13. April 1999 - Todestag des DDR-Politikers Willi Stoph

Willi Stoph (vorn) beim XI. Parteitages der SED in Ost-Berlin. Im Hintergrund: Michail Gorbatschow (links) und Erich Honecker

13. April 1999 - Todestag des DDR-Politikers Willi Stoph

"Willy, Willy, Willy", rufen die Menschen 1970 in Erfurt in Sprechchören. Aber sie meinen nicht ihn, Willi Stoph, den Ministerratsvorsitzenden der DDR. Sie meinen Willy Brandt (SPD), den Bundeskanzler der Bundesrepublik. Die Treffen der beiden Politiker 1970 in Erfurt und Kassel gelten als Höhepunkt von Stophs Karriere. Zu diesem Zeitpunkt unterhalten die beiden Länder noch nicht einmal diplomatische Beziehungen.

Ansonsten bleibt Willi Stoph blass und in der zweiten Reihe. Er ist der SED ein zuverlässiger Verwalter und loyal anderen Mitgliedern des Politbüros gegenüber, wie zum Beispiel dem späteren Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker. Und die Sowjets schätzen seine Treue: Stoph, der nach 1945 die Kaderschmiede der KPdSU, die Lenin-Akademie, besucht haben soll, garantiert ihnen, dass es zu keinen unkontrollierbaren Entwicklungen in der DDR kommt.

Willi Stoph, DDR-Politiker (Todestag 13.04.1999)

WDR 2 Stichtag 13.04.2019 04:14 Min. Verfügbar bis 10.04.2029 WDR 2

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"Erich, es geht nicht mehr. Du musst gehen"

Willi Stoph, geboren 1914 in Berlin, gelernter Maurer und Bauingenieur, legt in der DDR eine nahezu makellose Funktionärskarriere hin. Ein Datum fällt jedoch auf: 1960 wird er als Verteidigungsminister leise abgesetzt – als bekannt wird, dass er während der Zeit des Nationalsozialismus einige Lobreden auf das Regime publiziert hat. Aber er ist schnell wieder da, ab 1964 als Ministerratsvorsitzender, also formal Regierungschef.

Doch die wahre Macht in der DDR haben immer noch das Zentralkomitee der SED und dessen Generalsekretär bzw. Erster Sekretär, erst Walter Ulbricht, ab 1971 Erich Honecker. Und der Kreml in Moskau. All diesen Kräften ordnet sich Willi Stoph unter.

Doch die Repressionen von Staatsapparat und SED bewirken immer weniger. Die Menschen in der DDR sind unzufrieden, ab Sommer 1989 kommt es zu einer Flüchtlingswelle nach Ungarn und in die damalige Tschechoslowakei. Rund um den 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989 demonstrieren immer mehr DDR-Bürger in vielen Städten und fordern Reformen.

Es ist Willi Stoph, der am 18. Oktober 1989 im Politbüro die entscheidenden Sätze sagt: "Erich, es geht nicht mehr. Du musst gehen." Gemeint ist Erich Honecker. Drei Wochen später fällt die Mauer.

Stoph lebte wie ein Feudalherr

Während der friedlichen Revolution in der DDR wird vieles bekannt. Der unscheinbare Willi Stoph lebte wie ein Feudalherr: Er besaß ein über acht Millionen Mark teures Jagdhaus, gelegen inmitten eines Naturschutzgebiets an der Müritz. Auch eine TV-Satellitenanlage und eine Sammlung französischer Spitzenweine fehlten nicht. Am 13. April 1999 stirbt Willi Stoph in Berlin.

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Stand: 13.04.2019, 00:00