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Europamagazin mit Judith Schulte-Loh
Die Autorin Traudl Bünger.

Eisernes Schweigen: Das Attentat meines Vaters – Traudl Bünger

Traudl Bünger hat in einer aufwendigen Recherche herausgefunden, dass ihr Vater sich nicht nur in extrem rechten Kreisen bewegte, sondern für ein Bombenattentat in Südtirol in den 1960er Jahren mitverantwortlich ist – und darüber Zeit seines Lebens geschwiegen hat.

Geheimnisse gibt es in jeder Familie. Manche sind eher klein, andere kaum zu verzeihen. Heinrich Bünger, Jahrgang 1935, bewegt sich schon als Student zusammen mit seinem Bruder in rechten Kreisen. Er ist Mitglied in einer Verbindung und lernt darüber Personen kennen, die aus heutiger Sicht nur als rechtsterroristisch bezeichnet werden können. Noch in seiner Studentenzeit plant und begeht er Bombenattentate in Südtirol, bei denen ein Mensch den Tod findet – von denen seine Familie zu Lebzeiten nie erfährt.

Nach seinem Tod im Jahr 2016 entdeckt seine Tochter Traudl Bünger erste Spuren dieser Vergangenheit. Mehrere Jahre deckt sie in deutschen Archiven die komplexen Zusammenhänge nicht nur der Geschichte ihres Vaters und seiner rechtsradikalen Einstellung auf. Die zögerliche Reaktion der westdeutschen Justiz, die Instrumentalisierung der Anschläge durch die DDR werfen ein erhellendes Licht auf den Umgang mit den Nachwehen der NS-Zeit bzw. der Fortdauer rechtsradikaler Einstellungen in der jungen Bonner Demokratie. Und nicht zuletzt wird klar, wie sehr dieses Familiengeheimnis das Zusammenleben der Familie Bünger geprägt hat und selbst noch über den Tod des Vaters fortwirkt.

Buchtipp:
Traudl Bünger (2024): Eisernes Schweigen. Das Attentat meines Vaters. Eine deutsche Familiengeschichte. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 384. Seiten. 24 Euro. ISBN: 978-3-462-00490-8

Redaktion: Valentina Dobrosavljević

Eisernes Schweigen: Das Attentat meines Vaters – Traudl Bünger

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 16.04.2024 25:48 Min. Verfügbar bis 16.04.2025 WDR 5


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