12. Juni 1980 - Kabarettsendung "Scheibenwischer" geht auf Sendung

Start der Sendung "Scheibenwischer" in der ARD

Stichtag

12. Juni 1980 - Kabarettsendung "Scheibenwischer" geht auf Sendung

Mit seiner ARD-Sendung "Scheibenwischer" schreibt der Kabarettist Dieter Hildebrandt Fernsehgeschichte. Eloquent stotternd geht er darin mit seinen Gästen Monat für Monat mit den Großen und Mächtigen ins Gericht - nicht selten behindert von Politikern und Fernsehdirektoren.

Als der "Scheibenwischer" 1982 den Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals, für den Millionen Quadratmeter Naturschutzgebiete im Altmühltal geopfert werden sollen, als sinnloses "Monsterbauwerk" thematisiert, bei dem über sieben Milliarden D-Mark verpulvert worden seien, protestiert die CSU-Regierung gegen das "bayernfeindliche Programm". Und als die Sendung 1986 nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl die Atompolitik von Franz Josef Strauß kritisiert, blendet sich der Bayerische Rundfunk (BR) kurzerhand aus dem gemeinsamen ARD-Programm aus.

Wortwitz mit Gästen

Als Dieter Hildebrandt den "Scheibenwischer" übernimmt, hat er schon reichlich TV-Erfahrung. Bereits seine Auftritte im Schwabinger Studentenkabarett "Die Namenlosen" laufen Mitte der 50er Jahre im Fernsehen. Auch das Silvesterprogramm der von ihm mitbegründeten "Lach- und Schießgesellschaft" wird seit 1963 alle zwei Jahre zur Hauptsendezeit in der ARD übertragen. Ab 1973 moderiert Hildebrandt unter der Regie von Sammy Drechsel im ZDF zudem die "Notizen aus der Provinz", die gespielte Szenen mit dokumentarischem Material verknüpfen und Hildebrandts Ruf als "Querdenker der Nation" begründen. Nach 66 Folgen wird er dem Mainzer Sender allerdings zu frech: Gemeinsam mit Drechsel wechselt Hildebrandt zur ARD.

Am 12. Juni 1980 wird die Kabarettsendung  "Scheibenwischer" erstmals ausgestrahlt. Produziert wird sie vom Sender Freies Berlin (SFB). Im Unterschied zu den "Notizen aus der Provinz" ist sie live: So stellt Hildebrandt sicher, dass höchste Aktualität mit der Unmöglichkeit von Zensureingriffen einhergehen kann. In der Sendung betätigt sich Hildebrandt zumeist als eine Art Conférencier, der die Zeit zwischen den anderen Nummern mit schlagendem Wortwitz – oftmals mit Hieben gegen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) – und scheinbaren Versprechern als Pointen füllt. Den Rest des Programms bestreiten Gäste, darunter Gerhard Polt, Gisela Schneeberger, Werner Schneyder, Jochen Busse oder Konstantin Wecker.

Der Wischer wird Gipfel

Ab 1985 ist auch der Kabarettist Bruno Jonas ständig im "Scheibenwischer" zu Gast; 2000 wird er Hildebrandts ständiger Partner. Hildebrandt selbst verlässt die Sendung 2003 nach 144 Folgen aus Altersgründen. Jonas setzt das Programm gemeinsam mit Mathias Richling noch eine Weile fort. Als letzterer verkündet, auch Comedians einladen zu wollen, verbietet Hildebrandt die weitere Verwendung des Sendungstitels, an dem er die Rechte hat. 2009 wird der "Scheibenwischer" durch den "Satire Gipfel" ausgetauscht.

Stand: 12.06.2015

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