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Ein Glas Pilsener Urquell in der Brauerei

5. Oktober 1842 - Das erste Pilsner Urquell wird gebraut

Vor genau 180 Jahren wurde das erste Pils ausgeschenkt - eine Revolution des Bierbrauens, die bis heute unseren Geschmack bestimmt. Erfunden hat es Josef Groll, ein Bayer in Böhmen - und zwar weil das Bier in Pilsen vorher wahnsinnig schlecht war.

Die Geschichte des Pils beginnt mit einer kleinen Bierrevolution. Im Jahr 1838 haben die Pilsener Bürger endgültig genug von dem ekelhaften Gebräu, das ihnen in den Gaststätten vorgesetzt wird. Das dunkle, obergärige Bier ist sauer und ungenießbar. Um klarzumachen, dass es so nicht weitergehen kann, stürmen sie die Brauereien, nehmen das Bier mit und kippen die Plörre fässerweise auf den Rathausplatz.

Das erste Pils (am 5.10.1842)

WDR ZeitZeichen 05.10.2022 13:32 Min. Verfügbar bis 05.10.2099 WDR 5


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Der Protest zeigt Wirkung. Der Magistrat der böhmischen Stadt verspricht, die Sudpfannen künftig nur noch einem Fachmann zu überlassen und macht sich auf die Suche. Fündig wird er in Person von Josef Groll im niederbayrischen Vilshofen. Die Bayern sind schon seit geraumer Zeit dafür bekannt, gute, reine und saubere Biere brauen zu können.

Der Bierretter aus Bayern

Dem 29-jährigen Groll sind Hopfen und Malz gewissermaßen in die Wiege gelegt worden, denn sein Vater ist ebenfalls Bierbrauer und Besitzer einer Brauerei. Als der Bierretter aus Bayern 1842 in Pilsen eintrifft, findet er beste Arbeitsbedingungen vor. Gerade erst ist das neue Bürgerbrauhaus fertig geworden. Es entspricht den aktuellen Standards und verfügt über ein neun Kilometer langes Kühlgewölbe.

Außerdem bringt Groll nicht nur seinen eigenen Fassmacher mit, sondern auch das deutsche Reinheitsgebot. Zwar heißt das zu der Zeit noch nicht so, sondern ist erstmal eine Landesverordnung, der Inhalt aber ist der gleiche. Um seine Untertanen vor wild "brauenden Individuen" zu schützen, hat Bayern-Herzog Wilhelm IV. 1516 dekretiert, dass Bier nur aus Gerste, Hopfen und Wasser zu sieden sei.

Es ist ein glücklicher Zufall, dass Groll diese Zutaten vor Ort in besonders guter Qualität vorfindet. So fließt in Böhmen - anders als in Bayern - weiches und salzarmes Wasser und auch der örtliche Saazer Hopfen eignet sich hervorragend für die Bier-Herstellung. Der junge Bierbrauer experimentiert - verwendet statt des gebräuchlichen dunklen Malzes ein nur sehr leicht gedarrtes, helles Malz. Außerdem rückt er den Hopfen als Aromastoff in den Vordergrund.

Blond, fein-herb und mit Schaumkrone

Am 5. Oktober 1842 ist es dann soweit: Groll präsentiert ein ungetrübtes, gold-gelbes Bier mit Schaumkrone und fein-herber Geschmacksnote. Es bekommt den Namen "Pilsner Urquell". Gut einen Monat später wird das Bier erstmals in drei Pilsener Gasthäusern ausgeschenkt und kommt bei den kritischen Experten sofort gut an. Zum Erfolg tragen auch die durchsichtigen Biergläser bei, die in den Wirtshäusern nach und nach die dicken Steinkrüge verdrängen. Denn so fällt die appetitliche, blonde Farbe sofort ins Auge.

Es ist der Beginn eines weltweiten Siegeszugs. Heute machen Biere nach Pilsner Art gut zwei Drittel der Weltproduktion des Gerstensafts aus. Eine Rolle mag dabei spielen, dass die Pilsener ihr Bier erst 1898 als Schutzmarke eintragen lassen. Da sind aus den Bier-Wutbürgern längst glückliche Pils-Trinker geworden.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Martina Meißner
Redaktion: David Rother​

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