28. November 1881 - Der Schriftsteller Stefan Zweig wird geboren

Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig. Photographie. 1925

28. November 1881 - Der Schriftsteller Stefan Zweig wird geboren

Bei Stefan Zweig geht es immer um Leidenschaft: "Denn wenn wir lesen, was tun wir anderes, als fremde Menschen von innen heraus mitzuerleben, mit ihren Augen zu schauen, mit ihrem Hirn zu denken?"

"Sein literarischer Ruhm reichte bis in die letzten Winkel der Erde", schreibt Thomas Mann zum zehnten Todestag von Stefan Zweig. Auch schon zu Lebzeiten ist der Österreicher einer der bekanntesten Schriftsteller Europas und sogar der meistübersetzte Autor der Welt.

Stefan Zweig, österr. Schriftsteller (Geburtstag, 28.11.1881)

WDR ZeitZeichen 28.11.2021 14:49 Min. Verfügbar bis 29.11.2099 WDR 5


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Zweig kann visuell erzählen und ist ein Meister des Plots. Seine Novellen und die so effektvollen wie spannenden Biografien historischer Persönlichkeiten finden ein Massenpublikum. Und Zweig ist produktiv: Er schreibt auch Gedichte, Essays, Romane, Dramen und sogar ein Libretto.

Zweifelt an sich

Geboren wird Stefan Zweig am 28. November 1881 in Wien. Sein Vater ist jüdischer Fabrikant, seine Mutter ist in Italien aufgewachsen und stammt aus einer Bankiersfamilie. Stefan spricht schon bald fünf Sprachen fließend und fühlt sich in Frankreich oder Italien ebenso zu Hause wie in Österreich.

Zweig promoviert in Philosophie und schreibt schon früh. Mit 21 Jahren arbeitet er als Journalist für die "Neue Freie Presse", Wiens bedeutendste Zeitung. Er übersetzt Gedichte und verfasst Texte über Dichter-Kollegen. Da er stets an sich zweifelt, verehrt er die Größe der anderen. Dazu gehören Arthur Schnitzler und Sigmund Freud.

Von Obsessionen getrieben

Zweig gilt als "Genie der Freundschaft": Er hat in ganz Europa unzählige Freunde, zu denen er engen Kontakt hält und sie gutherzig unterstützt. Darauf, dass Zweig Millionen verdient, sind einige Kollegen allerdings neidisch. Er wird als "Erwerbs- Zweig" verspottet.

Zugleich lässt Zweig kaum jemand wirklich an sich heran. Er wird von Obsessionen getrieben: "Die Erotik, sie entsetzt mich, weil sie mich nimmt und nicht ich sie." Das Ergebnis sind ungezählte Affären. Literarisch beschäftigt sich Zweig am liebsten mit Zerrissenen und Gequälten wie Hölderlin, Dostojewski und Nietzsche.

Flucht vor den Nazis

Als in Deutschland die Nationalsozialisten die Macht übernehmen, werden auch Zweigs Bücher verbrannt. 1934 wird sein Haus nach Waffen durchsucht. Für ihn ein Zeichen, dass er auch in Österreich nicht mehr sicher ist. Er emigriert nach London und 1940 zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Lotte in die USA.

Zwar geht es dem Erfolgsautor materiell besser als anderen Exilanten, doch er fühlt sich zunehmend verloren. Er leidet unter Depressionen. Erschöpft "durch die langen Jahre heimatlosen Wanderns" nimmt sich Stefan Zweig am 23. Februar 1942 zusammen mit Lotte in Brasilien das Leben. Zuvor hat er seine Biografie beendet und die "Schachnovelle" geschrieben.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Christiane Kopka
Redaktion: Ronald Feisel

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 28. November 2021 an Stefan Zweig. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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