18. April 1909 - Erster deutscher Beamtentag

Luftballon an einem Infostand des Deutschen Beamtenbundes (DBB)

18. April 1909 - Erster deutscher Beamtentag

Der kürzeste Witz über Beamte? "Ein Beamter bei der Arbeit." Über mangelnden Spott kann sich das deutsche Beamtentum wirklich nicht beklagen. Trotzdem gilt der deutsche "Staatsdiener" heute auch als Garant für Zuverlässigkeit, Loyalität und Pünktlichkeit.

Im Kaiserreich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts geht der Staat mit vielen seiner zahlreichen Beamten allerdings nicht sonderlich pfleglich um. Am meisten leiden die sogenannten Betriebsbeamten, die beispielsweise bei Bahn, Post und Telegrafenamt beschäftigt sind.

Erster deutscher Beamtentag (am 18.04.1909)

WDR 2 Stichtag 18.04.2019 04:15 Min. Verfügbar bis 15.04.2029 WDR 2

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Aufbegehren wird bestraft

Die relativ große Gruppe der Betriebsbeamten wird vergleichsweise schlecht bezahlt: Weichensteller, Hilfsschaffner oder Briefträger verdienen viel weniger als etwa ein Geheimrat. Zudem wird das niedrige Gehalt teilweise über Jahre nicht angehoben.

Wer dagegen aufbegehrt - etwa, indem er einen Verein gründet - wird disziplinarisch verfolgt. Berüchtigt ist die Reichspostverwaltung: Sogar Beamte, die nur die Zeitschrift des Reichpost-Verbandes kaufen, werden mit Disziplinarverfahren, Gehaltskürzungen oder Strafversetzungen bedroht.

Über 8.000 Beamte versammeln sich

In dieser Stimmungslage tritt am 18. April 1909 in Berlin der erste Deutsche Beamtentag zusammen. Zum Abschluss des Treffens von über 8.000 Beamten wird eine deutliche Erhöhung der Bezüge gefordert. Finanzminister Georg Freiherr von Rheinbaben weist die Forderung zurück. Wegen leerer Staatskassen sei erst nach einer Finanzreform eine Gehaltszulage denkbar. Den Veranstaltern des Beamtentages wird Geschäftemacherei vorgeworfen.

Zusammenschluss nach der Revolution

Der erste Deutsche Beamtentag bleibt zunächst weitgehend folgenlos. Erst nach der Novemberrevolution organisieren sich die Beamten. Mit der Gründung des Deutschen Beamtenbundes am 4. Dezember 1918 schaffen sie sich einen Dachverband, der sich als Gewerkschaft versteht. Der Zulauf ist groß: Schon im Frühjahr 1919 gibt es eineinhalb Millionen Mitglieder. Damit kann Druck auf die Revolutionsregierung und auf die Weimarer Nationalversammlung ausgeübt werden.

Kein Streikrecht

Mittlerweile sind Beamte besser besoldet: Ortszuschlag, Ministerialzulage, Reinigungszulage, Heiratsprämie, Ausgleichszulage - 115 solcher besonderen Zulagen gibt es allein für Beamte in NRW.

Allerdings hat das - für Deutschland typische - Berufsbeamtentum auch seine Eigenheiten. Beamte dürfen zum Beispiel nicht streiken, sie stehen in einem besonderen Treueverhältnis zum Staat. Sie haben dafür zu sorgen, dass er funktioniert.

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