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25.04.2023 – Giovanni Paisiello, "Il Re Teodoro in Venezia" an der Hochschule für Musik und Tanz Köln

Stand: 25.04.2023, 09:30 Uhr

Weil die Kommune 1992 die Subventionen kürzte, musste Hans Werner Henze die Oper "Il Re Teodoro in Venezia" von Giovanni Paisiello bei seinem Festival in Montepulciano für ein Kammerensemble umarbeiten. Herausgekommen ist freilich ein Meisterwerk der modernen Adaption alter Werke, und, was das Orchester anbelangt, ein höchst anspruchsvolles, ja geradezu virtuoses Stück.

Hat man jemals schon eine Arie wie die von Sandrino gehört, der sich von Lisetta verraten fühlt und sich beklagt, nur ein einfacher Liebhaber zu sein, bei der eine Soloposaune seine Gefühlsverwirrungen ausdrückt? Im Gegensatz zu Teodoro, dem vormaligen Kurzzeitkönig von Korsika, der allerdings im Kerker landet: Dem hat Henze ein pochendes Fagott, eine jammernde Klarinette mitgegeben und später, als er noch einen Funken Hoffnung hegt, das Ganze mit Flöten aufgehellt.

Es sind 20 Soloinstrumente, die hier das Ensemble bilden, und die Partien verlangen auch wirklich Solisten, alles Studierende der Kölner Hochschule für Musik und Tanz unter Leitung von Stephan E Wehr und seines Assistenten Moritz Dindorf. Henze sagte, er habe „neu orchestriert“ (ein Understatement) und "neue Rezitative" geschaffen, diese für einen extrem schwierigen Klavierpart und für Kontrabass, der dabei aber nicht nur Basstöne zupft, sondern komplizierte Akkorde zu spielen hat und sozusagen ein Eigenleben in der Oper entwickelt. Man hat es wirklich mit einem höchst interessanten neuartigen Opernstil zu tun.

Szene aus dem 1. Akt von "Il Re Teodoro in Venezia" an der Hochschule für Musik und Tanz Köln

Szene aus dem 1. Akt von "Il Re Teodoro in Venezia" an der Hochschule für Musik und Tanz Köln

Diese Henze-Paisiello-Oper wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Opera buffa im Konzertsaal der Hochschule realisiert, und zwar in einer vollszenischen Produktion in der Regie von Jochen Biganzoli auf einer Bühne von Andreas Wilkens und mit Videounterstützung von Thomas Lippick. Gezeigt wird die Dekadenz der reichen Leute, denn dieser Teodoro alias Theodor von Neuhoff, geboren 1694 zu Köln, den es also tatsächlich gegeben hat, ist ja so etwas wie ein Selfmademan, der hoch hinaus kommt und ebenso tief fällt.

Auf der Kölner Hochschulbühne vermischen sich die Ebenen: Unten treibt der Regisseur die Darsteller commedia-dell'arte-artig zu einer reaktionsschnellen Situationskomik an. Oben werden im ersten Akt Jachten, Schlösser, Ferraris und Schmuck gezeigt, im 2 Akt, wenn es mit Teodoro abwärts geht, bunkerähnliche Wohnsiedlungen. Eine besonders hübsche Szene: Lisetta, die gerne Königin werden will, streitet irgendwann mit ihrem Sandrino, so wie man es aus vielen komischen Opern kennt. Hier aber wird dieses Hin und Her in einen regelrechten Chatverlauf verwandelt, den das Publikum verfolgen kann, und bei dem man sich wundert, wie sehr das Geplänkel aus dem 18. Jahrhundert mit einem heutigen übereinstimmt.

"Il Re Teodoro in Venezia" verlangt acht durchaus anspruchsvolle Solopartien, die alle von Studierenden der Hochschule auf bemerkenswert hohem sängerischen und darstellerischen Niveau gestaltet wurden. Darunter in der Titelrolle Maksim Andreenkov, der am 24. Februar 2022 in Moskau mit seiner Frau an Protesten gegen den Ukrainekrieg teilnahm, inhaftiert wurde, dann nach Köln kommen konnte und hier sein Studium fortsetzt.

Premiere: 21.04.2023, besuchte Vorstellung: 24.04.2023

Besetzung:
Teodoro: Maksim Andreenkov
Gafforino: Hyoungioo Yun
Taddeo: Hojin Chung
Lisetta: Evelyn Grünwald (24.4.) (Elena Plaza, Neféli Spyropoulou)
Sandrino: Ramon Mundin
Belisa: Alicia Grünwald (24.4.) (Laura Kriese)
Acmet: Chen Tan
Messer Grande: Kecheng Zhao

Orchester der Hochschule für Musik und Tanz Köln

Musikalische Leitung: Stephan E. Wehr
Musikalische Assistenz: Moritz Dindorf
Inszenierung: Jochen Biganzoli
Bühnenbild und Kostüme: Andreas Wilkens
Video: Thomas Lippick
Licht: Thomas Vervoorts
Produktionsleitung: Heike Sauer