Handballer, Weltmeister, Gummersbacher: Zum 70. von Heiner Brand

Stand: 26.07.2022, 06:00 Uhr

Er war der erste Handballer, der als Spieler und Trainer Weltmeister wurde: Heiner Brand. Noch heute geht der gebürtige Gummersbacher als Fan zu den Spielen des VfL, wo er als Siebenjähriger zum Handball kam. Nun feierte Heiner Brand seinen 70. Geburtstag.

Sein Markenzeichen ist unschwer zu erkennen: "Natürlich der Schnäuzer", sagte Heiner Brand lachend. Das Lachen vergehe ihm jedoch, wenn jemand seinen Schnäuzer als Walrossbart bezeichnet. "Finde ich nicht so toll. Ich hab den Begriff auch schon einige Male gehört und muss auch damit leben können", so Brand gegenüber dem WDR.

Allzu viel Aufregung tut sich Heiner Brand aber auch nicht mehr an. Auch die Feier zu seinem 70. Geburtstag fällt nicht allzu groß aus. Brand ist mit Frau, Kindern und Enkelkindern verreist. "Ich hatte mal eine größere Feier in Erwägung gezogen, aber davon bin ich wieder abgekommen. Vielleicht hole ich einige Sachen nach", sagte Brand dem SID.

Handball-Legende Heiner Brand wird 70 Sportschau 26.07.2022 02:51 Min. Verfügbar bis 26.07.2023 ARD

Bart musste nach EM-Titel dran glauben

Nach dem EM-Titel 2004 löste Heiner Brand ein Versprechen ein und rasierte seinen Bart. | Bildquelle: imago/Heuberger

Grund zum Feiern hatte Brand in seiner langen Karriere genug. 2004 etwa, als er als Trainer mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft Europameister wurde. Damals musste dann auch der Schnauzbart dran glauben. "Da hatte ich den Spielern versprochen, dass sie den Schnäuzer mal rasieren dürften, wenn wir den Titel holen. Dann haben wir den Titel geholt und die Spieler haben ihren Spaß gehabt", sagte Brand.

2007 war es dann andersherum, als die deutsche Mannschaft im eigenen Land Weltmeister wurde. Brands größter sportlicher Erfolg als Trainer. Der Bart blieb dran, stattdessen klebten sich die Spieler buschige Schnäuzer ins Gesicht. Dieser Erfolg sei "immer präsent", so Brand. "Die Begeisterung, die das ausgelöst hat, war einmalig."

Erster Weltmeister als Trainer und Spieler

Der gebürtige Gummersbacher wurde damals zum ersten Handballer, der es schaffte, als Trainer und Spieler Weltmeister zu werden. Als Spieler schaffte Brand das 1978. "So im Nachhinein war der Sieg sehr hoch einzuschätzen, weil wir als Amateure gegen die Vollprofis des damaligen Ostblocks gewonnen haben, das war damals schon eine außergewöhnliche Leistung", sagte Brand rückblickend.

Und erst vor zwei Monaten gab es im Hause Brand wieder Grund zum Feiern, als sein Herzensverein, der VfL Gummersbach den Aufstieg in die Bundesliga perfekt gemacht hatte. Vor drei Jahren war der deutsche Rekordmeister erstmals in der Vereinsgeschichte abgestiegen. Nun gelang die Rückkehr. Für Brand war das so etwas wie ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk. "Passt also in diesem Jahr ganz gut. Ich hoffe aber auch, dass man sich in der Bundesliga wieder etablieren kann, da sehe ich aber auch gute Voraussetzungen."

Brand noch heute Fan des VfL

Noch heute geht Brand als Fan zu den Spielen des VfL, bei dem er einst als Siebenjähriger zum Handball kam. Zudem wohnt er noch in seinem Elternhaus, nur wenige Hundert Meter von der Gummersbacher Halle entfernt. Sechs Mal wurde Brand als Spieler mit dem VfL Deutscher Meister, vier Mal holte er den DHB-Pokal. Jeweils zwei Mal wurde er Europapokalsieger der Pokalsieger sowie Europapokalsieger der Landesmeister. Zwischen 1987 und 1991 und 1994 bis 1996 stand Brand auch als Trainer beim VfL an der Seitenlinie und holte zwei Mal die deutsche Meisterschaft.

Unterwegs mit ... der Sportlegende Heiner Brand WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 17.01.2022 09:43 Min. Verfügbar bis 17.01.2023 WDR 5

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Für den WM-Gewinn 2007 wurde Brand auch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Zum 70. Geburtstag kam nun auch ein Glückwunsch aus dem politischen Berlin: "Nur wenige Menschen haben den deutschen Handball so stark geprägt wie Sie. Als Spieler und Trainer haben Sie Handballgeschichte geschrieben", schrieb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an Brand, der sich "bei allem Ruhm und bei aller Popularität stets treu geblieben" sei. "Niemals haben Sie vergessen, dass man nur dann ganz nach oben kommt, wenn man den Weg nicht alleine geht", sagte Steinmeier.

Keine Angst vor dem Alter

DHB-Präsident Andreas Michelmann würdigte Brand als "eine der größten Persönlichkeiten, die wir je hatten - –nicht nur im Handball, sondern im gesamten deutschen Sport".

Für Brand selbst sei nun Gesundheit das oberste Ziel. Man müsse nun "mehr aufpassen und bewusster leben", sagt er, "aber Angst vor dem Alter habe ich keine."

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