Projekt zur Namens-Aufarbeitung der Westfälischen Wilhelms-Universität abgeschlossen

Lokalzeit Münsterland 25.01.2023 02:34 Min. Verfügbar bis 25.01.2024 WDR Von Martin Heuchel

Ende der Uni-Namensdebatte in Münster in Sicht

Stand: 26.01.2023, 16:14 Uhr

Die Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster will Anfang April entscheiden, ob sie ihren Namen beibehält. Der Bericht der Forscher zum umstrittenen Namensgeber liegt seit Mittwoch vor.

Von Martin Heuchel

Die Probeabstimmung brachte ein klares Ergebnis: Alle Anwesenden im Senat der Uni waren am Mittwoch dafür, sich vom umstrittenen Namensgeber Kaiser Wilhelm II. zu trennen. Bindend ist dieses Votum nicht, entscheiden wird der Senat erst am 5. April. Für die Namensänderung braucht es eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

Seit Mittwoch liegt auch der Forschungsbericht zur Namensdiskussion vor. Darin geht es nicht um eine Bewertung Kaiser Wilhelms II. aus historischer Sicht. Vielmehr wollten die Forscher um Projektleiter Eckhard Kluth dem Uni-Senat aufzeigen, welche Beziehung Münster und insbesondere die Hochschule zum Kaiser hatten.

Keine große Beziehung zur Uni

Eckhard Kluth vor einem Bücherregal.

Eckhard Kluth sieht keine enge Verbindung zu Wilhelm II.

Das Ergebnis des Berichtes ist eindeutig: Wilhelm II. ist zwar einmal in Münster zu Gast gewesen, die Universität hat er aber nie besucht. Kluths Fazit: Die Beziehung zwischen Wilhelm und der Universität war brüchiger als bisher angenommen.

Eine Frau schiebt einen Aktenwagen durch ein Archiv mit mit Kartons gefüllten, hohen Regalen.

Alte Uni-Unterlagen wurden gesichtet

Das gilt auch für die Namensgeschichte. Zum Beispiel trug die Universität zwischen 1929 und 1952 offiziell gar nicht Wilhelms Namen. Warum sich die Uni 1952 dann erneut umbenannte, ist bislang nicht eindeutig geklärt.

Die Ergebnisse rücken die Beziehung zwischen Kaiser und Uni also in ein neues Licht: Eine echte Verbindung bestand folglich nicht.

Wilhelm II. - ein problematischer Namensgeber

Zwei Menschen und ein Buch

Die Forschung zu Wilhelm II. brachte eindeutige Ergebnisse

Abgesehen von der Verbindung Wilhelms II. zur Uni steht der Namensgeber an sich bei Studierenden schon länger in der Kritik. Eine Arbeitsgruppe um den Historiker Prof. Dr. Olaf Blaschke hatte 2020 bereits bestätigt: Kaiser Wilhelm II. sei "überaus militaristisch und nationalistisch, antislawisch und geradezu obsessiv antisemitisch" gewesen.

Entscheidung im April

Die Namensdiskussion ist also in der entscheidenden Phase. Aktuell erscheint als Ende der kritischen Auseinandersetzung mit Namensgeber Kaiser Wilhelm II. wahrscheinlich, dass der Name geändert wird. Weitere Schritte zur Entscheidungsfindung sind bis April nicht geplant, man wolle der Sache aber ausreichend Raum geben, hieß es auf WDR-Nachfrage.

Über dieses Thema haben wir am 25.und 26.01.2023 in der Lokalzeit Münsterland auf WDR 2 und im WDR Fernsehen berichtet.