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23.03 - 06.00 Uhr ARD Infonacht
Das Buchcover zu Jim Knopf.

Neufassung 'Jim Knopf': Sollten Kinderbuch-Klassiker verändert werden?

Der Verlag hat Passagen, die heute als rassistisch gelten, verändert. Aus "Indianerjunge" wurde "Junge". Das N-Wort ist raus. Michael Ende hat das aber verwendet, um auf den Irrsinn rassistischer Zuordnungen hinzuweisen. Wie weit sollten Verlage gehen, wenn sie solche Klassiker umschreiben? Oder sollten sie das lassen? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch!

Zwei Jahre lang haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stuttgarter Thienemann Verlag mit den Nachfahren von Michael Ende an einer überarbeiteten Version seiner Jim-Knopf-Bücher gearbeitet. Am Samstag erschienen sie mit geänderten Illustrationen und Textpassagen.

Das N-Wort wurde aus dem Text entfernt, obwohl es nur an einer Stelle auftaucht und einem Unsympath in den Mund gelegt wurde. Die Assoziation von schwarzer Haut mit schmutziger Haut, mit der Autor Michael Ende (1929-1995) die Nähe zwischen dem oft verrußten Lokomotivführer Lukas und dem Schwarzen Jim Knopf begründen wollte, taucht in der überarbeiteten Version nicht mehr auf. Die Illustrationen wurden so verändert, dass Haut- und Haarfarbe von Jim nun etwas heller sind, der Junge keine Pfeife mehr raucht und keine wulstigen rosa Lippen mehr hat. Der Verlag begründet das mit "Irritationen", die solche Darstellungen bei Schwarzen Menschen mit Rassismuserfahrung auslösen, und mit dem veränderten Zeitgeist.

"In Schulklassen und Familien finden sich viel mehr Kinder mit einem Migrationshintergrund, viel mehr Kinder, die selbst Schwarz sind. Auch sie sollen Jim Knopf mit Vergnügen und Gewinn lesen können, denn die Geschichten sind es wert", sagt Verlegerin Bärbel Dorweiler im Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Sie glaubt, dass die Änderungen deshalb im Sinne Endes seien. Die 2015 erschienene Fassung ohne Überarbeitungen wird übrigens weiter erhältlich bleiben.

Andere widersprechen. Ende habe seine Geschichten als Gegenentwurf zur Nazi-Ideologie geschrieben, deshalb seinen Charakteren bewusst das rassistische N-Wort in den Mund gelegt und sie zugleich entlarvt. Das Buch werde "enthistorisiert", Endes Intentionen werden untergraben und Leserinnen und Leser der Gelegenheit beraubt, mit ihren Kindern selbst über die vermeintlich problematischen Wörter zu sprechen. Zuvor lösten bereits Überarbeitungen anderer Kinderbuchklassiker wie Pippi Langstrumpf oder der Bücher von Roald Dahl Diskussionen um Sprache und gesellschaftliche Entwicklungen aus.

Was denken Sie? Würden Sie Ihren Kindern das Original oder die neue Version von Jim Knopf kaufen? Wie stehen Sie zu Überarbeitungen von Kinderbuchklassikern? Wie viel Anpassung vertragen sie, was geht verloren? Wie viel ist nötig, um Kindern einen möglichst diskriminierungsfreien Sprachgebrauch und möglichst keine rassistischen Stereotype zu vermitteln? Geht das überhaupt?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).

Gast: Karim Fereidooni, Professor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung an der Ruhr-Universität Bochum

Redaktion: Thomas Vehling und Lars Schweinhage

Neufassung 'Jim Knopf': Sollten Buch-Klassiker verändert werden?

WDR 5 Tagesgespräch 26.02.2024 45:57 Min. Verfügbar bis 25.02.2025 WDR 5


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