11. März 1997 - Elizabeth II. schlägt Paul McCartney zum Ritter

Paul McCartney 2011 live im Engenhao Stadion in Rio de Janeiro

Stichtag

11. März 1997 - Elizabeth II. schlägt Paul McCartney zum Ritter

Auf den billigen Plätzen möge man doch mitklatschen, bittet John Lennon zum Abschluss des Beatles-Konzerts 1963 im Londoner Prince of Wales Theatre. "Der Rest von Ihnen klimpert einfach mit den Juwelen". Auf den teuren Plätzen lauschen Queen Mum Elizabeth und Prinzessin Margret der Royal Command Performance von Englands berühmtester Beatband. Brian Epstein, der Manager der Pilzköpfe, ist froh, dass John der "jewellery" kein "fucking" hinzugefügt hat.

Die Royals zeigen Humor und nehmen den Scherz nicht übel. 1965 erhalten John, Paul, George und Ringo von Queen Elizabeth II. den "Order of the British Empire" (MBE), den britischen Verdienstorden – allerdings in der untersten Stufe. Höhere königliche Ehren werden als einzigem der Fab Four nur noch Paul McCartney zuteil. Doch auf den ersehnten Ritterschlag Ihrer Majestät muss der 1942 in Liverpool geborene und in bürgerlicher Umgebung aufgewachsene Superstar lange warten.  

Im Frack zum Buckingham Palast

Dabei war Paul McCartney schon immer ein bekennender Fan der Queen. Als Elfjähriger gewinnt er einen Aufsatzwettbewerb anlässlich Elizabeths Krönung mit einer Lobeshymne auf die "schöne junge Königin". Als millionenschwerer, geachteter Weltstar wird er von seiner Königin zum Diner geladen und bei ihrem Kronjubiläum tritt er als Stargast auf. 1997 präsentiert McCartney als Maler bei seiner Gemäldeschau in Siegen ein eher respektloses Porträt der Queen. "Wir dürfen uns über die Königin lustig machen", verteidigt sich der Künstler. "Sie ist kein Diktator." Titel des Elizabeth-Bildnisses: "Nach ihrer ersten Zigarette". 

Seine Beförderung in den Adelsstand verdankt Paul McCartney nicht zuletzt der Nominierung durch Premierminister John Major. 1997 wird der - im Duo mit Lennon - erfolgreichste Songschreiber der Popgeschichte zum "Knight", zum Ritter erhoben. Am 11. März fährt Mr. McCartney mit Frack und Krawatte in einem dunkelblauen Mercedes am Buckingham Palast vor. Er kommt allein; seine an Krebs erkrankte Frau Linda kann ihn nicht mehr begleiten. "Ein wunderschöner Tag und ein langer Weg hierher von der kleinen Terrace Street in Liverpool", erklärt der 55-Jährige sichtlich nervös den Reportern.  

Vivienne Westwood ohne Unterwäsche

Unter dem Gekreische einiger hundert Fans betritt McCartney mit einer Victory-Geste den Palast. "Es scheint seltsam, ohne die anderen drei hier zu sein", meint der Ex-Beatle. "Ich schaue ständig hinter mich, ob sie nicht doch da sind." Ernst und mit ausgesuchter Höflichkeit kniet der Popstar vor Elizabeth II. nieder und empfängt den Ritterschlag zum "Knight Bachelor". So viel Respekt ist der Queen nicht immer vergönnt: Mode-Designerin Vivienne Westwood etwa trug bei ihrer Standeserhebung zwar eine Strumpfhose, aber deutlich erkennbar keine Unterwäsche.  

Damit verglichen, urteilt der anwesende ARD-Korrespondent Thomas Schreiber, sei McCartneys Adelung eine "außerordentlich bürgerliche Zeremonie" gewesen. "Ich bin stolz auf dieses Land", bekennt der nun als "Sir" zu titulierende Ex-Beatle bewegt beim Verlassen des Palastes. Dass die Ex-Kumpel George und Ringo den frisch gebackenen Ritter als "Eure Heiligkeit" verulken, erträgt Sir Paul souverän - noblesse oblige.

Stand: 11.03.2012

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