13. Mai 1950 - Stevie Wonder wird geboren

US-Sänger Stevie Wonder bei einem Konzert in New Orleans am 24.03.2015

Stichtag

13. Mai 1950 - Stevie Wonder wird geboren

Mundharmonika, Klavier, Bongo-Trommeln - schon als Kind spielt er mit jedem Instrument, das er in die Hände bekommt. US-Musiker Stevie Wonder ist ein Multitalent: Er singt, komponiert und produziert mit großem Erfolg. Bisher hat er über 100 Millionen Tonträger verkauft, mehr als 30 Hits auf den ersten zehn Plätzen der US-Charts platziert und 25 Grammys erhalten. Seine Innovationskraft und seine stilistische Variationsbreite, die von Jazz-, Blues- und Soul- über Pop-, Reggae- und Rock-Elemente reicht, macht ihn zum internationalen Star.

Diese Karriere ist nicht absehbar. Wonder startet mit einem dreifachen Handicap in sein Leben: Er ist arm, schwarz und blind. Auf die Welt kommt er am 13. Mai 1950 als Stevland Hardaway Judkins in Saginaw im US-Bundesstaat Michigan. Als Frühgeburt wird er in einem Brutkasten untergebracht. "Dort habe ich zu viel Sauerstoff bekommen", sagt der Musiker später. "Das hat mir mein Augenlicht genommen." Er wächst mit fünf Geschwistern in den Slums von Detroit auf. In der Schule wird ihm "blinder Nigger" nachgerufen. Doch von seiner Mutter lernt er, sich niemals zu schämen. Auch sein Lebensmotto hat er von ihr: "Meine Mutter hat mir immer gesagt, dass ich alles machen kann, solange ich vorsichtig bin."

Volle Kontrolle über seine Musik

Bereits 1950 tritt der neunjährig Stevland als Solosänger in einer Baptisten-Gemeinde auf. Ronnie White von der Band "Miracles" entdeckt ihn und stellt den Kontakt zur Detroiter Schallplattenfirma "Motown" her, die schwarzen Musikern eine Plattform bietet. "Der Junge ist ein Wunder", sagt "Motown"-Chef Barry Gordy - und gibt Stevland Judkins den Künstlernamen "Little Stevie Wonder". 1963 erscheint das erste Album unter dem Titel "Little Stevie Wonder: The Twelve-Year-Old Genius". Mit der Single "Fingertips" gelingt Wonder der Durchbruch, sie wird zur Nummer eins der Hitparade. Noch im selben Jahr tritt er mit Soul-Legende Ray Charles auf.

Aus dem Wunderkind wird ein typischer "Motown"-Sänger mit eingängigen Balladen. Seinen eigenen Stil findet Wonder mit 18 Jahren: Er tauscht Anzug und Krawatte gegen Kappe und Samtjeans. Mit seiner Plattenfirma verhandelt er über die volle künstlerische Kontrolle seiner Musik - und erhält sie tatsächlich. Wonder ist nun sein eigener Boss: Er komponiert, textet und spielt viele Instrumente selbst. Er experimentiert mit verschiedenen Musikgenres und arbeitet unter anderem mit Eric Clapton, Paul McCartney und Johnny Winter zusammen. Wonder ist auf dem Höhepunkt seiner musikalischen Kreativität. Allein 14 seiner Grammys gewinnt er zwischen 1974 und 1977.

Oscar für "I just called to say I love you"

1976 entsteht Wonders prämiertes Meisterwerk "Songs in the Key of Life". In 21 Liedern beschreibt er darin ein ganzes Leben: Er wünscht sich unbeschwerte Jugendtage zurück; schildert das Leben in den Ghettos, wo die Menschen vor lauter Hunger Hundefutter essen; und singt eine Hommage an die großen Jazz-Musiker wie Duke Ellington, Louis Armstrong und Ella Fitzgerald. Auch das Album "Hotter than July" von 1980 verkauft sich so gut, dass es mit einer Platin-Schallplatte ausgezeichnet wird. Vier Jahre später gelingt Wonder mit dem Lied "I just called to say I love you" aus dem Film "The Woman in Red" sein größter Hit, der 1985 mit einem Oscar ausgezeichnet wird.

Wonder widmet den Oscar dem damals inhaftierten südafrikanischen Freiheitskämpfer Nelson Mandela. Für die Anti-Apartheid-Bewegung engagiert sich der Sänger auch in Interviews, auf Demonstrationen und in Songs. Er setzt sich auch jahrelang dafür ein, den Geburtstag seines Vorbildes Martin Luther King zum nationalen US-Gedenktag zu machen. Heute gilt Wonder, der seit 2009 UN-Friedensbotschafter ist, als Pate der schwarzen amerikanischen Popmusik. Er ist bei der Amtseinführung von US-Präsident Barack Obama aufgetreten und hat bei den Trauerfeiern von Michael Jackson und Whitney Houston gespielt.

Stand: 13.05.2015

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