06. Mai 2010 - Vor 85 Jahren: Hanns Dieter Hüsch in Moers geboren

Stichtag

06. Mai 2010 - Vor 85 Jahren: Hanns Dieter Hüsch in Moers geboren

Der Niederrheiner weiß nichts, kann aber alles erklären. Wenn man ihm aber etwas erklären will, steht er meistens auf dem Schlauch. Und wenn er lange weg war von zu Hause und mit Mantel und Koffer wieder im Flur steht, dann ist die erste Frage seiner Frau nicht, wie die Fahrt gewesen sei, sondern: "Weißte, wer gestorben ist?" So jedenfalls sieht es Hanns Dieter Hüsch, der dem Niederrheiner in seinen Kabarettprogrammen immer wieder aufs Maul geschaut hat.

Kabarett und "Dick und Doof"

Geboren wird Hüsch am 6. Mai 1925 als Sohn eines Verwaltungsbeamten in Moers. Seine Füße sind bei der Geburt nach hinten verdreht, weshalb er nicht mit den Kindern draußen herumtollen kann; bis zu seinem 14. Lebensjahr muss er sich zahlreichen Operationen unterziehen. Statt mit Gleichaltrigen zu spielen, lauscht er den Geschichten der Tanten und Onkel am Küchentisch. Nach dem Abitur folgt er dem Wunsch des Vaters und studiert in Gießen Medizin, wechselt dann aber 1948 zu Theaterwissenschaften, Literaturgeschichte und Philosophie. Da hat er unter dem Eindruck von Lore Lorentz am Kom(m)ödchen in Düsseldorf bereits beschlossen, Kabarettist zu werden.1956 gründet Hüsch in Mainz mit Gleichgesinnten die "Arche Nova", merkt aber schnell, dass er solo einfach besser ist. Gleichzeitig arbeitet er als Nachrichtensprecher und als Erzählerstimme für die Fernsehserien "Väter der Klamotte" und "Dick und Doof". Nach dem Tod seiner Frau Marianne 1988 zieht er nach Köln. In 53 Jahren Bühnenpräsenz legt Hüsch 70 Programme vor – und wird damit einer der produktivsten Kabarettisten der Bundesrepublik. Dabei ist er nie vordergründig politisch wie sein Kollege Dieter Hildebrandt, sondern bevorzugt die leisen, literarisch-poetischen Töne. Berühmt wird er durch seine grantelnden Monologe mit Orgelbegleitung. Zumeist sind Nörgler, Pedanten und Spießer seine Figuren.

Keine Chance zum "König Lear"

Hüschs größter Wunsch aber ist es, einmal als Shakespeares König Lear auf der Bühne zu stehen. Kurz bevor sich der Lebenstraum am Staatsschauspielhaus Dresden erfüllen soll, erleidet der Kabarettist 2001 einen Schlaganfall. Danach zieht er sich ganz aus der Öffentlichkeit zurück. Hanns Dieter Hüsch stirbt 2005 im Alter von 80 Jahren in Windeck-Werfen.

Stand: 06.05.10