als Flakhelfer und schließlich bei der Wehrmacht: "Neben mir ist ein Freund von mir mit einem Kopfschuss umgefallen und war tot." Den Befehl eines Vorgesetzten, den Gefallenen wegzutragen, hält er für sinnlos. Denn dieser wird gar nicht begraben. Solche Erlebnisse prägen Hildebrandt: "Ein Befehl, das ist etwas, was ich in meinem Leben heute nicht mehr ertragen kann."

Werner Finck als Vorbild

Im Sommer 1945 wird Hildebrandt aus alliierter Gefangenschaft entlassen, holt das Abitur nach und studiert in München Theaterwissenschaften und Literatur. Er jobbt als Platzanweiser im Kabarett des Satirikers Werner Finck, der zu seinem Vorbild wird. Von ihm lernt Hildebrandt die Kunst des bewussten Stotterns und Verstolperns. Die Zuhörer müssen sich die Pointe selbst erschließen.

1956 gründet Hildebrandt gemeinsam mit seinem Freund Sammy Drechsel die "Münchner Lach- und Schießgesellschaft". Das Fernsehen macht das Ensemble mit der Silvestersendung "Schimpf vor zwölf" rasch bekannt. Für Hildebrandt bleibt das Fernsehen jahrzehntelang das wichtigste Medium. Erst spottet er im ZDF, als dem seine "Notizen aus der Provinz" zu frech werden, wechselt er zur ARD. Für seinen "Scheibenwischer" besteht er beim verantwortlichen "Sender Freies Berlin" auf absoluter inhaltlicher Freiheit.

"Scheibenwischer" ärgert Bayern

Legendär ist die "Scheibenwischer"-Sendung 1982 zum Ausbau des Main-Donau-Kanals, einem Projekt der bayerischen Landesregierung. Im Gespräch mit dem Kabarettisten Gerhard Polt kritisiert Hildebrandt darin, die geplante Kanalführung zerschneide das unter Naturschutz stehende Altmühltal. Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU) nennt ihn daraufhin einen politischen Giftmischer.

Vier Jahre später schaltet sich der Bayerische Rundfunk sogar aus dem Gemeinschaftsprogramm der ARD aus, als Hildebrandt nach der Tschernobyl-Katastrophe die bundesdeutsche Atompolitik vornimmt. Trotzdem ist der "Scheibenwischer" mit ihm als Haupdarsteller 23 Jahre lang fester Bestandteil des ersten Fernsehprogramms.

Termine über den Tod hinaus

Hildebrandt ist nicht nur Kabarettist. Er spielt in der Münchner Schicki-Micki-TV-Serie "Kir Royal" und in etlichen Gerhard-Polt-Filmen mit. Nach seinem Fernsehausstieg eröffnet Hildebrandt einen Internetsender und schreibt Bücher. Mit denen geht er - inzwischen über 80 Jahre alt - auf Lesetour.

Eine Botschaft für sein Publikum hat er bis zuletzt dabei: "Ich sage Ihnen immer wieder: Lasst euch nichts gefallen!" Am 20. November 2013 stirbt Dieter Hildebrandt im Alter von 86 Jahren in München. Er ist noch voller Pläne, sein Terminkalender für das folgende Jahr ist bereits gut gefüllt.

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 23. Mai 2017 ebenfalls an Dieter Hildebrandt. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 23.05.2017, 00:00